Hinaus zu Pilzwanderungen
Hinaus zu Pilzwanderungen
Unsere heimischen Pilze sind besonders im Spätsommer und bis weit in den Herbst hinein in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Größen zu bestaunen.
Der nachfolgende Beitrag möchte Ihr Interesse und das Ihres Kindes an den besonderen Gewächsen wecken und Anregungen zur Betätigung im Wald geben. So kann jede gemeinsame Pilzwanderung zu einem besonderen Erlebnis werden.
Pilze
Pilze bilden ein eigenes Reich – unabhängig von Pflanzen, Tieren und Bakterien. Sie betreiben keine Fotosynthese, sondern ernähren sich, ähnlich wie Tiere, von organischen Stoffen in gelöster Form. Nach aktuellem Wissensstand sind sie Tieren näher als Pflanzen verwandt und weisen unter allen Lebewesen eine besonders große Vielfalt auf.
Die Lehre von den Pilzen heißt Mykologie (altgriechisch mýkēs = Pilz). Das Wort Pilz selbst geht auf das althochdeutsche buliʒ zurück, entlehnt aus dem lateinischen bōlētus. Seit dem 10. Jahrhundert ist es sprachlich belegt.
Im Ă–kosystem Wald spielen Pilze eine zentrale Rolle. Das fĂĽr uns unsichtbare, weit verzweigte Myzel beteiligt sich an Zersetzungsprozessen und ist essenziell fĂĽr den Stoffkreislauf.
Pilze und Bäume
Pilze und Bäume leben in einer Symbiose. Pilze erhalten Nährstoffe von den Bäumen und unterstützen diese im Gegenzug bei der Wasseraufnahme und beim Filtern schädlicher Stoffe über die Wurzeln. Auf Pilzwanderungen lassen sich typische Partnerschaften beobachten, etwa:
- Goldröhrling und Lärche
- Birkenpilz und Birke
- Butterpilz, Pfifferling und Kiefer
- Marone und Fichte
Zahlreiche Baumpilze sind schon von Weitem sichtbar. Ein bedeutender Vertreter ist der Gemeine Hallimasch. Er zersetzt Holzreste und kann auch lebende Bäume befallen.
Anregungen fĂĽr Pilzwanderungen
Gerade Kinder haben einen starken Drang, die geheimnisvolle Welt der Pilze zu entdecken. Bedenken Sie jedoch, dass Pilze einer Art je nach Region und Jahreszeit unterschiedlich aussehen können.
Vorbereitung ist alles
FĂĽr eine sichere Pilzwanderung empfiehlt sich:
- festes Schuhwerk
- wetterfeste Kleidung (Jacke mit Kapuze, Basecap o. Ă„.)
- Weide- oder Spankorb (keine PlastiktĂĽten!)
- Taschenmesser
- Pilzbestimmungsbuch
- kleiner Pinsel oder BĂĽrste zur groben Reinigung
Tipp: Verpflegung, Getränke, Notfallset und Wechselkleidung einplanen. Zeckenkontrolle nicht vergessen.
Rechtliches
Ob Pilzesammeln erlaubt ist, regeln die Bundesländer. Für den Eigenbedarf – etwa 1.000 bis 2.000 g pro Person – sind Sie in der Regel auf der sicheren Seite. Schonungen und abgegrenzte Flächen dürfen nicht betreten werden.
Pilzsuche konkret
Gehen Sie mit Ihrem Kind gemeinsam in den Wald. Später kann man sich in Ruf- oder Sichtweite etwas voneinander entfernen. Vereinbaren Sie klare Treffpunkte und Zeiten.
Wichtige Regeln:
- keine Pilze zertreten
- nur bekannte Arten sammeln
- bei Unsicherheit das Bestimmungsbuch nutzen
- keine alten Exemplare mitnehmen
- Pilze abschneiden und vor Ort grob säubern
- stark befallene Pilze im Wald lassen
Sicherheitstipp: Sind Sie unsicher, drehen Sie den Pilz vorsichtig heraus und suchen Sie zeitnah eine Pilzberatungsstelle auf.
Tipps zur Suche
- nach Regentagen sammeln
- Nadel- oder Mischwälder bevorzugen
- auf Baum‑Pilz‑Symbiosen achten
- Gruppenbildung beobachten (z. B. Pfifferlinge)
- niemals rohe Pilze kosten
- auch auĂźerhalb der klassischen Saison unterwegs sein
Pilztagebuch
Ein Pilztagebuch vertieft Beobachtungen. Es kann folgende Angaben enthalten:
- Datum
- Temperatur
- Bewölkung, Niederschlag, Wind
- Waldgebiet, vorherrschende Baumarten
- Beschaffenheit des Waldbodens
- individuelle Beobachtungen
Fotos ergänzen das Tagebuch und machen es zu einem persönlichen Nachschlagewerk.
Verwendung der Pilze
Pilze können frisch zubereitet, getrocknet, eingefroren oder eingekocht werden. Vor jeder Verwertung gilt: gründlich reinigen und alle befallenen Stellen entfernen.
Zum Trocknen dürfen Pilze nicht gewaschen werden. Sie sollten klein geschnitten und vollständig durchgetrocknet sein. Nicht alle Arten eignen sich hierfür – etwa Goldröhrling oder Hallimasch.
Pilzwanderungen – Natur mit allen Sinnen
Pilzwanderungen regen an, sich aktiv mit der Natur auseinanderzusetzen. Jede Wanderung ist anders – doch gemeinsam ist allen das Draußensein, das Beobachten und das Erleben vielfältiger Eindrücke.
Buchtipps:
Achten Sie bei der Buchauswahl auf genaue und eindeutige Fotos bzw. Zeichnungen der Pilze.
Anregungen und Vorschläge finden Sie nach einem Klick auf den Link:
Zeitschriftentipp:
- Zeit WISSEN, September/Oktober 2024, Seite 50ff
Linktipps:
- https://www.kostbarenatur.net/pilze-sammeln-tipps-fuer-anfaenger/
- https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/pilze-und-flechten/04010.html
- https://www.ardalpha.de/wissen/gesundheit/ernaehrung/pilze-sammeln-bestimmen-essbare-giftige-pilzsaison-fungi-schwammerl-100.html
Quellen
- https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/pilze-10128#:~:text=Pilze%20sind%20Eukaryonten%20und%20bilden,und%20m%C3%BCssen%20sich%20heterotroph%20ern%C3%A4hren
- https://de.wikipedia.org/wiki/Pilze
- Siehe (1)
- https://de.wikipedia.org/wiki/Mykologie#:~:text=Mykologie%20(altgriechisch%20%CE%BC%CF%8D%CE%BA%CE%B7%CF%82%20m%C3%BDk%C4%93s%20%E2%80%9APilz,die%20Wissenschaft%20von%20den%20Pilzen.
- https://de.wiktionary.org/wiki/Pilz#:~:text=fr%C3%BChneuhochdeutsch%20pilz%2C%20althochdeutsch%20buli%CA%92%2C%20entlehnt,1%5D%20Fungus%2C%20bairisch%3A%20Schwamm
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.