Rechenschwäche: Mein Kind kann nicht rechnen – was tun?
Rechenschwäche: Mein Kind kann nicht rechnen – was tun?
Probleme beim Rechnen sind nicht von Natur aus für das ein oder andere Kind vorgegeben. Auftretende Schwierigkeiten können bei gezielter Förderung deutlich behoben werden. Es ist wichtig, die möglichen Symptome einer Rechenschwäche frühzeitig zu erkennen. Dazu möchte dieser Beitrag Tipps geben und Sie dafür zu sensibilisieren.
Rechenschwäche – was steckt dahinter?
Von einer Rechenschwäche zu sprechen bedeutet nicht, dass ein Kind krank ist. Vielmehr handelt es sich um Fehlvorstellungen und fehlerhafte Denkwege, die verhindern, dass grundlegende mathematische Strukturen verstanden werden. Das Kind verarbeitet Zahlen, Mengen, Symbole und Zusammenhänge anders – oft unzureichend – und findet keinen inneren Zugang zur Logik der Mathematik.
Gemäß einer weit verbreiteten Definition ist Rechenschwäche „ein klar beschreibbarer Zusammenhang von Fehlvorstellungen, fehlerhaften Denkweisen und nicht zielführenden Lösungsmustern zu den einfachsten mathematischen Grundlagen.“
Wenn sich die Welt der Zahlen nicht erschlieĂźt
Für Kinder mit Rechenschwäche wirken mathematische Inhalte wie eine übermächtige fremde Welt. Die logische Struktur bleibt ihnen verborgen. Statt Zusammenhänge zu erkennen, bleibt häufig nur das Auswendiglernen – eine Strategie, die irgendwann an ihre Grenzen stößt.
Die Folgen können sein:
- Frustration und Resignation
- Rückzug oder auffälliges Verhalten
- sinkendes Selbstvertrauen
- das Gefühl, „nicht gut genug“ zu sein
Ein Kind verliert dann nicht nur mathematische Sicherheit, sondern auch Freude am Lernen insgesamt.
Merkmale einer Rechenschwäche
Die folgenden Punkte treten häufig, jedoch nicht immer vollständig oder eindeutig auf. Mehrere Hinweise gemeinsam können eine Rechenschwäche vermuten lassen.
Schwierigkeiten beim Zählen
- Probleme beim Rückwärtszählen
- Unsicherheiten beim Zählen von beliebigen Startpunkten (z. B. „Starte bei 47 und zähle vorwärts“)
Vertauschen von Ziffern
Einer und Zehner werden verdreht:
- Zahl wird geschrieben, wie sie klingt: 63 → 36
- Aufgaben werden falsch interpretiert:
„Ergänze bis zum nächsten Zehner“ ergibt 36 + 4 = 40 statt 63 + 7 = 70
bekannte Aufgaben werden nicht erkannt
- 3 + 3 ist bekannt, aber in 53 + 3 wird sie nicht wiedererkannt
Probleme beim Zahlenvergleich
- 45 = 54 (weil dieselben Ziffern vorkommen)
Schwache Orientierung im Zahlenraum
Zahlen werden an falschen Stellen gesucht (z. B. 69 bei den 90ern), weil ein Teilmerkmal überbetont wird.
Schwierigkeiten beim ZehnerĂĽbergang
- Zerlegen gelingt kaum
- Fehler beim Zählen oder bei der Stellenwertlogik (z. B. 25 + 6 = 21)
- mangelnde Mengenvorstellung
- Probleme beim BĂĽndeln und EntbĂĽndeln
Hilfe bei Rechenschwäche
Die Aussage „Erzähle mir und ich vergesse. Zeige mir und ich erinnere. Lass es mich tun und ich verstehe“ bringt das Wichtigste auf den Punkt: Kinder müssen handelnd lernen.
Eltern und Familie
Wichtige Schritte:
- Ruhe bewahren
- Stärken des Kindes betonen
- Vergleiche mit anderen Kindern vermeiden
- Vertrauen und positive UnterstĂĽtzung zeigen
- Beobachten und frühzeitig das Gespräch mit der Lehrkraft suchen
Fachleute sprechen bei typischen Mustern von „Stolpersteinen“, die bearbeitet werden müssen.
Stolperstein: Zahlbegriff
Zahlen werden nicht als Mengen verstanden.
Hilfen:
- Mengen vergleichen: Kiesel, Kastanien, Eicheln …
- Schrittweise vom zählenden zum erfassenden Vergleichen übergehen
- „Blitzblick“ üben: Mengen auf einen Blick erkennen
Stolperstein: Zehner und Einer
Das Zehnersystem wird nicht verstanden.
Hilfen:
- BĂĽndeln / EntbĂĽndeln mit SteckwĂĽrfeln
- Verständnis für Stellenwerte aufbauen
Stolperstein: ZehnerĂĽbergang
Der Ăśbergang kostet oft viel Kraft.
Hilfen:
- keinen Lösungsweg „vordiktieren“
- Kinder eigene Wege finden lassen
- erklären lassen, wie sie vorgehen
Professionelle UnterstĂĽtzung
Rechenschwäche hat nichts mit geringer Intelligenz zu tun. Kinder brauchen gezielte, verständnisvolle Begleitung.
Hilfreich sind:
- Gespräche mit Klassen- oder Fachlehrer:innen
- Beratungslehrkräfte und Schulpsychologen
- spezialisierte Förderinstitute (Qualität prüfen!)
Optimal ist ein Austausch zwischen Eltern – Lehrkraft – Förderlehrkraft.
Fazit
Rechenschwäche ist ein ernst zu nehmender, aber gut zu begleitender Lernbereich. Kinder können mathematische Grundlagen entwickeln – mit Zeit, Geduld, geeigneten Übungen und professioneller Unterstützung. Entscheidend ist, dass Familie und Schule gemeinsam handeln, Verständnis zeigen und dem Kind Mut machen, eigene Wege des Denkens zu finden.
Linktipps bei Rechenschwäche
- https://phzh.ch/MAP_DataStore/119356/publications/Lernschwierigkeiten.pdf
- http://www.zahlen-raum.at/index.php?p=1_4_Mathematische-Lernschwierigkeiten
Quellen
- Michael Gaidoschik, Rechenschwäche- Dyskalkulie, Persen, 2003, Auflage 2017, Seite 13
- Nach Konfuzius (551-479 v. Chr.)
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.