Direkt zum Inhalt

Zum 85. Geburtstag von Anne Frank

Fotografie von Anne Frank Denkmal
Wissen und Bildung
© tauav - Fotolia.de
von Dr. Birgit Ebbert

Neben der Bibel ist das Tagebuch der Anne Frank das Buch, das in den meisten Sprachen und am häufigsten veröffentlicht wurde. Mehrere Schülergenerationen haben sich in ihrer Jugend oder Schulzeit mit dem Buch befasst und das, obwohl die Autorin die Veröffentlichung selbst nie erlebt hat. Anne Frank steht natürlich für sich als junge deutsche Jüdin in den Niederlanden, sie steht aber auch für alle jüdischen Opfer der Nationalsozialisten.

Lesedauer:
7 min

Anne Frank – ein kurzes Leben mit großer historischer Wirkung

Ein Tagebuch, das weltweit berührt

Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den meistübersetzten und am häufigsten veröffentlichten Büchern der Welt – direkt nach der Bibel. Generationen von Schülerinnen und Schülern haben sich damit beschäftigt, obwohl Anne selbst nie erlebt hat, dass ihre Aufzeichnungen veröffentlich wurden.

Anne Frank steht nicht nur für ihr eigenes Schicksal als junge deutsche Jüdin im niederländischen Exil, sondern symbolisiert auch das Leiden aller jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Die Texte, die sie vor allem im Versteck des „Hinterhauses“ verfasste, zeigen eindrucksvoll sowohl den Alltag im Untergrund als auch die zunehmende Ausweitung des nationalsozialistischen Terrors.

Vom deutschen Mädchen zur weltweiten Symbolfigur

Weil Anne Frank in Amsterdam im Versteck lebte und dort heute das bekannte Museum steht, wird sie häufig fälschlich als Niederländerin wahrgenommen. Tatsächlich wurde sie 1929 in Frankfurt am Main geboren und verbrachte ihre ersten Lebensjahre dort, bevor die Familie 1933 wegen der Judenverfolgung in die Niederlande floh.

Ihr Weg – von Frankfurt über Amsterdam bis ins Konzentrationslager Bergen-Belsen, wo sie im März 1945 wenige Wochen vor der Befreiung starb – wird ausführlich im folgenden Abschnitt beleuchtet.

Heute erinnern zahlreiche Initiativen, Ausstellungen, Filme und Schulen an Anne Frank. Auch im Jahr ihres 85. Geburtstags und zum 70. Todestag bleibt ihr Vermächtnis präsent: der Traum eines Mädchens, Schriftstellerin zu werden, dessen Tagebuch später Millionen Menschen bewegte.


Anne Franks Lebensweg: Von Frankfurt nach Bergen-Belsen

Kindheit und Flucht vor dem Nationalsozialismus

Anne Frank wurde am 12. Juni 1929 in Frankfurt geboren. Ihre Eltern, Edith und Otto Frank, entstammten angesehenen jüdischen Familien. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten änderte sich das Leben der Familie radikal. Benachteiligungen und Repressalien nahmen zu, sodass die Franks 1933 in die Niederlande emigrierten.

In Amsterdam öffneten sich zunächst neue Möglichkeiten: Otto Frank übernahm die Leitung der niederländischen Opekta-Filiale, und die Familie fand eine neue Existenz. Dennoch verfolgten sie die Entwicklungen in Deutschland mit wachsender Sorge.

Der Weg ins Versteck

Mit der Besatzung der Niederlande 1940 verschlechterte sich die Situation. Jüdische Kinder mussten spezielle Schulen besuchen, auch Anne wechselte 1941 auf das jüdische Lyzeum. Als ihre Schwester Margot am 5. Juli 1942 den Befehl zum Arbeitsdienst erhielt, entschied sich die Familie, in das zuvor vorbereitete Versteck im Hinterhaus der Firma Opekta zu fliehen.

Dort lebten Anne, Margot und ihre Eltern ab dem 6. Juli 1942. Bald kamen die Familie Pels und im November 1942 Fritz Pfeffer hinzu. Anne hatte ihr Tagebuch – ein Geschenk zu ihrem 13. Geburtstag – mitgenommen. Darin hielt sie 25 Monate lang ihren Alltag, ihre Gedanken und Ängste fest.

Verhaftung, Deportation und Tod

Am 4. August 1944 wurde das Versteck entdeckt, die Untergetauchten verhaftet und in das Durchgangslager Westerbork gebracht. Von dort erfolgte am 3. September der Transport nach Auschwitz.

Im Oktober 1944 wurden Anne und Margot von ihrer Mutter getrennt und nach Bergen-Belsen deportiert. Dort starben beide – vermutlich im März 1945. Ihre Mutter Edith starb kurz zuvor in Auschwitz. Nur Otto Frank überlebte.


