Ist Glück lernbar?
Ist Glück lernbar?
Bei dieser Frage werden Sie vielleicht zunächst stutzen und sich dann fragen: Wie soll das möglich sein? Glück ist das erstrebenswerte Ziel in unserem Leben. Doch schaffen wir es? Nicht umsonst nimmt es in einer Vielzahl von Liedern und Gedichten einen breiten Raum ein. Der nachfolgende Beitrag möchte Ihnen einige Anregungen geben, wie Sie Ihre Kinder auf dem Weg zum Glück unterstützen können.
Rund um das Glück
Der Begriff Glück geht auf das mittelhochdeutsche gelücke zurück, das „Schicksalsmacht“ oder „Zufall“ bedeutete. Die mittelniederdeutsche Herkunft von (ge)lucke ist hingegen ungeklärt. Im ursprünglichen Verständnis führt ein Ereignis zu einem guten Ende, ohne dass der Mensch selbst viel dazu beitragen muss.
Seit dem dritten Jahrhundert v. Chr. existiert jedoch die Redewendung „Jeder ist seines Glückes Schmied“ – sie betont, dass ein glücklicher Zustand vom eigenen Handeln abhängt. Diese Gegenüberstellung zeigt die Mehrschichtigkeit des Glücksbegriffs.
Glück als Gefühl und Reaktion
Glück beschreibt sowohl ein momentanes oder länger anhaltendes Gefühl, das auch euphorisch sein kann, als auch die Reaktion auf ein persönliches, bedeutsames Ereignis. Es ist ein zutiefst individuelles Empfinden und eng mit dem Sinn des Lebens verknüpft. Passend formulierte es Rainer Maria Rilke: „Vergessen Sie nie, das Leben ist eine Herrlichkeit.“
Zu jeder Glückserfahrung gehört auch ihr Gegenstück: Pech. Jeder erlebt unglückliche Momente, mit denen man umgehen lernen muss. Gleichzeitig wächst dadurch die Wertschätzung für glückliche Augenblicke. Moderne Forschung zeigt zudem: Glücksempfinden ist trainierbar. „Glücksgefühle sind kein Zufall, sondern der richtigen Gedanken und Handlungen“ – so fasst es eine Erkenntnis der Psychologie zusammen. Weitere Ausführungen dazu finden sich im Beitrag „Psychologie des Glücks“ von Dr. Rolf Merkle (Link 1).
Das Schulfach Glück
2007 startete Dr. Ernst Fritz Schubert gemeinsam mit seinem Team an der Willy‑Hellpach‑Schule in Heidelberg ein besonderes Projekt: das Schulfach Glück.
In der Zeitschrift Erwachsenenbildung schreibt er: „Ein glücklicher Mensch ist ein wirksamer Gestalter seines Lebens, der für sich Sinn gefunden hat und achtsam mit sich, seinen Mitmenschen und der Natur umgeht.“ Dieses Ziel teilen Eltern, Großeltern und Lehrkräfte in einer komplexen Welt gleichermaßen.
Ein wachsender Ansatz
In den vergangenen Jahren schlossen sich immer mehr Schulen in Deutschland und Österreich diesem Konzept an. Im aktuellen Schuljahr wird das Fach Glück an drei Schulen unterrichtet. Weiterführende Informationen finden sich im dritten Linktipp.
Die Schule kann wesentlich zur Entwicklung von Glücksgefühlen beitragen – etwa durch die Stärkung der einzigartigen Persönlichkeit eines jeden Kindes. Dennoch bleibt das familiäre Umfeld der entscheidende Faktor.
Glücklich machende Tipps
Im Buchhandel findet sich eine große Auswahl an Ratgebern rund um das Thema Glück – etwa „Glücklich sein“, „Was die Seele glücklich macht“ oder „Einfach glücklich sein“. Ergänzt wird dies durch zahlreiche Online‑„Anleitungen“. Sie vermitteln manchmal den Eindruck, Glück ließe sich durch einfache Rezepte erreichen. Doch nicht jeder Tipp passt zu jedem Menschen.
