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Familie in der Krise: Tipps für die konfliktfreie Regelung von Besuchszeiten

Foto von Eltern im Konfliktgespräch
Entwicklung und Erziehung
© Photographee.eu - Fotolia.de
von Bettina Levecke

Wenn Eltern getrennte Wege gehen, gilt es dauerhaft gute Umgangsrechtsformen für die Kinder zu finden. Die unterschiedlichen Bedürfnisse und Vorstellungen beider Partner unter einen Hut zu bringen, ist selten leicht. Elternratgeber.de gibt Tipps.

Lesedauer:
3 min

Das Wichtigste im Blick behalten

Umgangsregelungen können Eltern selbst festlegen – oder sie holen Unterstützung, z. B. durch einen Scheidungsberater, Mediator oder den Familiengerichtshelfer des Jugendamts. Wenn Eltern sich nicht einigen können, vertreten häufig Rechtsanwälte die unterschiedlichen Interessen.
Im Mittelpunkt sollte jedoch immer ein Ziel stehen: eine friedliche und tragfähige Lösung im Sinne des Kindes zu finden.


Grundsätze für gute Gespräche

  • Ruhig und sachlich bleiben. Auch bei unterschiedlichen Vorstellungen hilft ein respektvoller Ton.
  • Gemeinsame Ziele suchen. Kompromissbereitschaft ist entscheidend.
  • Das Kindeswohl steht an erster Stelle. Welche Lösung hilft dem Kind am meisten?
  • Vorschläge offen prüfen. Auch wenn man spontan nicht überzeugt ist – Ideen wirken oft besser nach einer Nacht Bedenkzeit.
  • Brainstorming nutzen. Alle Ideen sammeln, kopieren, mitnehmen und in Ruhe reflektieren.
  • Kinder niemals in Konflikte hineinziehen. Fragen wie „Bei wem möchtest du lieber sein?“ setzen Kinder unter Druck und sind tabu.
  • Ich‑Botschaften verwenden. „Ich würde mir wünschen …“ statt „Du machst immer …“.
  • Keine Besitzansprüche. Kinder sind keine Objekte, um die man ringt.

Modelle für Umgangsregelungen

Bei nahen Entfernungen

  • Wechselmodell „3–4 Tage“: Drei Tage beim einen, vier Tage beim anderen Elternteil. Funktioniert nur bei guter Kommunikation – nicht jedes Kind ist damit dauerhaft glücklich.
  • Fester Wohnort + freie Besuche: Das Kind lebt überwiegend bei einem Elternteil, kann den anderen regelmäßig und selbstständig besuchen.

Bei mittleren Entfernungen

  • Aufteilung nach Wochenrhythmus: Werktage beim einen Elternteil, Wochenenden oder Ferien beim anderen.

Bei großen Entfernungen

  • Schuljahr und Ferien trennen: Alltag bei einem Elternteil, Feiertage und Ferien beim anderen.

Klare Strukturen schaffen

Bevor feste Absprachen getroffen werden, sollten beide Eltern überlegen:

  • Wie oft sollen Besuche stattfinden?
  • Kann das Kind alleine fahren? Wenn nein: Wer begleitet? Wer zahlt?
  • Bis wann müssen Besuche abgesagt oder vereinbart werden?
  • Wie wird bei Krankheit vorgegangen?
  • Sind Übernachtungen unter der Woche möglich?
  • Wie werden Urlaube, Besuche bei Großeltern oder Paten geregelt?
  • Was passiert an Geburtstagen und Feiertagen?
  • Gibt es Notfallvereinbarungen?

Warum Kinder feste Strukturen brauchen

Für Kinder ist Verlässlichkeit entscheidend. Häufige spontane Änderungen oder ständiges Hin‑und‑Her belasten – vor allem jüngere Kinder.

Wichtig:

  • Absprachen einhalten. Kurzfristige Absagen sind für Kinder oft ein großer Schock.
  • Regelmäßig austauschen. In Abständen prüfen: Funktioniert alles? Wie geht es dem Kind?
  • Eigene Bereiche schaffen. Ein Zimmer oder eine feste Ecke mit Kleidung, Kuscheltieren und Spielsachen erleichtert den Wechsel.
  • Kontakt ermöglichen. Das Kind sollte jederzeit mit dem anderen Elternteil telefonieren oder schreiben dürfen.
  • Rituale nutzen. Rucksack packen, Ankommens‑Rituale – sie geben Sicherheit.
  • Keine Abwertung des anderen Elternteils. Negative Aussagen vor dem Kind sind tabu.
  • Grundregeln abstimmen. Schlafenszeiten, Medienzeiten, Süßigkeiten, Taschengeld – ein gemeinsames Grundgerüst verhindert Konflikte.

Besonderheit: ältere Kinder

Kinder ab etwa 13 oder 14 Jahren haben oft klare Vorstellungen darüber, wie sie zwischen Mutter und Vater pendeln möchten.
Ihre Meinung sollte unbedingt gehört und in die Entscheidungen einbezogen werden.
Es stärkt das Vertrauen, wenn beide Eltern zeigen: „Dein Wohl und deine Wünsche sind uns wichtig.“


Zuletzt geändert am 13.02.2026

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Themen:
Scheidung
Krise
Streit
Ehekrach
Familienstreß
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Bettina Levecke

Bettina Levecke ist freie Journalistin aus der Nähe von Bremen. Ihre Themenschwerpunkte sind Gesundheit, Familie und Nachhaltigkeit.

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