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Runterkommen - Wie Kinder und Jugendliche dem Stress ein Schnippchen schlagen

Foto einer Gruppe Jugendlicher beim Mountainbike fahren
Entwicklung und Erziehung
© Jacek Chabraszewski - Fotolia.com
von Alexandra von Plüskow - Kaminski

Depressionen, Angst- oder Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden nehmen zu, auch unter Schülern. Ausgelöst werden sie, so die übereinstimmende Meinung der meisten Gesundheitsexperten, durch Stress. Leistungs- und Zeitdruck sowie hohe Erwartungen werden immer wieder als Ursachen genannt.

Lesedauer:
4 min

Nach einer aktuellen Studie der DAK gibt fast die Hälfte aller Mädchen der Klassenstufen fünf bis zehn an, unter Stress zu leiden. Bei den Jungen ist etwa jeder Dritte betroffen. Bereits im Grundschulalter zeigen viele Kinder erste stressbedingte Symptome. Grundsätzlich gilt: Mit zunehmendem Alter steigt auch das Stressempfinden.

Stress erkennen

Ob ein Kind unter Stress leidet, lässt sich an verschiedenen Anzeichen erkennen. Nicht jede Müdigkeit oder Traurigkeit deutet automatisch auf ungesunden Stress hin. Treten jedoch ein oder mehrere Symptome über einen längeren Zeitraum auf und belasten das Kind spürbar, kann dies auf eine übermäßige Stressbelastung hindeuten:

  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit

  • Konzentrationsprobleme

  • Schlechtere Noten

  • Rückzug von Freunden und Familie

  • Schlafstörungen

  • Depressives oder aggressives Verhalten

  • Kopf-, Rücken- oder Bauchschmerzen

  • Appetitlosigkeit oder Dauerhunger

Vorbild sein

Umso wichtiger ist es, rechtzeitig gegenzusteuern und wirksame Strategien zu finden, die beim Entspannen helfen und Stresserkrankungen vorbeugen. Eltern können ihre Kinder dabei aktiv unterstützen – zunächst durch das eigene Vorbild. Stehen Mutter und Vater ständig unter Strom, reiht sich ein Termin an den nächsten und haben Leistung und Perfektion einen besonders hohen Stellenwert, übernehmen Kinder diese Verhaltensweisen und Werte häufig unbewusst.

Wer hingegen bewusst auf Ausgleich im Alltag achtet, Arbeitszeiten nicht in den Abend oder ins Wochenende hinein ausdehnt, für gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf sorgt und das eigene Medienverhalten kritisch reflektiert, vermittelt Kindern ein gesundes Umgangsmodell mit Belastung.

Sieben Strategien gegen Stress

Neben dem Vorbild können Eltern und Kinder gemeinsam viel tun, um Stress zu reduzieren und langfristig besser zu bewältigen.

Strategie 1: Ursachen finden

Nicht immer ist Leistungsdruck der Auslöser von Stress. Auch soziale Faktoren, Ärger mit den Eltern, Streit mit Freundinnen oder Freunden, Mobbing in der Schule, Trennungserfahrungen, Trauerfälle oder andere belastende Ereignisse können eine Rolle spielen. Gerade jüngeren Kindern fällt es schwer, die eigentlichen Ursachen ihres Stressempfindens zu erkennen.

Eltern können hier unterstützen, indem sie offen zuhören, Gespräche anbieten und begleiten. Erst wenn klar ist, woher der Stress kommt, lassen sich passende Maßnahmen zur Entlastung finden.

Strategie 2: Anforderungen herunterschrauben

Leistungsdruck steht sehr häufig hinter Stresssymptomen. Oft setzen sich Kinder und Jugendliche selbst stark unter Druck, um mitzuhalten oder bestimmte Erwartungen zu erfüllen. Werden zu hohe Anforderungen als Ursache erkannt, gilt es, diese bewusst zu reduzieren.

Eltern sollten reflektieren, welchen Anteil sie am empfundenen Leistungsdruck haben, und gegebenenfalls gegensteuern. Jugendliche können durch Gespräche und Selbstreflexion starre Denkmuster wie „Ich muss unbedingt 13 Punkte in Englisch erreichen“ hinterfragen und auflösen, um unnötigen Stress zu vermeiden.

Strategie 3: Für ausreichend Schlaf sorgen

Schlafmangel ist sowohl Folge als auch Ursache von Stress. Vor allem lange Bildschirmzeiten am Abend rauben vielen Jugendlichen wertvolle Erholung und führen am nächsten Morgen zu Konzentrations- und Leistungstiefs. Ausreichend Schlaf ist deshalb eine zentrale Voraussetzung für Belastbarkeit und Wohlbefinden – in jedem Alter.

Strategie 4: Bewegung

Sport und Bewegung bieten einen wichtigen Ausgleich zum schulischen Leistungsdruck. Darüber hinaus fördern sie die gesunde körperliche und seelische Entwicklung. Nach nationalen Empfehlungen sollten sich Kinder und Jugendliche täglich mindestens 90 Minuten bewegen, davon können 60 Minuten durch Alltagswege wie Radfahren oder Zufußgehen erreicht werden.

Da diese Empfehlungen nur selten eingehalten werden, können Eltern gezielt unterstützen, etwa durch Sportkurse, Vereinsangebote oder gemeinsame Aktivitäten, die Freude an Bewegung fördern.

Strategie 5: Freiräume schaffen

Ob Sport, Basteln oder Bandprobe – Hobbys, die Freude bereiten, sind besonders wirksame Anti-Stress-Helfer. Sie lenken den Fokus weg von schulischen Anforderungen, schaffen mentale Freiräume und stärken das Selbstwertgefühl unabhängig von Noten.

Dabei müssen Freizeitaktivitäten nicht zwangsläufig organisiert oder zeitintensiv sein. Auch Achtsamkeitsübungen, kreative Tätigkeiten oder bewusstes Nichtstun können helfen, den Kopf freizubekommen und neue Energie zu sammeln.

Strategie 6: Planen

Je unübersichtlicher schulische Aufgaben erscheinen, desto überwältigender wirken sie. Klassenarbeiten, Referate, Vokabeltests und Proben summieren sich schnell zu einem scheinbar unbezwingbaren Berg an Anforderungen. Oft lässt sich die Gesamtmenge nicht reduzieren – umso wichtiger ist eine klare Struktur.

Ein übersichtlicher Zeitplan hilft, Prioritäten zu setzen, Aufgaben sinnvoll zu verteilen und Pausen einzuplanen. Ob Tages- oder Wochenplan: Alle anstehenden Tätigkeiten sollten möglichst konkret eingetragen werden, etwa mit Angaben zum Zeitbedarf und kurzen Erholungsphasen. Das Abhaken erledigter Aufgaben stärkt zudem das Gefühl von Kontrolle und Erfolg.

Strategie 7: Ordnung schaffen

Was simpel klingt, hat große Wirkung: Ordnung im Außen fördert Ordnung im Innen. Ein aufgeräumtes Zimmer, ein freier Schreibtisch mit ausreichend Licht, eine gute Sitzgelegenheit und frische Luft schaffen optimale Voraussetzungen für konzentriertes Arbeiten.

Das bewusste Vorbereiten des Arbeitsplatzes kann zu einem kleinen Ritual werden, das signalisiert: Jetzt ist Zeit für konzentriertes Lernen und fokussierte Aufgaben.

Zuletzt geändert am 27.02.2026

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Themen:
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Alexandra von Plüskow-Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.

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