Wie bringt man Kindern Demokratie bei?
Wie bringt man Kindern Demokratie bei?
Demokratie, das ist im Wesentlichen die Möglichkeit zur Mitbestimmung in der Gemeinschaft innerhalb bestimmter vorgegebener Grenzen. Auch Kinder können bereits lernen, wie das funktioniert - im frühesten Kindesalter durch Modelllernen und später, indem sie sich selbst mit ihrem eigenen Standpunkt einbringen. Als erste Lernorte für demokratische Prozesse dienen dabei Einrichtungen der Kinderbetreuung und im besten Falle die Familie selbst.
Kinderstube der Demokratie
In den vergangenen Jahren wurde eine Erkenntnis Immanuel Kants (1724–1804) neu bewusst: „Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt.“ Diese Regel können bereits Kinder verstehen – vorausgesetzt, man vermittelt sie anhand konkreter Situationen. Durch gemeinsames Aushandeln lernen sie, wo die Grenzen der eigenen Freiheit liegen und welche Verantwortung sie innerhalb einer Gemeinschaft tragen.
In Einrichtungen der Kinderbetreuung erleben Kinder häufig zum ersten Mal außerhalb der Familie, wie Zusammenleben zwischen Kindern und Erwachsenen funktioniert. Sie lernen Regeln kennen, beobachten Entscheidungsprozesse und erfahren, welchen Einfluss sie selbst darauf haben können. Gleichzeitig spüren sie, dass ihre Stimme zählt und ihr Alltag durch gemeinsame Entscheidungen geprägt wird. Einrichtungen, die Demokratie bewusst als Leitprinzip verankern, werden so zum Übungsfeld für gelebte demokratische Bildung.
Kita-Verfassung und Formen der Mitbestimmung
Einige Einrichtungen arbeiten mit einer Kita-Verfassung, die die Mitbestimmungsrechte der Kinder verbindlich festhält. Darin wird festgelegt, in welchen Bereichen Kinder selbst entscheiden oder mitbestimmen können und wo dies nicht möglich ist.
Offene Beteiligungsformen
Zu den offenen Beteiligungsformen gehören:
- Kinderkonferenzen
- Erzähl- und Morgenkreise
- Kinderversammlungen
Hier können Kinder Anliegen vorbringen, diskutieren und Einfluss auf den Alltag nehmen. Die Moderation übernehmen Fachkräfte oder die Kinder selbst. Ein Beispiel: Wenn viele Kinder ein Mittagessen nicht mögen, wird in der Konferenz nach Gründen gefragt. Stellt sich heraus, dass einzelne Zutaten nicht beliebt sind, kann beschlossen werden, diese künftig getrennt anzubieten, sodass die Kinder ihre Bestandteile selbst wählen.
Repräsentative Beteiligungsformen
Daneben gibt es Formen wie Kinderrat und Kinderparlament. Jede Kindergruppe wählt Delegierte, die sich regelmäßig mit Fachkräften, Einrichtungsleitung und gegebenenfalls Elternvertretung austauschen. Die positiven Effekte zeigen sich deutlich: Kinder spüren Vertrauen, dürfen aktiv mitentscheiden und entwickeln eine größere Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Demokratische Kommunikation
Solange Kinder noch nicht zur Schule gehen, benötigen sie spezielle Kommunikationsformen. Einrichtungen nutzen eine Symbolsprache aus Zeichnungen, Piktogrammen oder Fotos. Diese sollten leicht verständlich sein und idealerweise gemeinsam mit den Kindern entwickelt werden.
Bei Konferenzen wird auf eine gute Gesprächsführung geachtet. Bestimmte Fragetypen wirken hinderlich:
- Suggestivfragen
- komplizierte Fragen
- Warum-Fragen
Da Kinder solche Fragen oft nicht beantworten können, eignen sich offene Fragen besser. Sie ermöglichen es ihnen, eigene Gedanken frei einzubringen und fördern demokratische Prozesse.
Fazit: Kinder an die Macht!
Studien zeigen, dass verstärkte Partizipation deutliche Lernerfolge ermöglicht. Kinder gewinnen:
- Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein
- die Erfahrung, dass ihre Meinung wichtig ist
- die Fähigkeit, anderen zuzuhören
- Kompetenz im Lösen von Problemen
- Bereitschaft, unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren
- Übung im Treffen von Entscheidungen und im Einhalten gemeinsamer Regeln
Dabei erleben sie auch, dass trotz Regeln nicht immer alles gelingt. Insgesamt zeigt sich jedoch klar: Die Auswirkungen partizipativ arbeitender Einrichtungen sind durchweg positiv. Die Kinder entwickeln sich sozial weiter und erweitern gleichzeitig ihr Wissen in vielen Bereichen.
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Zuletzt geändert am 17.02.2026
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.