Sprachförderung in der Grundschule – mithilfe von Geschichten.
Was Lehrkräfte und Eltern hierüber wissen sollten
Sprachförderung in der Grundschule – mithilfe von Geschichten.
Was Lehrkräfte und Eltern hierüber wissen sollten
Lesen in der Grundschule, wer darunter noch das laute Vorlesen von einzelnen Textabschnitten versteht, hat vielerorts weit gefehlt. Der folgende Beitrag möchte Ihnen zeigen, wie dies konkret geschieht.
Moderner Leseunterricht: Grundlagen und Ziele
Moderner Leseunterricht verbindet klassische und moderne Kinderliteratur, das Vorlesen und Betrachten von Bilderbüchern sowie das gemeinsame Lesen ganzer Bücher. Dabei werden nicht nur die Lesefähigkeit und soziale Kompetenzen wie Rücksichtnahme und gemeinsames Erleben gestärkt. In besonderem Maße werden auch die sprachlichen Fähigkeiten von Grundschulkindern gefördert und weiterentwickelt.
Lesen in der Grundschule
Neben der technischen Fähigkeit, Wörter zu entschlüsseln, geht es im Leseunterricht darum, Textinhalte zu verstehen. Diese Kompetenz wird etwa durch Fragen zum Text oder durch kreative Aufgaben, wie das Weiterschreiben einer Geschichte, gefördert. Lesen soll dabei nicht als rein individuelles Erlebnis wahrgenommen werden, sondern auch als gemeinschaftliches.
Besonders gut gelingt dies durch das gemeinsame Rezipieren von Bilderbüchern oder sogenannten Ganzschriften, also vollständigen Büchern, die im Klassenverband gelesen werden.
Sprachliche Aspekte
Gelesen wird je nach Phase im Sitzkreis mit der gesamten Lerngruppe oder während freier Lesezeiten individuell. In solchen Momenten haben Kinder die Möglichkeit, sich einer Lektüre im eigenen Tempo zu widmen.
Ein Lesetagebuch eignet sich ideal, um:
- das persönliche Leseerleben über das Schuljahr hinweg festzuhalten
- den Austausch in der Klasse anzuregen
Fragen wie „Habe ich die Handlung genauso verstanden wie andere?“ oder „Welche Figuren finden meine Mitschülerinnen und Mitschüler besonders interessant?“ fördern die ausdrückliche Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Gleichzeitig stärkt das Formulieren und Beantworten solcher Fragen die sprachliche Ausdrucksfähigkeit.
Begriffe finden
In vielen Texten tauchen Wörter auf, die Kindern zunächst unbekannt sind. Gemeinsam kann die Klasse deren Bedeutung erschließen. Die neuen Begriffe lassen sich im Lesetagebuch beispielsweise in einem Begriffslexikon festhalten. So entsteht eine wachsende Sammlung neuer Wörter, die immer wieder genutzt werden kann.
Sprachliche Kreativität
Eine besonders kreative Form der Auseinandersetzung mit Texten ist das Weiterschreiben einer Geschichte nach einer vorgegebenen Textabbruchstelle. Kinder spinnen die Handlung weiter, erfinden Figuren hinzu oder verändern Situationen.
Während der gemeinsamen Besprechung im Plenum entwickeln sie Schritt für Schritt ein Gefühl dafür, wie Geschichten spannend und prägnant fortgeführt werden können.
Treffende AusdrĂĽcke verwenden
Das präzise Formulieren spielt im Erzählunterricht eine zentrale Rolle. Grundschulkinder erweitern ihren Wortschatz:
- durch das Lesen selbst
- durch das Erörtern von Textstellen
- durch das Stellen und Beantworten gezielter Fragen
Auf diese Weise lernen sie, altersangemessene und treffende AusdrĂĽcke bewusst zu verwenden.
Dialoge entwickeln
Textstellen lassen sich nicht nur vorlesen, sondern auch szenisch darstellen. Ebenso können sie in Dialoge umgeschrieben werden. Kinder üben dadurch, frei oder mithilfe einer Vorlage vor einer Gruppe zu sprechen. Das stärkt sowohl die mündliche Ausdrucksfähigkeit als auch das Verständnis für Figuren und Textstrukturen.
Fazit: Lesen als umfassende Förderung
Das Lesen von Geschichten in der Grundschule fördert nicht nur die Kreativität und Fantasie der Schülerinnen und Schüler. Gleichzeitig leistet es einen umfangreichen Beitrag zur sprachlichen Bildung – und das auf allen Ebenen: Wortschatz, Ausdrucksfähigkeit, Textverständnis, Dialoggestaltung und Kreativität.
Zuletzt geändert am 27.02.2026
Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.