Gesunde Angst - kranke Angst
Gesunde Angst - kranke Angst
Angst gehört wie Freude, Wut oder Ekel zu unserer genetischen Mitgift seit Urzeiten. Gefühle der Angst sind uns Menschen also angeboren wie Hunger oder Durst. Und sie haben eine wichtige Funktion: Angst kann mitunter überlebenswichtig sein. Sie schärft unsere Konzentration und richtet die Aufmerksamkeit gezielt auf die Bedrohung. Sie hilft uns, eine Gefahr zu erkennen und uns in Sicherheit zu bringen. Durch die Angst werden enorme Kraftreserven freigesetzt, damit wir der Bedrohung gewachsen sind und möglichst schnell angemessen handeln können.
Flucht oder Kampf?
Unser Körper verfügt über ein Notfallprogramm für gefährliche Situationen: die sogenannte Flucht-Kampf-Reaktion. Dabei spannen sich die Muskeln an und der Organismus wird in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt, um im Ernstfall schnell reagieren zu können. Alle Systeme bereiten sich darauf vor, entweder zu fliehen oder – wenn eine Flucht unmöglich ist – zu kämpfen.
Typische körperliche Symptome
Die körperlichen Reaktionen der Flucht-Kampf-Reaktion treten nicht immer vollständig auf. Häufig sind nur einzelne Symptome spürbar:
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Schwitzen
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Herzrasen
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Verstärkte Atmung (Hyperventilation)
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Engegefühl in der Brust
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Harn- oder Stuhldrang
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Zittern
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Übelkeit
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Schwindel
Wann ist Angst angemessen?
Angst meldet sich in den unterschiedlichsten Situationen und wird deshalb oft als übertrieben, peinlich oder neurotisch wahrgenommen. Besonders dann, wenn wir von uns selbst kühles, sachliches Handeln erwarten, aber das Angstgefühl stärker ist – zum Beispiel vor einem Rendezvous, einer Prüfung oder in Situationen, die unser Gehirn als gefährlich einstuft.
Statt Angst als unerwünschten Störenfried zu sehen, kann sie als Freund verstanden werden: Sie hilft uns, besser im Alltag zurechtzukommen. Grundsätzlich lassen sich zwei Formen „normaler Angst“ unterscheiden:
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Lähmende Angst: Versetzt in Panik oder macht handlungsunfähig.
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Mangelnde Angst: Bei realer Bedrohung wird zu wenig Angst empfunden, sodass keine angemessenen Reaktionen möglich sind.
Fazit: Angst ist sinnvoll, wenn sie echte Gefahren signalisiert und zur Vermeidung führt. Wenn jedoch keine Kontrolle über die Situation möglich ist, sollte man lernen, sich selbst wieder zu beruhigen. Gesunde Angst klingt nach einer gewissen Zeit ab, bei einer Angststörung hingegen nimmt sie zu und beeinträchtigt den Alltag zunehmend. Eine Angst wird problematisch, wenn sie:
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immer mehr Zeit im Leben einnimmt,
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aus eigener Kraft nicht überwunden werden kann,
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ohne handfeste Ursachen auftritt.
Symptome einer Angststörung erkennen
Andere bemerken eine Angststörung, wenn Betroffene:
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sich zunehmend aus dem Alltag zurückziehen und isolieren,
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Orte und Situationen meiden, die Angst auslösen.
Ein gewisses Vermeiden unangenehmer Situationen ist normal. Problematisch wird es, wenn alltägliche Wege oder Begegnungen wie Einkaufen, öffentliche Verkehrsmittel oder Treffen mit Freunden zunehmend gemieden werden.
Angst entsteht immer dann, wenn das Gehirn Situationen als gefährlich einstuft – schnell und oft unangemessen. Selbst harmlose Reize wie Spinnen, Aufzugfahren oder in den Keller gehen können Angst auslösen. Obwohl die Einschränkung minimal erscheint, besteht die Tendenz, dass sich die Angst ausweitet.
Mit Verhaltenstherapie dem Teufelskreis entkommen
Bei einer Angststörung können kleine Auslöser langanhaltende Angstgefühle erzeugen, die körperlich in Symptomen der Flucht-Kampf-Reaktion sichtbar werden:
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Herzrasen
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Zittern
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Beklemmungsgefühle
Diese Symptome verstärken wiederum die Gedanken wie „Ich verliere die Kontrolle“, was den Angstkreislauf weiter anheizt und Panikattacken begünstigen kann.
Bei stark ausgeprägten Symptomen werden oft zunächst Medikamente eingesetzt. Für eine nachhaltige Behandlung ist jedoch meist eine Psychotherapie erforderlich. Häufig wird Verhaltenstherapie empfohlen, da sie die Angst an der Wurzel angeht. Der Betroffene lernt dabei:
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Schrittweise Konfrontation mit angstauslösenden Situationen
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Aushalten und Neu-Bewertung der Angst
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Feststellen, dass die Angst unbegründet war
So können chronische Angst und Panikattacken überwunden werden.
- Gesunde Angst http://www.netdoktor.at/krankheit/gesunde-angst-6672326
- Ein Leben, erstarrt vor Todesangst http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2013-10/angst-panik-psychologie-therapie
- Angst: Wann ist sie berechtigt? https://www.palverlag.de/panikattacken-kapitel6.html
- Warum Angst für den Menschen so wichtig ist https://www.welt.de/wissenschaft/article1958002/Warum-Angst-fuer-den-Menschen-so-wichtig-ist.html
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.