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Rechenschwäche: Mein Kind kann nicht rechnen – was tun?

Frustrierter SchĂĽler beim Lernen
Entwicklung und Erziehung
© stock.adobe.com/S.Kobold
von Jörg Sauer

Probleme beim Rechnen sind nicht von Natur aus für das ein oder andere Kind vorgegeben. Auftretende Schwierigkeiten können bei gezielter Förderung deutlich behoben werden. Es ist wichtig, die möglichen Symptome einer Rechenschwäche frühzeitig zu erkennen. Dazu möchte dieser Beitrag Tipps geben und Sie dafür zu sensibilisieren.

Lesedauer:
4 min

Rechenschwäche – was steckt dahinter?

Von einer Rechenschwäche zu sprechen bedeutet nicht, dass ein Kind krank ist. Vielmehr handelt es sich um Fehlvorstellungen und fehlerhafte Denkwege, die verhindern, dass grundlegende mathematische Strukturen verstanden werden. Das Kind verarbeitet Zahlen, Mengen, Symbole und Zusammenhänge anders – oft unzureichend – und findet keinen inneren Zugang zur Logik der Mathematik.

Gemäß einer weit verbreiteten Definition ist Rechenschwäche „ein klar beschreibbarer Zusammenhang von Fehlvorstellungen, fehlerhaften Denkweisen und nicht zielführenden Lösungsmustern zu den einfachsten mathematischen Grundlagen.“

Wenn sich die Welt der Zahlen nicht erschlieĂźt

Für Kinder mit Rechenschwäche wirken mathematische Inhalte wie eine übermächtige fremde Welt. Die logische Struktur bleibt ihnen verborgen. Statt Zusammenhänge zu erkennen, bleibt häufig nur das Auswendiglernen – eine Strategie, die irgendwann an ihre Grenzen stößt.

Die Folgen können sein:

  • Frustration und Resignation
  • RĂĽckzug oder auffälliges Verhalten
  • sinkendes Selbstvertrauen
  • das GefĂĽhl, „nicht gut genug“ zu sein

Ein Kind verliert dann nicht nur mathematische Sicherheit, sondern auch Freude am Lernen insgesamt.

Merkmale einer Rechenschwäche

Die folgenden Punkte treten häufig, jedoch nicht immer vollständig oder eindeutig auf. Mehrere Hinweise gemeinsam können eine Rechenschwäche vermuten lassen.

Schwierigkeiten beim Zählen

  • Probleme beim RĂĽckwärtszählen
  • Unsicherheiten beim Zählen von beliebigen Startpunkten (z. B. „Starte bei 47 und zähle vorwärts“)

Vertauschen von Ziffern

Einer und Zehner werden verdreht:

  • Zahl wird geschrieben, wie sie klingt: 63 → 36
  • Aufgaben werden falsch interpretiert:
    „Ergänze bis zum nächsten Zehner“ ergibt 36 + 4 = 40 statt 63 + 7 = 70

bekannte Aufgaben werden nicht erkannt

  • 3 + 3 ist bekannt, aber in 53 + 3 wird sie nicht wiedererkannt

Probleme beim Zahlenvergleich

  • 45 = 54 (weil dieselben Ziffern vorkommen)

Schwache Orientierung im Zahlenraum

Zahlen werden an falschen Stellen gesucht (z. B. 69 bei den 90ern), weil ein Teilmerkmal überbetont wird.

Schwierigkeiten beim ZehnerĂĽbergang

  • Zerlegen gelingt kaum
  • Fehler beim Zählen oder bei der Stellenwertlogik (z. B. 25 + 6 = 21)
  • mangelnde Mengenvorstellung
  • Probleme beim BĂĽndeln und EntbĂĽndeln

Hilfe bei Rechenschwäche

Die Aussage „Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun und ich verstehe“ bringt das Wichtigste auf den Punkt: Kinder müssen handelnd lernen.

Eltern und Familie

Wichtige Schritte:

  • Ruhe bewahren
  • Stärken des Kindes betonen
  • Vergleiche mit anderen Kindern vermeiden
  • Vertrauen und positive UnterstĂĽtzung zeigen
  • Beobachten und frĂĽhzeitig das Gespräch mit der Lehrkraft suchen

Fachleute sprechen bei typischen Mustern von „Stolpersteinen“, die bearbeitet werden müssen.

Stolperstein: Zahlbegriff

Zahlen werden nicht als Mengen verstanden.

Hilfen:

  • Mengen vergleichen: Kiesel, Kastanien, Eicheln …
  • Schrittweise vom zählenden zum erfassenden Vergleichen ĂĽbergehen
  • „Blitzblick“ ĂĽben: Mengen auf einen Blick erkennen

Stolperstein: Zehner und Einer

Das Zehnersystem wird nicht verstanden.

Hilfen:

  • BĂĽndeln / EntbĂĽndeln mit SteckwĂĽrfeln
  • Verständnis fĂĽr Stellenwerte aufbauen

Stolperstein: ZehnerĂĽbergang

Der Ăśbergang kostet oft viel Kraft.

Hilfen:

  • keinen Lösungsweg „vordiktieren“
  • Kinder eigene Wege finden lassen
  • erklären lassen, wie sie vorgehen

Professionelle UnterstĂĽtzung

Rechenschwäche hat nichts mit geringer Intelligenz zu tun. Kinder brauchen gezielte, verständnisvolle Begleitung.

Hilfreich sind:

  • Gespräche mit Klassen- oder Fachlehrer:innen
  • Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen
  • spezialisierte Förderinstitute (Qualität prĂĽfen!)

Optimal ist ein Austausch zwischen Eltern – Lehrkraft – Förderlehrkraft.

Fazit

Rechenschwäche ist ein ernst zu nehmender, aber gut zu begleitender Lernbereich. Kinder können mathematische Grundlagen entwickeln – mit Zeit, Geduld, geeigneten Übungen und professioneller Unterstützung. Entscheidend ist, dass Familie und Schule gemeinsam handeln, Verständnis zeigen und dem Kind Mut machen, eigene Wege des Denkens zu finden.

Linktipps bei Rechenschwäche

Quellen

  1. Michael Gaidoschik, Rechenschwäche- Dyskalkulie, Persen, 2003, Auflage 2017, Seite 13
  2. Nach Konfuzius (551-479 v. Chr.)

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto des lernando-Autors Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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