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Kein Smartphone – Anregungen für einen Tag

Jugendliche Gruppe mit Shoppingbeuteln
Freizeit und Erholung
© drubig-photo - Fotolia.de
von Hildegard Dierks

Ein Leben ohne Smartphone ist für viele unvorstellbar. Vor allem Jugendliche aber mittlerweile auch die Erwachsene nutzen es sehr oft: Wir hören Musik mit unserem Smartphone, fotografieren, filmen, flirten kommunizieren oder surfen im Internet, nutzen Apps für den Einkauf und die Bahnverbindung. Nur noch selten telefonieren wir mit dem Smartphone. Dieser kleine Alleskönner hat uns „im Sturm“ erobert. Smartphones sind nicht nur praktisch, sie sehen auch schick aus. Es ist ein Statussymbol, ein sog. Must-Have.

Lesedauer:
5 min

Kein Smartphone – Sinnvolle Strafaktion oder pädagogische Sackgasse?

Früher galt ein Fernsehverbot als typische Strafe. Heute versuchen manche Eltern, ein Smartphone‑Verbot auszusprechen – etwa wenn Kinder zu viel Zeit am Handy verbringen, schulische Leistungen darunter leiden oder seelische Belastungen auftreten.

Doch ist ein Smartphone‑Verbot wirklich sinnvoll? Warum fällt es Eltern so schwer, Smartphones konsequent zu regulieren? Und welche Alternativen gibt es?


Warum Smartphone‑Verbote schwierig sind

Nur wenige Eltern möchten ihren Kindern deutlich später als Gleichaltrigen ein Smartphone erlauben. Und selbst die meisten, die es gern würden, scheitern an der Realität:
In der Pubertät hat Zugehörigkeit zu Gleichaltrigen höchste Priorität.

➡️ Kein Smartphone = Risiko, sozialer Außenseiter zu werden

Viele Eltern wissen außerdem, dass Kinder ohnehin Wege finden, online zu gehen – etwa über Freundinnen oder Geschwister.

Hinzu kommt:

  • Schulische Infos, z. B. Stundenplanänderungen, laufen oft ĂĽber WhatsApp‑Gruppen.
  • Smartphones sind im Alltag tief verankert – bei Jugendlichen und Eltern.

Aus pädagogischer Sicht empfiehlt man heute eher begleitetes Lernen im Umgang mit Medien, statt kategorische Verbote.


Zeitliche Regeln statt Verbote

Kinder können – ähnlich wie beim Umgang mit Süßigkeiten – lernen, Maß zu halten:

  • Bildschirmzeiten vereinbaren
  • klare Abend‑ oder Schlafensregeln
  • Auszeiten vom Handy einplanen
  • Regeln ggf. vertraglich festhalten

Je jünger die Kinder, desto stärker bestimmen die Eltern diese Rahmenbedingungen. Hilfreiche Ideen bieten u. a. schau‑hin.info und klicksafe.de.

➡️ Ein einvernehmlicher Smartphone‑freier Tag ist pädagogisch wertvoller als ein Verbot als Strafe.


Wann wird das Smartphone zum Problem?

Ein Smartphone wird dann problematisch, wenn Jugendliche:

  • ständig aufs Display schauen
  • nervös Posts und Nachrichten kontrollieren
  • nur körperlich anwesend sind
  • sich innerlich zunehmend von Familie und Freunden entfernen

Besondere Risiken:

  • Cybermobbing
  • Happy Slapping
  • Sexting
  • ständige Erreichbarkeit
  • exzessives Gaming oder Social‑Media‑Konsum

Schon eine kurzfristige Abweichung vom üblichen Kommunikationsverhalten kann Panik bei Eltern oder Freunden auslösen („Warum meldet er sich nicht?“).

Das zeigt:
➡️ Die Nutzung selbst kann Beziehungen belasten.


