Musik im Englischunterricht

Entwicklung und Erziehung
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von Hildegard Dierks
Fragt man Schüler warum sie Englisch lernen, hört man neben berufsbezogenen Erklärungen auch „Ich mag Englisch, weil es so viel tolle englische Musik gibt.“ Englisch lernen mit Hilfe englischsprachiger Musik drängt sich geradezu auf. Unsere erste Begegnung mit der Fremdsprache Englisch findet oft über Musik statt.
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Fragt man Schüler warum sie Englisch lernen, hört man neben berufsbezogenen Erklärungen auch "Ich mag Englisch, weil es so viel tolle englische Musik gibt." Englisch lernen mit Hilfe englischsprachiger Musik drängt sich geradezu auf, denn Musik mit englischsprachigen Texten ist in unseren Medien überall zu hören. Unsere erste Begegnung mit der Fremdsprache Englisch findet oft über Musik statt. Wir sind begeisterte Konsumenten dieser Musik von Kindesbeinen an. Es fällt uns leicht ihre Refraintexte nachzusingen.

Faszination Musik und Text: Englische Lieder


Die englische und amerikanische Popkultur ist auf der ganzen Welt eine Kultur der Jugend. Es begann vermutlich mit Elvis, den Beatles und heute steht vielleicht die Musik der Sängerin Adele für weltweit bekannte englischsprachige Musik. Englische Pop- und Rockmusik fasziniert vor allem Teenager, die Altergruppe von Schülern, die Englisch in der Schule lernen.

Zur Musik haben wir einen emotionalen Zugang. Musik macht viele Menschen offen und aufnahmebereit. Die Texte in englischer Rock- und Popmusik sind eingängig, wenn wir auch nicht immer den ganzen Text verstehen. In den Liedern werden Themen zu den ganz großen Gefühlen der Menschen wie Liebe, Hass, Tod, Freundschaft, Themen aus unserem Alltag aber auch politische Themen behandelt. Es sind Themen, die uns alle betreffen. Die verwendete Sprache ist nicht immer Standardenglisch und ist vielleicht gerade deshalb faszinierend für junge Menschen, um sich abgrenzen zu können von der "biederen Normalität". < b>Musik mit englischen Texten verbindet uns international mit anderen Musikfans und können "Eisbrecher" für junge Globetrotter sein, um mit anderen ins Gespräch zu kommen.

Suggestopädie: Eine umstrittene Lernmethode mit Musik


Nicht nur die englischsprachige Musik mit ihren Texten sondern Musik allgemein als Katalysator für erfolgreiches Lernen im Fremdsprachenunterricht ist immer wieder Thema in der Fremdsprachendidaktik.

Insbesondere in den 1980-er Jahren beschäftigten Fremdsprachendidaktiker sich mit der sogenannten Suggestopädie, einer Musik gestützten Methode des Fremdsprachenlernens, die auf den bulgarischen Arzt und Psychologen Georgi Lozanov zurückgeht und von ihm und seinen Anhängern bis heute weiter entwickelt wurde.

Dieser ganzheitliche variantenreiche Lehr- und Lernansatz zielt darauf ab, Schüler durch ein vielfältiges Angebot (suggestions) effektives, individuelles Lernen zu erleichtern, sie mit allen Sinnen und mit Freude lernen zu lassen. Neben Spiel, Bewegung und Entspannung spielt auch Musik, insbesondere barocke Musik und Entspannungsmusik für die sogenannten "Lernkonzerte", bei denen zur Musik Lerntexte vorgetragen werden eine wichtige Rolle. Musik soll dabei die Fantasie der Lerner anregen, sie positiv und zuversichtlich stimmen. Lozanov ging es darum, ungenutzte Potenziale des Gehirns anzusprechen.

Diese Lernmethode hat sich nicht durchgesetzt, konnte einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht überzeugend stand halten, dennoch hat sie Impulse für das Fremdsprachenlernen gesetzt, die heute auch immer wieder beim Fremdsprachenlernen realisiert werden. Wir arbeiten beispielweise damit, dass wir entspannt aufnahmefähiger für eine Fremdsprache sind und Entspannung kann für viele unter anderem durch Musik erzeugt werden.

In privaten Bildungseinrichtungen wird diese Lehr- und Lernmethode häufiger verwendet, in der staatlichen Regelschule dagegen selten.

Landeskunde, Wortschatzarbeit und Grammatik mit englischsprachiger Musik


Es gibt kaum ein Lehrwerk für den Englischunterricht, das gänzlich ohne Lieder auskommt. Für die Grundschulkinder sind es eher Kinderlieder in einfacher englischer Sprache. Lieder werden gehört und selbst gesungen. Dazu wird geklatscht und getanzt.

Wie sieht es mit Musik für ältere Schülerinnen und Schüler aus? Eine Auseinandersetzung mit englischsprachigen Liedern zielt zunächst einmal auf einen Kompetenzuwachs des Hörverständnisses der Schülerinnen und Schüler ab. Selber Singen im regulären Englischunterricht löst meistens wenig Begeisterung in dieser Altersgruppe aus, es sei denn es findet im Rahmen bestimmter Musik- und Tanzprojekten statt.

