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Musik im Englischunterricht

Kinderhände halten eine Gitarre
Entwicklung und Erziehung
© June Lloyd - iStockphoto.com
von Hildegard Dierks

Fragt man SchĂĽler warum sie Englisch lernen, hört man neben berufsbezogenen Erklärungen auch „Ich mag Englisch, weil es so viel tolle englische Musik gibt.“ Englisch lernen mit Hilfe englischsprachiger Musik drängt sich geradezu auf, denn Musik mit englischsprachigen Texten ist in unseren Medien ĂĽberall zu hören.. Unsere erste Begegnung mit der Fremdsprache Englisch findet oft ĂĽber Musik statt.

Lesedauer:
5 min

Faszination Musik und Text: Warum englische Lieder so anziehend sind

Englischsprachige Pop‑ und Rockmusik prägt seit Jahrzehnten die Jugendkultur weltweit – von Elvis und den Beatles bis zu modernen Künstlerinnen wie Adele. Besonders Teenager, die Englisch in der Schule lernen, fühlen sich stark zu dieser Musik hingezogen.

Musik schafft einen emotionalen Zugang: Sie macht offen, neugierig und aufnahmebereit. Auch wenn wir nicht jedes Wort verstehen, erreichen uns Themen wie Liebe, Verlust, Freiheit, Freundschaft oder gesellschaftliche Konflikte unmittelbar. Englischsprachige Lieder wirken authentisch und bieten Jugendlichen eine Möglichkeit, sich von der „Normalität“ des Schulalltags abzugrenzen.
Musik verbindet zudem weltweit – sie ist ein Türöffner für Begegnungen und Gespräche zwischen jungen Menschen verschiedener Herkunft.


Suggestopädie: Lernen mit Musik – eine umstrittene Methode

Ursprung und Ansatz

In den 1980er-Jahren rückte eine ungewöhnliche Fremdsprachenlern‑Methode in den Fokus: die Suggestopädie. Entwickelt wurde sie vom bulgarischen Arzt und Psychologen Georgi Lozanov. Der Ansatz verknüpft Lernen mit:

  • Musik (besonders Barockmusik & Entspannungsmusik)
  • Bewegung und Entspannung
  • multisensorischem Lernen
  • Rollenspielen und Fantasiereisen

Die Idee: Musik soll Lernenden helfen, entspannt zu bleiben, kreativer zu denken und brachliegende Gehirnkapazitäten zu nutzen.

Kritik und heutige Relevanz

Die Suggestopädie setzte sich wissenschaftlich nicht durch. Ihre Effektivität konnte nicht eindeutig belegt werden. Dennoch wirkt der Ansatz nach:

  • Entspanntes Lernen gilt bis heute als hilfreich.
  • Hintergrundmusik findet vereinzelt Anwendung.
  • Private Bildungseinrichtungen nutzen die Methode häufiger als Regelschulen.

Englischunterricht und Musik: Landeskunde, Wortschatz und Grammatik

Musik im Grundschulunterricht

In der Grundschule werden einfache englische Kinderlieder gesungen, gehört und durch Bewegung begleitet. Musik wird spielerisch eingesetzt und erleichtert erste Zugänge zur Fremdsprache.

Musik für ältere Schüler*innen

Für Jugendliche steht eher das Hörverstehen im Vordergrund. Selbst singen ist weniger beliebt – dafür aber das Arbeiten mit Themen der englischsprachigen Popkultur.

Englischsprachige Musik eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt fĂĽr:

  • Landeskunde
  • Zeitgeschichte
  • kulturelle Identität

Beispiele:

  • „Streets of London“ (Ralph McTell) – Stadtleben, soziale Probleme
  • „Englishman in New York“ (Sting) – kulturelle Unterschiede
  • „Four Green Fields“ (Tommy Makem) – irische Geschichte

Lehrkräfte nutzen Popmusik, um emotionale Zugänge zu historischen und gesellschaftlichen Themen herzustellen.

Wortschatz und Sprachregister

Popmusik bietet Zugang zu:

  • Alltagsvokabular
  • Slang und Jugendsprache
  • sprachlichen Eigenheiten verschiedener Regionen

Hier kann der Einsatz digitaler Wörterbücher wie urbandictionary.com sinnvoll sein – verbunden mit einer kritischen Reflexion über Slang und Onlinequellen.

Grammatik ĂĽber Songs vermitteln

Bestimmte Lieder eignen sich hervorragend, um grammatische Strukturen einzuführen, z. B.:

  • Konditionalsätze mit „If I had a million dollars“ (Barenaked Ladies)

Moderne Hits bieten hohe Motivation, aber meist kein fertiges Unterrichtsmaterial – hier ist Kreativität von Lehrkräften gefragt.


Mit Musik Englisch lernen: Angebote fĂĽrs Selbststudium

Musik wirkt beim individuellen Lernen oft als starker Motivator – sie ersetzt ein fehlendes Klassenumfeld und schafft eine positive Lernstimmung. Der Markt bietet:

  • Rap‑Versionen unregelmäßiger Verben
  • Musik-CDs mit Alltagssätzen
  • Lernmaterialien zu Wirtschaftsenglisch mit musikalischer UnterstĂĽtzung

Besonders geeignet fĂĽr:

  • Einsteiger
  • Wiederholer
  • Wiedereinsteiger
  • Vorbereitung auf Reisen oder Klassenfahrten

Kommentar: Warum Musik im Englischunterricht unverzichtbar bleibt

Englischlernen ohne Musik ist realistisch kaum möglich.
Englischsprachige Hits motivieren – auch die eher „unterrichtsmüden“ Schüler*innen. Gleichzeitig bietet Musik Raum für kritische Reflexion:

  • Sind englische Songtexte wirklich anspruchsvoller als deutsche?
  • Oder wirken sie nur eleganter, weil man die gesamte Bedeutung nicht sofort versteht?

Manchmal enttarnt der Unterricht die vermeintlich poetischen Texte englischer Hits als überraschend banal – eine wertvolle Erfahrung.

Ob Musik das Lernen messbar verbessert, ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Es gibt jedoch viele Hinweise darauf, dass Musik die Stimmung hebt, die Aufnahmebereitschaft steigert und Lernprozesse angenehmer macht. Weiterführende Forschung bleibt notwendig.


Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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