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Kreativität - von Bilderzupfern bis Querdenkern

Junge Frau mit Kopfhörern in der Natur
Entwicklung und Erziehung
© Peter Atkins - Fotolia.de
von Dr. Birgit Ebbert

Eine Kernkompetenz für die erfolgreiche Bewältigung des Lebens - Tipps dazu finden Sie hier!

Lesedauer:
5 min

Kreativität – viel mehr als Basteln und Bilder schneiden

„Kreativität“ zählt heute zu den wichtigsten Fähigkeiten für ein erfülltes, selbstbestimmtes Leben. Kaum eine Stellenanzeige kommt ohne diesen Begriff aus, und 2009 wurde sogar ein Europäisches Jahr der Kreativität und Innovation ausgerufen. Denn Innovation ist ohne kreative Denkprozesse nicht möglich.

Kreativität ist jedoch keine Tätigkeit wie Malen oder Basteln – sie ist eine Denk- und Haltungskompetenz. Die Psychologie unterscheidet zwischen:

  • konvergentem Denken (logisch, an Regeln orientiert)
  • divergentem Denken (Quer- und Um-die-Ecke-Denken)

Genau dieses divergente Denken ist die Basis für Kreativität. Es macht möglich, neue Verknüpfungen zu entdecken und ungewöhnliche Lösungen zu finden – unabhängig vom Material oder Fach.

Ein kreativer Prozess braucht Zeit, Offenheit und ein unterstützendes Umfeld – und genau das beleuchten die folgenden Abschnitte.


Der kreative Prozess – vier Phasen bis zur Idee

Neue Ideen entstehen nicht zufällig. Kreativität folgt einem vierphasigen Prozess, der nicht beschleunigt werden kann:

1. Vorbereitungsphase (Präparation)

Zuerst wird die Aufgabe klar umgrenzt.

  • Welche Frage soll beantwortet werden?
  • Welche Informationen werden benötigt?
  • Welche Ziele sind wichtig?

Man sammelt Material, liest, recherchiert – im Kopf oder schriftlich, je nach Projekt.

2. Inkubationsphase – das „Gären“ der Idee

Von außen wirkt diese Phase wie Untätigkeit.
Doch im Innern läuft der Denkprozess weiter:

  • das Gehirn verknĂĽpft Wissen
  • ordnet Umstände
  • filtert Ideen unbewusst

Oft hilft es sogar, nicht bewusst an das Thema zu denken. Der Denkprozess arbeitet im Hintergrund weiter.

3. Illumination – der Aha-Moment

Plötzlich ist sie da: die Idee.
Oft zu den ungewöhnlichsten Momenten:

  • kurz vor dem Einschlafen
  • unter der Dusche
  • beim SpĂĽlen
  • beim Spazierengehen

Entspannte Zustände fördern diesen Durchbruch – weshalb kreative Menschen meist Stift oder Handy griffbereit haben.

4. Verifikation – Prüfung und Ausarbeitung

Nun wird die Idee bewertet:

  • Passt sie zur Aufgabe?
  • Ist sie umsetzbar?
  • Muss sie ergänzt oder angepasst werden?

Hier entstehen häufig weitere Einfälle. Nicht selten beginnt die Inkubation erneut – bis die endgültige, wirklich gute Idee entsteht.


Voraussetzungen für Kreativität – Offenheit, Mut & Zeit

Kreativität entsteht nur, wenn auch das Umfeld stimmt. Sie braucht:

  • Offenheit fĂĽr Neues
  • Zeit zum Denken
  • Fehlerfreundlichkeit
  • Neugier
  • Freiraum fĂĽr Abwegiges

Kinder, die ausgelacht, kritisiert oder in feste Bahnen gedrängt werden, verlieren oft den Mut zum kreativen Denken. Kreativität kann verkümmern, wenn ungewöhnliche Gedanken ständig abgewertet werden.

Ein gutes Umfeld zeichnet sich aus durch:

  • die Bereitschaft, ungewöhnliche Ideen ernst zu nehmen
  • Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten
  • Erlaubnis, Fehler zu machen
  • positive Reaktionen auf unkonventionelle Gedanken

Kinder entwickeln Kreativität von Geburt an. Erwachsene haben die Aufgabe, diese Entwicklung zu begleiten, nicht zu begrenzen.


Kreativität im Schulalltag – mehr Raum für Querdenker

In der Schule ist der Freiraum für Kreativität oft begrenzt: Lehrpläne, Stoffdruck, Lernstandserhebungen. Dennoch lässt sich Kreativität fördern.

Möglichkeiten im Unterricht:

  • Abwegige Ideen zulassen (z. B. in Textanalysen)
  • Kreative Schreibanlässe geben:
    • „Warum tragen Kaninchen keinen Schmuck?“
    • „Warum verlegen Ameisen keine Eisenbahnschienen?“
  • Ungewöhnliche Kombinationen zulassen:
    • Was passiert, wenn Harry Potter auf Spongebob trifft?
  • Freiräume vor Ferien und Zeugnissen nutzen
  • Mindmaps, Brainstormings und Assoziationsketten einsetzen
  • Kreative Projekte: Klassenräume gestalten, Ideen fĂĽr Feste, KlassenausflĂĽge, Geschenke

Kreativität entsteht dort, wo Lehrer neugierig bleiben und offen reagieren.


Literaturtipps

  • Mihaly Csikszentmihalyi: Kreativität – Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen ĂĽberwinden (2007)
  • Daniel Goleman: Kreativität entdecken (1997)
  • Hartmut von Hentig: Kreativität – Hohe Erwartungen an einen schwachen Begriff (2000)
  • Howard Gardner: Kreative Intelligenz (1999)
  • Constanze Kirchner / Georg Peez: Kreativität in der Grundschule erfolgreich fördern (2009)

Zuletzt geändert am 13.02.2026

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Themen:
Kreativität
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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Birgit Ebbert

Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.

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