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Diagnose LRS

Foto von zwei Schüler*innen im Unterricht
Entwicklung und Erziehung
© pressmaster - Fotolia.de
von Manon Sander

Sie kommen am Elternsprechtag in die Schule und dort erfahren Sie, dass man bei Ihrem Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) vermutet. Gut, Sie waren schon der Auffassung, dass Ihr Kind nicht unbedingt der begeistertste Leser war und auch die geschriebenen Texte überzeugten eher durch Kreativität als durch korrekte Schreibweise. Aber: Ist das nun gleich eine Krankheit und muss behandelt werden? Wie sollte man damit umgehen und wo findet man Hilfe? Was für eine Chance hat das Kind?

Lesedauer:
3 min

Ursachen einer Lese‑Rechtschreib‑Schwäche

Zur Entstehung einer Lese‑ und Rechtschreibschwäche (LRS) gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Manche Fachleute gehen davon aus, dass frühkindliches Krabbeln beide Gehirnhälften stärkt und dadurch späteren Problemen vorbeugen kann. Andere vermuten eher genetische Einflüsse, die aber nicht zwingend vererbt werden müssen. Und für einige Kinder zeigt sich LRS vor allem als Entwicklungsverzögerung, die sich in diesem Bereich besonders deutlich bemerkbar macht.

Auffälligkeiten im Lesen und Schreiben

Typisch sind Verzögerungen in mehreren Bereichen. Zunächst werden Buchstaben verwechselt oder verdreht. Danach fällt es schwer, Buchstaben voneinander zu unterscheiden – ob A oder E, n oder m, p oder b, q oder d: Für betroffene Kinder klingt vieles gleich.
Während andere Kinder bereits ganze Wörter lesen, lautieren sie noch und können etwa A‑u‑t‑o nicht zu „Auto“ zusammenziehen. Häufig werden Wörter dann erraten, oft falsch.
Beim Schreiben gelingt manches – aber viele Buchstaben fehlen, werden ausgelassen oder vertauscht.

Bemerkenswert ist, dass Kinder mit LRS häufig keine Probleme in Mathematik haben. Sie drücken sich gut aus, sind oft sehr intelligent – deshalb fallen die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben besonders stark auf. Anfangs kompensieren manche viel, indem sie Wörter auswendig lernen. Doch irgendwann lässt sich das Defizit nicht mehr verbergen.

Erst einmal die gute Nachricht

Gerade intelligente Kinder können ihr Defizit erkennen und aktiv damit umgehen. Viele werden später sogar sehr schnelle Leser. Sie sind lernbereit, weil es sie ärgert, in diesem Bereich hinter anderen zurückzuliegen.

Hilfestellungen und Umgang mit Kritik

Kinder mit LRS sind oft ihre strengsten Kritiker. Sie brauchen Unterstützung durch Menschen, die ihnen Mut machen.
Druck, Zwang oder der Vergleich mit anderen helfen nicht – Kinder wissen selbst, dass sie in diesem Bereich schwächer sind.
Hilfreich sind:

  • positives Hervorheben dessen, was schon gelingt
  • kleinschrittiges Vorgehen
  • erneutes Bearbeiten einfacher Schreiblehrgänge

So bauen Kinder Stück für Stück Sicherheit auf.

Diagnose und Therapie

Eine zielgerichtete Therapie ist wichtig. Die Diagnose wird – je nach Bundesland – durch Schulberatungsstellen oder niedergelassene Kinderpsychiater gestellt. Die Schule kann Auskunft über die zuständigen Stellen geben.
Bei einer gesicherten Diagnose wird die Deutschnote angepasst ermittelt: Rechtschreibung zählt nicht mehr. Auch in anderen Fächern wird berücksichtigt, dass LRS vorliegt. In einigen Bundesländern erhalten Kinder zudem mehr Zeit für schriftliche Arbeiten.

Therapieangebote gibt es bei verschiedenen Trägern, oft finanziert durch das Jugendamt. Ziel ist, dass Kinder ihre Stärken erkennen und nutzen, um Schwächen auszugleichen.

Zusammenarbeit zwischen Schule, Elternhaus und Therapie

Wichtig ist eine abgestimmte Vorgehensweise. Unterschiedliche Ansätze, die immer wieder wechseln, verunsichern die Kinder. Manche benötigen zunächst Lesen, andere beginnen mit Schreiben, und einige brauchen vor allem Entlastung vom Druck. Andere profitieren von neuem Material.
Entscheidend ist, dass die individuelle Leistung anerkannt wird. Wertschätzung stärkt das Selbstvertrauen – und das ist entscheidend für Lernfortschritte.

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
LRS
Lesen
Rechtschreibung
Konzentration
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Manon Sander

Manon Sander ist Mutter von 6 Kindern und außerdem Autorin für Fach- und Kinderbücher.

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