Ein Tag ohne Smartphone – sinnvolle Idee statt Strafe

Ein smartphonefreier Tag ist ein groĂźer Schritt fĂĽr Kinder (und Erwachsene!). Aber er kann:

  • Ruhe bringen
  • Erlebnisse ermöglichen
  • Abhängigkeiten sichtbar machen
  • gemeinsamen Familienzeiten Raum geben

Wie gelingt der smartphonefreie Tag?

Gemeinsam entscheiden
Mehr Motivation entsteht, wenn Eltern ebenfalls mitmachen.

Ritual entwickeln
Smartphones gemeinsam ausschalten und im Schrank verstauen.

Schönes Programm planen
Ideen:

  • gemeinsam kochen
  • Freundinnen oder Freunde einladen
  • Spiele‑Nachmittag
  • Fahrradtour
  • Tierheim besuchen
  • Schwimmbad
  • kreative Aktionen (Bauen, Malen, Basteln)

Wichtig:
Der Tag sollte nicht für lange „Problemgespräche“ genutzt werden – sonst sinkt die Lust auf Wiederholung.

Am Abend reflektieren
Was war schwierig? Was war schön? Möchten wir das wiederholen?


Wenn ein gemeinsamer Tag nicht möglich ist …

Dann lohnt sich:

  • ein Vorschlag an die Schule, einen Projekttag zum Thema Handyfasten zu organisieren
  • eine Challenge innerhalb der Klasse
  • Materialien von klicksafe oder Handysektor zu nutzen (z. B. Handyfasten, Selbsttests, WhatsApp‑Regeln)

Smartphone‑Probleme – auch eine gesellschaftspolitische Frage

Digitalisierung betrifft nicht nur Familien, sondern auch Politik und Schulen:

  • Warum gibt es Spiele ab 0 Jahren, die Suchtverhalten begĂĽnstigen?
  • Warum fehlen Beratungsstellen fĂĽr Onlinesucht?
  • Warum gibt es kaum Schutzmechanismen fĂĽr ĂĽbermäßige Smartphonenutzung?

Schätzungen zeigen:
➡️ Weniger als 10 % der Jugendlichen sind tatsächlich onlinesüchtig.
Dennoch brauchen diese jungen Menschen professionelle Hilfe, z. B. therapeutische Wohngruppen oder medienpädagogische Angebote.

Auch Schulen stehen unter Druck:
Während einerseits Medienkompetenz gefordert wird, sollen Jugendliche gleichzeitig einen Ausgleich zu Tablet und Smartphone finden.


Kommentar: Der kleine Kasten und das echte Leben

Ein Tag ohne Smartphone ist kein Allheilmittel – aber ein wertvoller Impuls.
Entscheidend ist:

  • tägliches MaĂźhalten
  • eigene Nutzung reflektieren
  • als Eltern Vorbilder sein

Viele Jugendliche (und Erwachsene) haben Tage, an denen sie:

  • zu viel auf Social Media unterwegs sind
  • sich wegen fehlender Likes schlecht fĂĽhlen
  • kaum Schlaf bekommen
  • ihre To‑Do‑Liste ignorieren

Das Smartphone vermittelt oft eine trügerische Welt, in der alles schöner, erfolgreicher und aufregender wirkt. Die echte Welt ist mühsamer – aber sie belohnt uns mit echten Begegnungen und Erfahrungen.

➡️ Offline erleben wir die Welt mit ALLEN Sinnen. Und das entschädigt.


Buchtipps

  • Hofmann, Janell Barley: iRules – Was Eltern ĂĽber Selfies, Sexting und Gaming wissen mĂĽssen
  • Spitzer, Manfred: Digitale Demenz
  • Neukirch, Benjamin: Ich und kein Handy – Von einem, der auszog, die Welt zu erfahren

Linktipps

  • www.schau-hin.info
  • www.handysektor.de
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Themen:
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Freizeit
Digitalisierung
Handyfasten
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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