Was machen eigentlich Schulpsychologen?
Was machen eigentlich Schulpsychologen?
Maja mag nicht mehr zur Schule gehen, Jonas kann sich nicht konzentrieren und Lisa und Svenja haben sich gestern so sehr gestritten, dass sie sich sogar geprügelt haben. Wenn Eltern, Klassenlehrer und auch weitere Beteiligte ratlos sind, weil Kinder in Krisen geraten oder sich auffällig verhalten, wird seitens der Klassenlehrkraft oft ein Besuch beim Schulpsychologen vorgeschlagen. Aber was gehört eigentlich konkret zum Aufgabenbereich eines Schulpsychologen?
Breites Tätigkeitsspektrum von Schulpsychologen
Schulpsychologen arbeiten eng mit allen Akteuren zusammen, die an einer Schule tätig sind. Im Mittelpunkt stehen dabei Schülerinnen und Schüler, aber auch Eltern, Lehrkräfte und Schulleitungen werden beraten. Darüber hinaus kooperieren die Fachkräfte mit Gremien, Qualitätszirkeln und Arbeitskreisen, sind an der Qualitätssicherung beteiligt und führen Fortbildungen sowie Angebote für Klassen oder das gesamte Kollegium durch. Zu ihren Aufgaben gehören außerdem Einzel- und Teamberatung, Supervision, Coaching sowie die Ausbildung von Beratungslehrkräften.
Beratung von Schülerinnen und Schülern
Schulpsychologen arbeiten sowohl mit Gruppen als auch mit Einzelpersonen. Thematisch decken sie die gesamte Bandbreite schulischer und entwicklungsbezogener Herausforderungen ab. In der Einzelberatung für Schülerinnen, Schüler und deren Familien stehen unter anderem folgende Themen im Vordergrund:
-
Lern- und Leistungsschwierigkeiten
-
Fragen zur Schullaufbahn
-
Umgang mit schwierigen Situationen wie Mobbing
-
Emotionale Belastungen und Ängste
-
Förderung individueller Begabungen
-
Beratung und Förderdiagnostik im Rahmen der inklusiven Schule
-
Stärkung der Selbstwirksamkeit und Sozialkompetenz
Beratung von Lehrkräften und Schulleitungen
Auch für Lehrkräfte, Schulleitungen und Kollegien bietet die schulpsychologische Beratung wichtige Unterstützung. Zu den Schwerpunkten gehören:
-
Teamentwicklung
-
Konfliktbearbeitung
-
Beratung in sozial herausfordernden Klassensituationen
-
Gesundheitsförderung
-
Unterstützung in Krisen
-
Förderung der Methodenkompetenz
-
Weiterentwicklung beruflicher Kompetenzen und persönlicher Fähigkeiten
Organisation und Erreichbarkeit
In der Regel betreuen Schulpsychologen nicht nur eine einzelne Schule, sondern mehrere Schulen oder ganze Regionen. Sie sind häufig über schulpsychologische Beratungsstellen erreichbar. Obwohl eine flächendeckende Versorgung noch nicht realisiert ist, können Eltern und Schüler direkt Termine vereinbaren, ohne dass eine Empfehlung durch die Lehrkraft erforderlich ist. Oft erfolgt eine Terminempfehlung jedoch, wenn Lehrkräfte im Unterricht Schwierigkeiten beobachten.
Hinweis: Nicht alle Schulpsychologen sind gleichzeitig Lehrkräfte; in Bayern ist dies jedoch überwiegend der Fall. Historisch gesehen betreuen einzelne Schulpsychologen zu viele Schüler – in Niedersachsen und Schleswig-Holstein waren es laut einer Erhebung von 2008 teilweise bis zu 20.000 Schülerinnen und Schüler pro Psychologe.
Grundsätze der schulpsychologischen Beratung
Die schulpsychologische Beratung folgt in ganz Deutschland einheitlichen Prinzipien:
-
Kostenlos: Die Beratung ist für alle Ratsuchenden kostenfrei.
-
Freiwilligkeit: Die Teilnahme ist freiwillig; ein Besuch beim Schulpsychologen kann empfohlen, aber nicht angeordnet werden.
-
Vertraulichkeit: Schulpsychologen unterliegen der gesetzlich geschützten Schweigepflicht.
-
Direkter Zugang: Eltern, Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Schulleitungen haben freien Zugang zur Beratung.
-
Unabhängigkeit: Schulpsychologen arbeiten neutral und unabhängig von Weisungen.
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.