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Jugendliche wollen mehr Finanzunterricht

Gruppe Jugendlicher mit Lernmaterielien
Wissen und Bildung
© yanlev - Fotolia.com
von Christine Kammerer

Das Thema Finanzen wird in den meisten Schulen immer noch recht stiefmütterlich behandelt. Zugegeben - dank der öffentlichen Diskussion hat sich in den letzten Jahren schon einiges bewegt. Dennoch haben Rückfragen bei den Jugendlichen selbst ergeben, dass sich immerhin 89 Prozent von ihnen im Unterricht mehr konkrete Inhalte zu den Themengebieten Wirtschaft und Finanzen wünschen. Und fast alle würden es begrüßen, wenn es ein Fach „Finanzwissen“ in der Schule gäbe.

Lesedauer:
4 min

Finanzbildung – ein dringendes Thema ohne flächendeckende Umsetzung

Über 90 % der Deutschen sind überzeugt, dass umfassende Finanzbildung heute unverzichtbar ist. In der schulischen Realität spiegelt sich das jedoch kaum wider: Finanzthemen werden vielerorts noch immer nur am Rande behandelt. Zwar hat die öffentliche Debatte der letzten Jahre Bewegung in das Thema gebracht, doch 89 % der Jugendlichen wünschen sich laut Befragungen weiterhin mehr konkrete Inhalte zu Wirtschaft und Finanzen. Fast alle befürworten ein eigenes Schulfach – entweder als Wahl- (51 %) oder Pflichtfach (44 %).

Grund genug, den Stand der Umsetzung des KMK‑Beschlusses von 2013 zur Stärkung der Verbraucherbildung genauer zu betrachten.

Mangelndes Finanzwissen – mit spürbaren Folgen

Umfragen zeigen, dass das Finanzwissen in Deutschland im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich ist. Besonders betroffen sind Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 16 und 25 Jahren:

  • Nur 8 % trauen sich sehr gute oder gute Finanzkompetenzen zu.
  • Zwei Drittel bewerten ihr Wissen nur als „befriedigend“ oder „ausreichend“.
  • Ein Viertel stuft sich selbst als „mangelhaft“ oder „ungenĂĽgend“ ein.

Dabei sind Finanzkenntnisse für alltägliche Entscheidungen essenziell – von Handy‑ und Versicherungsverträgen bis zum Umgang mit Bankkonten oder Altersvorsorge.

Fehlendes Wissen hat Folgen: Die Zahl junger überschuldeter Haushalte steigt. Der „typische Überschuldete“ ist laut Schuldnerberatungen 25 bis 45 Jahre alt, doppelt so häufig betroffen wie der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung.

Verbraucherbildung in der Schule – viele Ziele, wenig Umsetzung

2013 beschlossen die Kultusminister:

  • Verbraucherbildung stärken
  • Inhalte fächerĂĽbergreifend integrieren

Doch der Beschluss war nur ein Startsignal. Die Umsetzung liegt bei den Bundesländern – und diese ist bis heute unterschiedlich weit fortgeschritten.

Zentrale Probleme

  • Mangel an qualifizierten Lehrkräften, die Finanzthemen sicher vermitteln können
  • fehlende Zeitressourcen, um eigenes Unterrichtsmaterial zu erstellen
  • Uneinheitliche Lehrpläne: Inhalte werden zwar angerissen, aber oft ohne verbindliches Curriculum

Das Ergebnis: Große regionale Unterschiede und eine oft zufällige Einbindung von Finanzthemen im Unterricht.

Improvisation in der Praxis – Erklärvideos und Schülerfirmen

Solange ein systematisches Curriculum fehlt, greifen Schulen zu kreativen Alternativen.

Erklärvideos – verständlich und geschätzt

Online‑Erklärvideos ermöglichen eine spielerische und praxisnahe Vermittlung von Finanzwissen. Besonders wirksam sind Inhalte, die von Jugendlichen für Jugendliche erstellt wurden, etwa im Projekt „Finanzchecker“, bei dem Azubis aus den Branchen Banken und Versicherungen Themen wie:

  • Versicherungen
  • Kredite
  • Schufa
  • KontofĂĽhrung

für den Unterricht aufbereitet haben. Die Videos werden durch Online‑Material, Tests und Anleitungen für eigene Erklärfilme ergänzt.

Schülerfirmen – Lernen durch eigenes Handeln

SchĂĽlerfirmen vermitteln Finanzwissen besonders praxisnah. Jugendliche lernen dabei:

  • ökonomische Zusammenhänge
  • Teamarbeit
  • Selbstorganisation
  • unternehmerisches Denken

Wichtig ist jedoch, externe EinflĂĽsse kritisch zu regulieren, damit keine einseitige Interessensteuerung durch Unternehmen erfolgt.

Fazit: Finanzbildung bleibt ein Schnittstellenthema

Eine bundesweit einheitliche Lösung zur Finanzbildung ist vorerst nicht in Sicht – zu vielfältig sind die Herausforderungen im Schulsystem. Daher bleibt Improvisation notwendig.

Positiv ist jedoch: Finanzwissen lässt sich in nahezu alle Schulfächer integrieren, etwa über:

  • Mathematik (Zinsen, Prozentrechnung)
  • Sozialkunde (Wirtschaftsstrukturen, Verträge)
  • Politik (Staatshaushalt, Steuern)
  • Ethik (Konsumverhalten)

Das Schulportal Verbraucherbildung unterstützt Schulen mit Fortbildungen, Materialien und Best‑Practice‑Beispielen, etwa zu nachhaltigem Konsum, Ernährung oder Finanzverhalten.

Finanzbildung kann – und sollte – überall stattfinden. Je früher sie beginnt und je praxisnäher sie gestaltet wird, desto besser sind junge Menschen auf das Leben vorbereitet.

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Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge, Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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