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Reden ĂĽber den Krieg und Terror

Frauen schwenken Ukraine-Flaggen mit Blick auf eine Stadt
Entwicklung und Erziehung
© Bild von pvproductions auf Freepik
von Christine Kammerer

Viele Kinder ab dem Kita-Alter haben bereits einen ersten Bezug zum Thema Krieg – vor allem durch jene anderen Kinder, die aus Kriegsgebieten und angrenzenden Regionen zu uns gekommen sind. Zudem begegnen schon unseren Jüngsten im Fernsehen und im Internet ständig Nachrichten über Terror und Krieg und das damit verbundene Leid für die betroffenen Menschen. Kinder haben feine Antennen für die Ängste und Sorgen ihrer Eltern...

Lesedauer:
4 min

Ängste und Gespräche über Krieg und Katastrophen

Eltern sprechen im Alltag immer wieder über Krieg oder andere Katastrophen. Solche Themen lösen starke Gefühle aus und können Kinder erheblich belasten. Viele Kinder stellen früher oder später Fragen oder verarbeiten Eindrücke spielerisch – etwa durch Nachstellen von Szenen oder Zeichnungen. Spätestens wenn deutlich wird, dass Gewalt, Krieg und Terror sie beschäftigen, sollten Eltern oder pädagogische Fachkräfte das Gespräch suchen. Doch wie gelingt ein solches Gespräch?

Ängste vor Gewalt und Terror ernst nehmen

Kinder besitzen oft eine lebhafte Fantasie, in der Vorstellung und Realität ineinander übergehen. Für viele wirken Ängste vor einem Krieg so real, als könne er schon morgen vor der eigenen Haustür beginnen. Diese Befürchtungen verfolgen sie manchmal sogar im Schlaf. Werden sie damit allein gelassen, kreisen die Gedanken weiter, nähren sich aus neuen Eindrücken und können übermächtig werden. Deshalb sollten Erwachsene diese Ängste sehr ernst nehmen und angemessen darauf eingehen.

Auch wenn Erwachsene selbst verunsichert sind, sollten sie ihre eigenen Emotionen möglichst aus dem Gespräch heraushalten. Kinder spüren die Sorgen ihrer Eltern sehr genau – das kann ihre eigenen Ängste verstärken.

Sachlich bleiben und Raum fĂĽr Fragen geben

Ein Gespräch über Krieg oder Gewalt sollte nicht hastig „zwischen Tür und Angel“ stattfinden. Besser ist es, einen ruhigen Moment abzuwarten, in dem sich das Kind sicher fühlt. Dann gilt:

  • Informationen ehrlich, sachlich und knapp halten
  • die BefĂĽrchtung einer unmittelbaren Bedrohung klar einordnen
  • keine langen Vorträge halten, sondern das Wesentliche erklären

Am hilfreichsten ist es, sich von den Fragen des Kindes leiten zu lassen. Sind diese beantwortet, kann das Gespräch beendet werden – mit dem Angebot, jederzeit wiederzukommen. Ergänzend können Erwachsene passende TV-Sendungen gemeinsam ansehen und anschließend darüber sprechen.

Altersgruppen und ihr Umgang mit Schreckensnachrichten

Die Art, wie Kinder und Jugendliche Krieg oder Terror wahrnehmen, unterscheidet sich stark je nach Alter. Drei Gruppen lassen sich grob unterscheiden:

  • Kleinkinder
  • Schulkinder
  • Teenager

Kleinkinder

Ab etwa vier Jahren kann man mit Kindern über Krieg und Gewalt sprechen. Ihre Vorstellungskraft ist jedoch so ausgeprägt, dass sie eine Bedrohung leicht persönlich nehmen. Sie sollten daher beruhigt werden – etwa durch den Hinweis, dass sie und ihre Familie in einem sicheren Gebiet leben, dass viele Betroffene geflohen sind, zum Beispiel nach Deutschland, und dort Hilfe erhalten.

Schulkinder

Schulkinder können Informationen bereits besser einordnen. Sie wissen, dass der Krieg in der Ukraine weit entfernt ist und uns nicht unmittelbar bedroht. Häufig beschäftigen sie moralische Fragen wie Gerechtigkeit oder Schuld. Sie überlegen auch, wie es wäre, wenn Krieg bei ihnen ausbrechen würde. Hier hilft es, die geringe Wahrscheinlichkeit einer solchen Situation zu erklären und darauf hinzuweisen, dass unser Land und seine Verbündeten sich intensiv für Frieden einsetzen.

Teenager

Teenager beziehen Ereignisse stärker auf ihr eigenes Leben. Ihre Sicht kann teilweise fatalistisch sein, weil sie erkennen, dass Sicherheit grundsätzlich verletzlich ist. Der Begriff der Wahrscheinlichkeit hilft, diesen Fatalismus abzumildern: Jugendliche verstehen, dass ein direkter Angriff auf sie oder ihre Familie sehr unwahrscheinlich ist. Da sie sich oft selbstständig informieren, sollten Erwachsene darauf achten, welche Quellen sie nutzen – ob es sich um seriöse Medien handelt oder um Desinformation.

Fazit: Ängsten aktiv begegnen

Kinder vor allem zu schützen, was ihnen Angst machen könnte, ist nicht sinnvoll. Sie müssen lernen, Gefahren einzuschätzen – und sie werden ohnehin überall mit solchen Themen konfrontiert. Ob im Kindergarten, in der Schule oder durch Gespräche anderer: Kinder spüren Sorgen und hören Fragmente von Nachrichten.

Unabhängig vom Alter profitieren sie davon, nicht abgeschirmt zu werden. Sie sollten vielmehr lernen, aktiv mit beunruhigenden Themen umzugehen – durch Fragen, eigene Gedanken, kreative Verarbeitung oder kleine Formen der Unterstützung, etwa Spenden für geflüchtete Kinder. Auch der Austausch in sozialen Netzwerken kann dazu gehören, wenn sie dabei ihren Standpunkt reflektieren.

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Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Krieg
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Ukraine
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge, Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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