Orientierung im Alltag
Bewahren Sie eine gewisse Skepsis, nutzen Sie Ihren Menschenverstand und Ihr Bauchgefühl. Die folgenden Gedanken sollen anregen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Reihenfolge.
Wertschätzung zeigen
Machen Sie Ihrem Kind klar, dass es genau richtig ist, wie es ist. Passende Aussagen können sein:
- „Du bist toll.“
- „Du bist etwas ganz Besonderes.“
- „Ich glaube an dich.“
- „Du erfüllst uns mit Stolz.“
Solche Botschaften stärken das Selbstwertgefühl und motivieren.
Erfahrungen ermöglichen
Lassen Sie Ihr Kind altersgerechte Erfahrungen machen. Ein Überbehüten sollte vermieden werden. Glücksmomente entstehen besonders dann, wenn ein Kind mehr schafft, als es selbst erwartet. Beziehen Sie es entsprechend seines Alters in alltägliche Aufgaben ein.
Ängste reduzieren
Vermeiden Sie, Ängste vor der Zukunft zu schüren. Gehen Sie mit Zuversicht und Optimismus voran. Auch negative Ereignisse gehören zum Leben. Begleiten Sie Ihr Kind in solchen Momenten aufbauend und stärkend.
Regelmäßige sportliche Aktivitäten oder das Ausprobieren neuer Hobbys schaffen weitere glückliche Momente. Ebenso wichtig sind Freundschaften und gemeinsame Rituale in der Familie.
Vertrauen schützen
Nehmen Sie Sorgen Ihres Kindes ernst und sprechen Sie in Ruhe darüber. Sagen Sie auch offen: „Das muss ich nachschauen.“ Geben Sie Ihrem Kind Raum für Rückzug – ohne Nachrichten oder Tagebucheinträge zu lesen. Verletztes Vertrauen verhindert Glück.
Vorfreude und Geborgenheit
„Vorfreude ist die schönste Freude“ – ein Sprichwort, das viele aus der eigenen Kindheit kennen. Ähnlich wirkt die Adventszeit mit ihrem Ritual des Adventskalenders.
Eine gute Familienatmosphäre schafft langfristige Momente des Glücks und heimatlicher Geborgenheit.
Neugier fördern
Neugier, die auf dem Wunsch basiert, Neues zu entdecken, erzeugt Glücksgefühle – etwa beim begeisterten „Hurra, ich habe entdeckt, dass…“. Die Kehrseite zeigt sich, wenn Neugier in reine Sensationslust umschlägt.
Dankbarkeit üben
„Dankbarkeit ist der Schlüssel zum Glück… Dankbarkeit kann man üben.“ Nichts ist selbstverständlich. Ermuntern Sie Ihr Kind, häufiger Danke zu sagen. Dieser kurze Moment schafft auf beiden Seiten spontanes Glück.
Alte Weisheiten bieten zusätzliche Anregungen. So heißt es: „Glücklich ist nur, wer glücklich macht.“
Fazit
Glück besteht aus vielen kleinen Momenten, in denen die Welt und die Menschen um uns herum unser Herz positiv berühren.
Literarische Tipps
Statt Ratgebern zum Thema Glück hier einige Bücher, die die Thematik auf ganz eigene Weise beleuchten:
- Alexander von Schönburg: Die Kunst des lässigen Anstands. 27 altmodische Tugenden für heute, Piper Verlag, München
- Prof. Dr. Helmut Zöpfl: Unser Leben hat Sinn, Rosenheimer, 1989
- Prof. Dr. Helmut Zöpfl: Das kleine Glück, Rosenheimer, 2013
- Prof. Dr. Helmut Zöpfl / Matthias Petri: Zurückbleiben, bitte! Warum sich an unseren Schulen schnellstens etwas ändern muss, SüdOst Verlag, 2017
Linktipps
Quellen
(1)https://www.duden.de/rechtschreibung/Glueck
(2) ebd.
(3) ebd.
(4) Alexander von Schönburg, Die Kunst des lässigen Anstands“, 27 altmodische Tugenden für heute, Piper Verlag GmbH, München, 2018, Seite 347
(5) https://www.sinndeslebens24.de/zitate-und-weisheiten-ueber-das-glueck
Zuletzt geändert am 17.06.2026
Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.