Empty Nesters
Empty Nesters
„Wir sind bald Empty Nesters,“ sagt meine Bekannte beim Kaffee und ich habe den Eindruck, sie weiß nicht, ob sie dies bedauert oder sich freut. Ihre Kinder sind bereits sechzehn und achtzehn – und: Ja, das Nest wird bald leer sein, die Kinder flügge.
Empty Nest Syndrom – was verbirgt sich dahinter?
Emotionale Veränderungen
Das sogenannte Empty‑Nest‑Syndrom beschreibt die seelische Leere, die Eltern empfinden können, wenn ihre Kinder ausziehen und damit ein prägender Lebensabschnitt endet. Ildikó von Kürthy zeichnet diese Gefühlslage in ihrem Roman eindrucksvoll nach: viele Jahre waren Eltern als Chauffeur, Organisatorin, Tröster oder Unterstützer gefragt – und plötzlich entsteht eine ungewohnte Ruhe. Der Rollenwechsel führt nicht selten zu Irritationen, Traurigkeit oder dem Gefühl, ein Stück Identität verloren zu haben. Gleichzeitig eröffnet er neue Freiräume, die jedoch erst bewusst gefüllt werden müssen.
Die Gedanken der Romanfigur Judith zeigen diese Zerrissenheit deutlich: Die vertraute Rolle als Mutter tritt in den Hintergrund, während die Frage nach dem eigenen Leben wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Dieser Prozess ist emotional herausfordernd und zugleich ein Beginn neuer Selbstbestimmung.
Rollenwechsel vom Full House zum Empty Nest
Neuorientierung als Chance
Der Übergang geschieht selten abrupt. Schritt für Schritt erweitern Kinder ihren Radius, entwickeln Routinen und verbringen mehr Zeit außerhalb des Elternhauses. Das hilft Eltern, sich langsam an die neue Rolle als Empty Nester zu gewöhnen.
In dieser Phase lohnt es, sich zentrale Fragen zu stellen: Welche Werte tragen mich? Was gibt mir Energie – und was nimmt sie mir? Welche Stärken habe ich, und wie kann ich sie im Alltag bewusst einsetzen?
Kurz gesagt: Was brauche ich, um die entstandene Lücke sinnvoll und positiv zu füllen?
Empty Nesters durch positive Energie stärken
Freiräume sinnvoll nutzen
Das „Empty Nest“ bietet die Möglichkeit, sich alten oder neuen Interessen zuzuwenden. Viele Eltern entdecken Hobbys wieder, pflegen Freundschaften intensiver oder verbringen bewusster Zeit als Paar. Gemeinsam tanzen, reisen, kochen oder eine Sprache lernen – all dies kann dabei helfen, das neue Kapitel aktiv zu gestalten.
Wichtig ist, bewusst zu entscheiden: Was möchte ich tun, um mein Empty Nest mit neuem Leben zu füllen?
Eigene Ziele und neue Wünsche entwickeln
Reflexion und Begleitung
Um das Empty‑Nest‑Gefühl zu verarbeiten, hilft es, innezuhalten und die eigenen Wünsche und Ziele neu zu sortieren. Dies kann allein, im Austausch mit dem Partner oder mit Freunden geschehen. Auch eine professionelle Begleitung, etwa ein Coaching, kann Orientierung geben. Dabei können Themen wie Gesundheit, soziale Netzwerke oder die berufliche Situation in den Blick genommen werden – ein Ansatz, der häufig entlastet und zu neuen Perspektiven führt.
Übergang als Empty Nester
Übergänge im Leben gehen oft mit intensiven Gefühlen einher – so auch die Veränderung vom aktiven Elternsein zum Wegbegleiter auf Distanz. Diese Phase ist vollkommen normal und bietet zugleich die Chance, das eigene Leben neu auszurichten. Ob Sie Unterstützung hinzuziehen oder den Weg allein gestalten, bleibt eine persönliche Entscheidung.
Sollten negative Gefühle jedoch dauerhaft bestehen oder sich verstärken, kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Im Roman zeigt sich: Auch Judith findet neue Perspektiven und verwirklicht schließlich einen lang gehegten Traum.
Zuletzt geändert am 27.02.2026
Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.