Das Tagebuch der Anne Frank

Wie das Tagebuch erhalten blieb

Ohne ihr Tagebuch wäre Anne Frank heute wohl eines von Millionen anonymen Opfern. Dass ihre Aufzeichnungen überlebten, war ein glücklicher Zufall – und dem Mut von Miep Gies zu verdanken.

Als die SS das Versteck durchsuchte, leerte ein Beamter Annes Aktentasche, ohne die Notizen zu beachten. Miep Gies fand die Hefte später im Versteck und nahm sie trotz des Verbots an sich. Als Otto Frank nach Kriegsende zurückkehrte und vom Tod seiner Familie berichtete, übergab sie ihm das Tagebuch.

Veröffentlichungen und weltweiter Erfolg

Otto Frank arbeitete daran, das Tagebuch veröffentlichen zu lassen – zunächst ohne großen Erfolg. 1947 erschienen erstmals Auszüge, später eine erste Buchausgabe. Einige persönliche Stellen ließ Otto Frank aus Rücksicht heraus, was später zu Vorwürfen führte, die jedoch längst widerlegt sind.

Die deutsche Erstübersetzung erschien 1950 im S. Fischer Verlag. Eine neue, heute maßgebliche Fassung übersetzte 1986 Mirjam Pressler. 2013 veröffentlichte der S. Fischer Verlag in Zusammenarbeit mit dem Anne-Frank-Fonds eine vollständige Gesamtausgabe aller Tagebuchversionen und Texte Anne Franks.


Erinnerungskultur: Wie Anne Frank bis heute präsent bleibt

Orte des Gedenkens

Der Name Anne Frank findet sich weltweit in Schulen, Straßen und Einrichtungen. Institutionen wie das Anne Frank-Haus in Amsterdam, das Anne Frank-Zentrum Berlin oder das Frank-Familienzentrum in Frankfurt halten die Erinnerung lebendig. Viele Projekte ermöglichen heute auch virtuelle Besuche im Hinterhaus.

Bildungsprojekte und Ausstellungen

Zahlreiche Initiativen binden junge Menschen aktiv ein. Wettbewerbe, Social-Media-Aktionen und Wanderausstellungen wie „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ vermitteln Anne Franks Geschichte auf zeitgemäße Weise und regen zur Auseinandersetzung mit dem Tagebuch an.

Bühne, Film und digitale Medien

Seit 1955 wird „The Diary of Anne Frank“ regelmäßig auf Bühnen weltweit aufgeführt. Filme, Dokumentationen, Comics und digitale Medien sorgen dafür, dass jede Generation einen neuen Zugang zu Anne Franks Botschaft findet. Ihr Tagebuch ist weit mehr als ein persönlicher Bericht – es ist ein eindringlicher Spiegel einer zerstörerischen Zeit.

Link- und Buchtipps
Links

Literatur

  • Theo Coster: In einer Klasse mit Anne Frank. Herbig 2011
  • Anne Frank: Gesamtausgabe. Tagebücher. Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus. Erzählungen. Briefe. Fotos und Dokumente. S. Fischer 2013
  • Anne Frank: Das Tagebuch. Fischer Taschenbuch 2013 19. Auflage
  • Anne Frank: Geschichten und Ereignisse aus dem Hinterhaus. Fischer Taschenbuch 2005 2. Auflage
  • Miep Gies: Meine Zeit mit Anne Frank. Scherz 1989
  • Matthias Heyl: Anne Frank. Rowohlt 2002
  • Willy Lindwer: Anne Frank. Die letzten sieben Monate. Augenzeuginnen berichten. Fischer Taschenbuch 1993
  • Jaqueline van Maarsen: Ich heiße Anne, sagte sie, Anne Frank. Fischer Taschenbuch 2005
  • Melissa Müller: Das Mädchen Anne Frank. List Taschenbuch Verlag 2000
  • Josephine Poole u. a.: Anne Frank. Bilderbuch. Arena 2005
  • Mirjam Pressler: Ich sehne mich so. Die Lebensgeschichte der Anne Frank. Beltz & Gelberg 2011
  • Marion Siems: Erläuterungen und Dokumente zum Tagebuch der Anne Frank. Reclam 2003

Zuletzt geändert am 11.02.2026

Beitrag teilen:
Themen:
3. Reich
Tagebücher
Nationalsozialismus
KZ
Bergen-Belsen
Tod
Mädchen
mutig
jüdisch
Niederlande
Amsterdam
2. Weltkrieg
Verfolgung
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.

Weitere Beiträge lesen