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Trotzanfälle im Supermarkt

Fotodarstellung mit Symbolfigur, Streit mit Kind beim Einkaufen.
Entwicklung und Erziehung
© Clemens Schüßler - Fotolia.de
von Manon Sander

Eigentlich wollten Sie nur mal gerade ein paar Nudeln und Tomaten für das Abendessen holen. Stattdessen stehen Sie aber im Supermarkt, schämen sich in Grund und Boden, denn ihr Kind liegt schreiend vor Ihnen oder tobt im Einkaufswagen herum. Vielleicht hat es aber auch bereits eine Verpackung aufgerissen und den Inhalt im Supermarkt verstreut. Wie auch immer, Sie würden sich am liebsten an einen anderen Ort wünschen. Was tun?

Lesedauer:
3 min

Ruhig bleiben – auch wenn’s schwierig wird

Der wichtigste Schritt: tief ein- und ausatmen. Viele Menschen haben ähnliche Situationen erlebt – manche schütteln den Kopf, andere lächeln aufmunternd oder beobachten einfach, wie Sie reagieren. Trotzanfälle sind normal. Sie kommen bei allen Kindern vor, bei manchen früher, bei anderen später. Und manchmal passiert es eben ausgerechnet im Supermarkt.

Warum Kinder Trotzanfälle bekommen

Ursache: Erwartungen, die nicht zusammenpassen

Kinder geraten in Trotz, wenn ihre Vorstellungen nicht mit dem übereinstimmen, was möglich ist – oder wenn sie etwas wollen, das sie sprachlich noch nicht ausdrücken können.
Gerade im Supermarkt ist es besonders schwer: Bunte Verpackungen wirken verlockend, und Kinder sehen, wie andere danach greifen – sie ahmen nach. Noch schwieriger wird es, wenn sie einen eigenen kleinen Einkaufswagen schieben. Wie sollen sie verstehen, dass sie nicht einfach selbst Waren aus dem Regal nehmen dürfen?

Vorbeugung

Eine theoretisch einfache Lösung wäre: ohne Kinder einkaufen. Praktisch geht das aber nicht immer. Besser ist es, Kinder – je nach Alter – aktiv einzubeziehen:

  • Einkauf gemeinsam planen
  • Besprechen, was gekauft werden soll
  • Kinder mitentscheiden lassen

Beispiel: Welche Tomaten sollen es sein? Spiralnudeln oder Spaghetti?
So fĂĽhlen Kinder sich beteiligt und verlieren leichter das Interesse an Ablenkungen im Markt.

Wichtig: Kein Essen oder Trinken im Geschäft anbieten – auch nicht auf Wunsch. Kinder gewöhnen sich sehr schnell daran.

Wenn Kinder sich fĂĽr alles interessieren

Kinder machen nach, was Erwachsene tun. Wenn sie sehen, wie Sie Waren in den Wagen legen, wollen sie das ebenfalls. Versuchen Sie, „riskante“ Bereiche wie Spielzeug oder Süßigkeiten zu umgehen.
Wenn das nicht möglich ist, hilft eine kurze, klare Erklärung:

  • Sie finden das Spielzeug auch toll, aber zu Hause gibt es schon viel
  • Zu viele SĂĽĂźigkeiten machen Bauchschmerzen oder schaden den Zähnen
  • Vielleicht eignet sich das gewĂĽnschte Spielzeug als Geschenk zu Weihnachten oder zum Geburtstag

Wenn der Trotz trotzdem kommt

Ruhe bewahren – das ist das A und O

Auch wenn Ihr Kind schreit, gilt: nicht laut werden, sich nicht beeindrucken lassen und sich nicht erpressen lassen. Ein einziges Nachgeben genĂĽgt, sonst wiederholt sich das Verhalten immer wieder.

Sprechen Sie Ihr Kind ruhig an:
Ob es nicht besser mitkommen möchte – Sie gehen jetzt zur Kasse.

  • Wiederholen Sie die Frage einmal
  • Gehen Sie dann wirklich los

Viele Kinder sind so überrascht, dass sie folgen – vielleicht noch schreiend, aber das sollte Sie nicht irritieren. Sagen Sie Ihrem Kind ruhig, dass Sie sich freuen, dass es nachgekommen ist.

Und wenn das Kind gar nicht reagiert?

Manche Kinder bleiben hartnäckig. Dann braucht es Zeit und Konsequenz. Gehen Sie langsam weiter Richtung Kasse. Oft spricht irgendwann ein Fremder das Kind an – und genau in diesem Moment laufen viele Kinder sofort zurück zu den Eltern.

Vertrauen Sie darauf: Auch das trotzigste Kind kommt früher oder später nach.

Was Kinder aus solchen Situationen lernen

Kinder lernen ständig – durch Konsequenz, durch Gewohnheiten und durch Reaktionen der Erwachsenen.
Sie lernen:

  • wenn Sie konsequent bleiben
  • wenn WĂĽnsche manchmal erfĂĽllt werden
  • aber auch, wenn Sie zur Beruhigung nachgeben

Letzteres ist problematisch: Die Wünsche wachsen schnell. Was heute ein kleiner Ball oder eine Tafel Schokolade ist, kann bald ein größeres Spielzeug sein. Und irgendwann ist es nicht mehr möglich, alles einfach so zu kaufen.

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Trotzanfälle
Supermarkt
Erziehung
Einkaufen
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Manon Sander

Manon Sander ist Mutter von 6 Kindern und auĂźerdem Autorin fĂĽr Fach- und KinderbĂĽcher.

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