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Baustelle Hausaufgaben

So wird es besser!

Ein Vater hilft seinem Sohn bei den Hausaufgaben
Entwicklung und Erziehung
© Freepik
von Melanie Herber | lernando-Redaktion

Lustlosigkeit und Frust â€“ das empfinden viele SchĂĽler:innen, wenn sie nachmittags vor ihren Hausaufgaben sitzen. Kommen dann noch Leistungsdruck und Verständnisschwierigkeiten dazu, werden die Hausaufgaben zum täglichen Kampf und zur ewigen Baustelle. Doch das muss nicht sein!

Lesedauer:
4 min

Mit Hausaufgaben sollen Kinder den erlernten Stoff aus dem Unterricht selbstständig wiederholen und vertiefen. Die Idee hinter diesem Konzept mag sinnvoll sein, in der Praxis führen Hausaufgaben allerdings immer wieder zu Problemen: Überforderung und Frustration, mangelnde Strukturen und Streit zwischen Kindern und Eltern. Nicht ohne Grund wird in Deutschland immer wieder diskutiert, ob Hausaufgaben weiterhin aufgegeben werden sollten oder nicht.

Solange Hausaufgaben fĂĽr SchĂĽler:innen auf der Tagesordnung stehen, mĂĽssen sich Familien damit arrangieren. Je entspannter die Atmosphäre dabei ist, desto einfacher fallen Kindern und Jugendlichen die Arbeiten. Mit einigen Tipps, können Eltern unterstĂĽtzen und Hausaufgaben gar nicht erst zur täglichen Baustelle werden lassen.

Pausen einplanen

Regulärer Unterricht, Nachmittagsbetreuung, Hobbys â€“ der Schultag ist fĂĽr viele Kinder gut gefĂĽllt. An einer Ganztagsschule mit Nachmittagsprogramm geht der Schultag meist bis 16 Uhr, an einer herkömmlichen Schule ist Unterrichtsschluss oft gegen 13 Uhr. Beschäftigungsangebote oder Förderprogramme sorgen oben drauf dafĂĽr, dass Kinder ausgepowert und mĂĽde sind, wenn sie nach Hause kommen.

Damit sie ihre Hausaufgaben konzentriert erledigen können, brauchen sie eine erholsame Pause. Zeit, in der sie einfach einmal nichts machen müssen, ausruhen können. Solche Pausen sollten an den Schultagen fest eingeplant sein. Gerade bei Jüngeren sollten Eltern darauf achten, dass ihre Kinder vor den Hausaufgaben ausreichend Energie auftanken können.

Klare Strukturen schaffen

Um konzentriert arbeiten zu können, braucht es innere Ruhe. Förderlich dafĂĽr ist die richtige Arbeitsatmosphäre. Dazu gehört, dass Störquellen wie der Fernseher oder YouTube-Videos nicht ununterbrochen laufen. Wichtig ist auch ein aufgeräumter und heller Arbeitsplatz. Bestenfalls hat Ihr Kind seinen eigenen Schreibtisch, wo ausreichend Platz und nötige Materialien, wie Lineal und Stifte, bereitstehen. Generell gilt: Spielzeug, Handy oder LesebĂĽcher haben während der Hausaufgabenzeit nichts auf dem Schreibtisch verloren.

Gibt es Geschwister, ist es wichtig die Strukturen aufeinander abzustimmen, damit sie sich nicht gegenseitig stören und beide konzentriert sein können.

Achten Sie insgesamt auf die Vorlieben Ihres Kindes. Kann es nach dem Sport fokussierter am Schreibtisch seine Schularbeiten erledigen? Dann wäre es besser, die Hausaufgabenzeit nach dem Fußballtraining einzuplanen. Ist Ihr Kind platt, nachdem es seinem Hobby nachgegangen ist? Dann sind die Hausaufgaben besser vorab schon erledigt. Sprechen Sie miteinander und schaffen Sie die Struktur gemeinsam mit allen Beteiligten in der Familie.

Aufgaben portionieren

Eine Regel, die sich für viele Kinder bewährt hat, lautet: Erst die leichten Aufgaben erledigen, dann die schweren. Fast jedes Kind hat ein Fach, das ihm leichter fällt. Bearbeitet das Kind erst die einfachere Aufgabe, entsteht so ein erstes Erfolgserlebnis und die Motivation bleibt bestehen. Ist der erste Schwung geschafft, kann auch der zweite Teil bewältigt werden.

Aber auch hier gilt: achten Sie auf die individuellen Vorlieben Ihres Kindes. Wenn es lieber zuerst die schweren Aufgaben hinter sich bringen möchte, ist das natürlich auch ein guter Weg. Hier sind Menschen einfach unterschiedlich.