Bei älteren Schülern ist die Auseinandersetzung mit englischsprachiger Popkultur ein landeskundliches Thema, ein Thema für die Auseinandersetzung mit Zeitgeschichte. Großbritannien ohne die Beatles und ihre Lieder ist so wenig denkbar wie Großbritannien ohne das Königshaus. Musikrichtungen wie Punk, Reggae, Jazz oder Rnb entwickelten sich nicht zufällig in einer bestimmten gesellschaftlichen Situation, aus einer bestimmten politischen Situation heraus. Musikrichtungen prägten und prägen das Lebensgefühl von Generationen und Subkulturen von Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

Nicht nur Popmusik selbst ist ein landeskundliches Thema für den Englischunterricht sondern selbstverständlich auch die Themen, die in den Liedern angesprochen werden, erlauben einen emotionalen Zugang zu weiteren landeskundlichen Themen.
br /> Das Thema "London" kann im Zusammenhang mit dem Lied "Streets of London" von Ralph McTell zum Thema werden; "New York" wird im Lied "Englishman in New York" von Sting besungen oder die "Geschichte Irlands" in dem Lied "Four Green Fields" von Tommy Makem.

Auf 4teachers.de finden sich im Bereich Fächerforen – Englisch – Lieder Lyrik eine (unvollständige) Liste zu welchen Themenbereichen im Englischunterricht welche Lieder passen. Sie sind zusammen getragen von Englischlehrern, die ebenfalls gern Popssongs im Englischunterricht verwenden.

Mit den Liedtexten ist darüber hinaus Wortschatzarbeit in Englischunterricht möglich, beispielweise zu den Themen Liebe, Freundschaft, Gefühle ebenso wie die Arbeit an bestimmten Sprachregistern. In Liedtexten der Pop- und Rockmusik findet sich anders als im Schulbuch vor allem auch umgangssprachliches Vokabular. Sie enthalten Slangwörter sowie Wörter der Jugendsprache, die sich vermutlich nicht im regulären Schülerlexikon nachschlagen lassen. Hier bietet es sich an die Arbeit mit Online-Wörterbüchern zum Beispiel mit dem urbandictionary.com sowie eine kritische Diskussion um die Verwendung solcher Wörter und die Entstehungsgeschichte dieser Online-Wörterbücher einzubeziehen.

Auch Grammatikstrukturen können von einem Lied ausgehend thematisiert werden. Beispielweise "Konditionalsätze" mit Hilfe des Liedes "If I had a million dollars" von Barenaked Ladies

Die Begeisterung für Popsongs ist bei Schülern sicherlich am größten bei den aktuellen Hits. Will man diese im Englischunterricht nutzen, wird es kaum vorgefertigtes Unterrichtsmaterial geben, denn Hits sind kurzlebig. Hier ist die didaktische Fantasie von Lehrern gefragt.

Mit Musik Englisch lernen: Angebot fürs Selbststudium:


Englisch lernen mit musikalischer Untermalung spielt aktuell eher eine besondere Rolle beim Selbststudium, denn die Motivation, die von der musikalischen Untermalung ausgehen kann, ist beim "einsamen" Lernen von unschätzbarem Wert. Musik kann in dieser Lernsituation die Motivation, die sonst wesentlich durch das gemeinsame Lernen in der Klasse entsteht, erzeugen.

Angeboten werden auf dem Markt beispielweise die Wiederholung unregelmäßiger Verben mit Hilfe von Rap-Musik CDs oder CDs mit typischen englischen Alltagssätzen aber auch Wirtschaftenglisch, musikalisch untermalt, kann erstanden werden.

Das Musik gestützte Lernmaterial ist insbesondere gedacht für Lerneinsteiger, für Wiederholer, für Wiedereinsteiger, für alle, die gern mit Musik lernen, fürs Selbststudium und ergänzend für den Schulunterricht sowie als Vorbereitung für Klassenfahrten und Reisen.

Englischunterricht mit Musik: Kommentar


Ohne Musik Englisch zu lernen – bewusst oder unbewusst - ist nicht ernsthaft vorstellbar. Die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler für englischsprachige Chartmusik kann insbesondere zur Motivation nicht ganz so lerneifriger Schülerinnen und Schüler genutzt werden.

"Worum geht es in dem Lied?" "Ich weiß es nicht aber es muss etwas ganz Tolles sein." So ähnlich lassen wir uns nur all zu gern von schöner englischsprachiger Musik ins Traumland befördern. Mehr noch, wir genießen diesen Zustand der Unwissenheit und es drängt uns nicht nach Aufklärung. Der deutsche Schlager wird dagegen oft wegen seiner banalen Texte belächelt und als peinlich empfunden. Aber sind die Texte der englischen Popmusik auch wirklich sprachlich anspruchsvoller, künstlerisch wertvoller? Musik im Englischunterricht kann nicht nur zum Englischlernen motivieren sondern wird sich gelegentlich auch kritisch emanzipatorisch auf den Musikkonsum englischsprachiger Lieder auswirken: Auch englischsprachige Lieder haben oft etwas öde Texte. An der ein oder anderen Stelle wird es zu dieser deprimierenden Erkenntnis kommen (müssen).

Welche und ob (Hintergrund-)Musik sich günstig auf ein besseres Behalten und eine effektivere Abrufbarkeit der Fremdsprache Englisch auswirkt, ist nicht genau geklärt. Es gibt nur positive Anhaltspunkte, die weiter erforscht werden müssen, um sie zuverlässig zur Optimierung des Lernens in den regulären Fremdsprachenunterricht einbauen zu können.

Link & Buchtipps


Website der deutschen Gesellschaft für Suggestopädie
http://www.dgsl.de/

Gerngross, Günter; Holzmann Christian; Puchta Herbert
Pop Songs 1:
10 Pop Songs for You:
Teaching English the Fun way.
With CD and photocopiable worksheets.
Helbing Verlag 2008

Daniel Martin
Pop Songs 2:
10 Pop Songs for the English Classroom.
With CD and photocopiable worksheets.
Helbing Verlag 2011
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Über den Autor/die Autorin

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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