Wie können wir Artenkenntnis entwickeln?
Wie können wir Artenkenntnis entwickeln?
Staunend steht eine kleine Gruppe von Kindern und Erwachsenen an einer Wiese und lauscht den Erklärungen über die unterschiedlichen Pflanzen. Wie kann man das alles wissen? Der nachfolgende Beitrag möchte aufgrund der großen Vielfalt Antworten aus dem Bereich der Fauna geben.
Was ist Artenkenntnis?
Artenkenntnis bedeutet „die Fähigkeit, biologische Arten zu erkennen“ – also Pflanzen, Tiere, Pilze oder andere Lebewesen eindeutig zu bestimmen. Sie ist ein Schlüssel zum Verstehen, Wertschätzen und Schützen der Natur.
Artenkenntnis umfasst nicht nur den Namen einer Art, sondern auch Wissen über:
- ihren Lebensraum,
- ihre Ansprüche (Boden, Licht, Wasser),
- besondere Eigenschaften (Giftigkeit, Seltenheit, Nutzung),
- ihren Platz im ökologischen Gefüge.
Warum ist Artenkenntnis wichtig?
Artenkenntnis vermittelt Respekt vor dem Leben. Kinder (und Erwachsene) lernen:
- dass jede Art eine Funktion hat,
- dass nichts in der Natur „unwichtig“ ist,
- dass man keinen Lebensraum mutwillig zerstören darf,
- dass man achtsam mit Pflanzen und Tieren umgeht.
So entsteht ein Bewusstsein für Naturschutz – nicht durch erhobenen Zeigefinger, sondern durch echte Begegnung mit der Natur.
Worauf ist zu achten?
Die Natur fordert uns heraus, alle Sinne einzusetzen: sehen, hören, fühlen, riechen. Doch sie setzt zugleich Grenzen, etwa durch giftige Pflanzen.
Kinder sollten die drei wichtigsten Regeln kennen:
- Nichts Unbekanntes essen
- Nichts Unbekanntes an den Mund nehmen
- Unbekanntes besser nicht berühren oder riechen
Sicherheit schafft Vertrauen – und Vertrauen ermöglicht Lernen.
Wie entwickelt sich Artenkenntnis?
Artenkenntnis entsteht nicht durch Auswendiglernen, sondern durch Erleben.
Sie entwickelt sich Schritt für Schritt – meist „nebenbei“:
- Eltern nennen Pflanzen und Tiere beim Namen.
- Kinder dürfen fühlen, sammeln, erforschen.
- Bäume werden im Jahreslauf betrachtet und berührt.
- Auch unscheinbare Dinge werden beachtet: Moos, Flechten, Knospen, Rindenstrukturen.
Kinder ahmen unser Verhalten nach. Je mehr Naturbegegnungen, desto mehr wächst ihr inneres Artenwissen.
Artenkenntnis konkret – Ideen und Anregungen
Der Entwicklungsstand und die Interessen des Kindes bestimmen, was passt. Hier einige erprobte Anregungen:
Pflanzen und Pilze erkunden
- Pflanzen untersuchen, skizzieren, Teile bestimmen
- Blüten, Blätter, Früchte vergleichen
- Lupen verwenden
- ein Wald- oder Wiesenherbarium anlegen
- eine Pilzwanderung mit Fachkundigen machen
Kreative Naturaufgaben
- Collagen aus getrockneten Pflanzenteilen
- selbst fotografierte Arten im Steckbrief darstellen
- Naturtagebuch führen
- Blätter und Kräuter pressen und Karten gestalten
Lehrpfade erleben
- bestehende Lehrpfade besuchen
- mit der Klasse oder Familie einen eigenen kleinen Lehrpfad gestalten
Zeigerpflanzen kennenlernen
Zeigerpflanzen haben „geringe Toleranz gegenüber Veränderungen ihrer Lebensbedingungen“.
Sie zeigen an:
- bestimmte Bodenarten,
- Klimaeinflüsse,
- Nährstoffversorgung,
- Schadstoffe in der Luft.
Beispiel: Brennnesseln wachsen auf stickstoffreichen Böden.
Kräuter entdecken
- Kräuterwanderungen
- Kräuter sammeln, Sträuße binden, trocknen
- Kräuter im Garten anbauen
- eigenen Tee herstellen
- Kräuterschildchen basteln
Praktische Hilfsmittel
- gute Bestimmungsbücher
- Pflanzen‑ und Tier‑Apps (mit Vorsicht: Ergebnisse prüfen!)
- Kamera oder Handy
- Skizzenblock, Buntstifte
- kleine Sammeldosen
Literatur zur Artenkenntnis
- Tier- und Pflanzenführer. Kindernaturführer – Kosmos Verlag
- Dreibuch Bestimmungsbuch-Reihe – BLV Verlag
Artenkenntnis entsteht überall dort, wo Kinder Neugier, Zeit und Möglichkeiten haben, Natur zu erleben. Sie ist ein Geschenk – und zugleich ein wichtiges Werkzeug für eine achtsame, nachhaltige Zukunft.
Link-Tipps
- https://loki-schmidt-stiftung.de/
- https://heilkraeuter.de/lexikon/
- https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/aktionen-und-projekte/natur-des-jahres/2022.html
Quellen
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.