Das Kind nicht allein lassen

Wenn der Schultag lang war und das Kind trotz einer Pause müde und erschöpft ist, kann es hilfreich sein, wenn Eltern es bei den Hausaufgaben begleiten. Das gilt vor allem bei Grundschüler:innen. Diesen Support sollten Sie Ihrem Kind ermöglichen, wenn es ihn benötigt. Eine gute Kommunikation zwischen Eltern und Kind sowie der Blick auf die eigenen Bedürfnisse helfen hier, gemeinsam den richtigen Weg zu finden.

In manchen Familien befindet sich das Kinderzimmer auf einer anderen Etage als die gemeinschaftlich genutzten Räumlichkeiten. Bei einigen Kindern führt dies zu einem Gefühl von Isolation während der Hausaufgabenzeit. Darum machen viele Kindern ihre Schularbeiten gern am Küchentisch, wenn die Eltern nebenbei ein paar Handgriffe erledigen.

Dabei müssen die Eltern gar nicht jeden Schritt ihres Sprösslings streng überwachen. Es reicht die bloße Anwesenheit, um zu signalisieren: Du bist nicht allein, ich unterstütze dich. Aber auch hier sollte die nötige Ruhe vorhanden sein, damit das Kind nicht ständig abgelenkt ist.

Klare Zeiten

Vor allem jüngere Kinder können sich gut an festen Hausaufgabenzeiten orientieren. Eltern und Kind sollten dabei gemeinsam herausfinden, wann das Kind am besten lernen kann. Wichtig ist, dass abgemachte Zeiten auch eingehalten werden und das Kind die Aufgaben nicht durch Ausreden vor sich her schiebt.

Durch solch eine Hausaufgabenroutine vermeiden Eltern die täglichen Diskussionen. Besonders jüngere Schulkinder sollten bestenfalls keine Hausaufgaben mehr am Abend machen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das Kind nach einem langen Tag dafür einfach zu müde ist. Außerdem erhöht es den Druck, noch vor dem Schlafen alle Aufgaben ordentlich zu erledigen.

Aufgabenverständnis

Manchmal brauchen Kinder aber nicht nur moralische Unterstützung bei den Hausaufgaben, sondern haben Verständnisprobleme. Vielleicht haben sie im Unterricht nicht richtig aufgepasst oder die Erklärungen der Lehrkraft waren nicht ausreichend. Hier gibt es zahlreiche Gründe. In diesem Fall sollten Eltern unterstützen, damit ihre Kinder die Aufgaben verstehen.

Natürlich sollen Eltern nicht für ihre Kinder die Schularbeiten erledigen, das würde den Lernerfolg verhindern. Aber sie können ihr Kind durchaus anleiten. Oft hilft es schon, das Kind die Aufgabenstellung mit eigenen Worten wiederholen zu lassen oder zum Nachdenken zu animieren: Was würdest du im nächsten Schritt tun? Habt ihr eine ähnliche Aufgabe schon im Unterricht gelöst? Falls das Kind eine Aufgabenstellung trotzdem nicht versteht, sollten die Eltern es ermutigen, gezielt im Unterricht nachzufragen.

Termine ĂĽberprĂĽfen

Wenn das Kind trotz Pausen immer müde und lustlos an die Hausaufgaben herangeht, sollten Eltern einmal den Terminkalender ihres Sprösslings überprüfen. Wie viel Zeit in der Woche verbringt es in Vereinen oder bei Kursen? Und wie viel Zeit hat es zum freien Spiel, zum Träumen und Trödeln? Vielleicht ist die Woche des Kindes zu voll gepackt und es hat vor lauter Verpflichtungen keine Zeit für sich? Hier kann es hilfreich sein, die Woche zu entzerren und einige Aktivitäten abzusagen.

Wenn Eltern allerdings das Gefühl haben, dass ihr Kind bei den Hausaufgaben durchgängig Schwierigkeiten hat, wenn es regelmäßig die Aufgabenstellungen nicht versteht oder sie sogar verschweigt, sollten Eltern den Kontakt zur Klassen- oder Fachlehrkraft suchen. Vielleicht hat das Kind auch im Unterricht Probleme und traut sich nicht, darüber zu sprechen. Nicht zuletzt ist gerade für Grundschüler:innen Anerkennung wichtig.

Eltern dürfen sich gerne darüber freuen, dass ihr Kind die Aufgaben selbstständig angefertigt hat und es loben. Und: Auch wenn Hausaufgaben manchmal lästig erscheinen, stärken sie das Gefühl von Selbstverantwortung und Eigenständigkeit des Kindes.

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Themen:
Hausaufgaben
Konzentration
Aufgaben
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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Melanie Herber

Melanie Herber hat Medienwissenschaften, Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation in Leipzig und Würzburg studiert. Ihr beruflicher Werdegang ist von verschiedenen Etappen in der Bildungswelt geprägt: Hochschulkommunikation, Bildungsministerium, Bildungsmedienverlag. Sie ist Teil der Redaktion von lernando aus dem Hause Westermann.

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