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Straftaten an der Schule – aktuelle Fakten und Perspektiven der Prävention

Eine Schlägerei auf dem Schulhof
Wissen und Bildung
© 3format - photocase.de
von Christine Kammerer

Gewalt unter Schülern und sogar gegen Lehrer gehört heute zum traurigen Alltag an vielen deutschen Schulen. Die Zahl der Straftaten steigt besorgniserregend an. Einige Städte und Regionen wie zum Beispiel Berlin und Nordrhein-Westfalen tun sich dabei in den Statistiken besonders hervor. Andere Länder haben das Problem offenkundig weitaus besser im Griff. Meist handelt es sich bei den Taten um minder schwere Handlungen wie leichte Körperverletzungen. Auch kleinere Drogendelikte, rechtsextrem motivierte Vorfälle und Straftaten der Kategorie „gegen die sexuelle Selbstbestimmung“ sind weit verbreitet. Gravierende Gewalttaten spielen dabei jedoch keine herausragende Rolle und auch Intensiv- oder Mehrfachtäter sind glücklicherweise eine sehr seltene Ausnahmeerscheinung.

Lesedauer:
3 min

Gewalt und Straftaten an Schulen – eine besorgniserregende Entwicklung

Steigende Fallzahlen trotz statistischer Verzerrungen

Nicht jeder gemeldete Vorfall stellt sich im Nachhinein als tatsächliche Straftat heraus. Dadurch können Polizeistatistiken leicht verfälscht erscheinen, da auch Meldungen einfließen, die später als unbegründet gelten – etwa wenn ein Tatvorwurf nicht bestätigt werden kann.
Trotzdem zeigt sich deutlich: Die Tendenz zu Jugendgewalt und Straftaten an Schulen nimmt zu. Diese Entwicklung macht GegenmaĂźnahmen dringend notwendig.


Gewalt an Schulen – aktuelle Entwicklungen

Anstieg von Rohheitsdelikten

Straftaten und Gewaltvorfälle – auch an Grundschulen – steigen seit Jahren spürbar an.
Beispiel ThĂĽringen:
2016 nahm die Zahl der Rohheitsdelikte und Delikte gegen die persönliche Freiheit (Raub, Körperverletzung, Bedrohung, Stalking usw.) um 16,2 % im Vergleich zum Vorjahr zu.

Einteilung nach Gefährdungsgrad (Beispiel Berlin)

Der Berliner Bildungssenat unterscheidet drei Stufen:

Gefährdungsgrad I

  • Beleidigungen
  • Drohungen
  • körperliche Auseinandersetzungen
  • Suchtmittelkonsum
  • Mobbing

Gefährdungsgrad II

  • Amokdrohungen
  • schwerwiegende Bedrohungen

Gefährdungsgrad III

  • tatsächliche Amokläufe oder vergleichbare Extremfälle

Besonders alarmierend:
Laut einer PISA‑Sonderauswertung wurde jeder sechste Schüler in Deutschland bereits Opfer regelmäßiger, massiver Mobbing-Attacken.

Warum Sexualstraftaten häufiger angezeigt werden

Der Anstieg bei gemeldeten Sexualdelikten bedeutet laut Experten nicht zwingend mehr Taten, sondern oft eine stärkere Sensibilisierung von Lehrkräften.
Udo Beckmann (Verband Bildung und Erziehung) verweist darauf, dass Lehrkräfte heute genauer hinsehen als früher.


Wie Schulen heute auf Straftaten reagieren

Krisen- und Notfallpläne

Fast alle Schulen besitzen inzwischen ausgearbeitete Notfall- und Krisenpläne.
Dazu gehören:

  • Teams aus speziell geschulten Lehrkräften und teilweise SchĂĽlern
  • klare Handlungsanweisungen fĂĽr akute Gefahrensituationen
  • rechtliche Verankerung in einigen Bundesländern (z. B. Bayern, Niedersachsen)

Telefonnummern von Polizei, Jugendamt und schulpsychologischen Diensten mĂĽssen so hinterlegt sein, dass sie sofort verfĂĽgbar sind.
Auch festgelegte Melderoutinen sorgen dafür, dass Schulämter oder Behörden unmittelbar informiert werden.

Prävention und Unterstützung

Viele Schulen setzen auf bewährte Gewaltpräventionsprogramme.
Außerdem wurden seit 2015 verstärkt Schulpsychologen und Sozialpädagogen eingestellt – allerdings noch nicht in ausreichender Zahl.


Fazit: Was Staat und Schulen tun mĂĽssen

Besondere Belastung in Willkommensklassen

In einigen Regionen – etwa in Berlin – werden Häufungen von Straftaten vor allem an Schulen mit Willkommensklassen festgestellt.
Schulpsychologe Klaus Seifried weist darauf hin, dass viele unbegleitete jugendliche Flüchtlinge in den letzten Jahren angekommen sind und ein erhöhtes Risiko besteht, dass diese Jugendlichen in problematische Strukturen abrutschen, wenn sie keine Perspektive erhalten.

Perspektiven statt Probleme

Um Jugendliche zu stabilisieren, braucht es:

  • positive Lernerfahrungen
  • Erfolge im Alltag
  • klare Grenzen
  • pädagogische Konzepte, die Orientierung geben
  • konkrete Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten

Fehlende Fachkräfte

Die psychologische Versorgung ist weiterhin unzureichend:
In Deutschland kommt im Durchschnitt ein Schulpsychologe auf etwa 5.000 SchĂĽlerinnen und SchĂĽler.
Zum Vergleich:
In der Schweiz liegt die Quote bei 800:1.

Eine Verbesserung wäre dringend notwendig, um Schulen langfristig zu entlasten.

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Zuletzt geändert am 11.02.2026

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Themen:
Straftaten
Schule
Prävention
Gewalt
Körperverletzung
Beleidigungen
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge, Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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