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Warum sich Kinder gern verkleiden

Mädchen verkleidet als Minnie Maus
Freizeit und Erholung
© Manu Wolf - Fotolia.de
von Ulrike Lindner

Mia will Prinzessin sein und Emil geht als Cowboy. Schon Wochen bevor die Faschingszeit beginnt, wissen viele Kinder genau, welche Kostüme sie unbedingt haben möchten. Verkleiden ist für viele Drei- bis Sechsjährige das Größte, nicht nur zu Karneval.

Lesedauer:
3 min

Die Bedeutung des Verkleidens für Kinder

Die Lust am Verkleiden, am Spiel und am Rollenwechsel ist weit mehr als reiner Spaß. Psychologen sehen darin eine wichtige Entwicklungsphase, die das Heranwachsen unterstützt. Durch Verkleidung können Kinder in unterschiedliche Rollen schlüpfen – sei es die bewunderte Prinzessin, der tapfere Cowboy oder die mächtige Hexe. Oft reichen wenige Requisiten, um aus einem kleinen Mädchen ein Katzenbaby oder aus einem Jungen einen Superhelden werden zu lassen – die Fantasie tut ihr Übriges.


Warum Kinder Rollenspiele brauchen

Eigene Welten entdecken

Kinder schaffen sich beim Verkleiden eine eigene Welt, in der sie neue Fähigkeiten und Eigenschaften ausprobieren können. Sie testen, ob sie sich als hilfloses Kätzchen wohlfühlen oder lieber als geheimnisvoller Batman agieren. Dabei lernen sie nicht nur, sich in andere hineinzuversetzen, sondern trainieren auch soziale Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen, Toleranz und Kompromissbereitschaft.

Vorbilder der Erwachsenen

Erwachsene dienen oft als Inspiration für Rollenspiele. Ob beim Anziehen fürs Büro, Theaterbesuche oder Sport, Mama und Papa übernehmen ständig unterschiedliche Rollen. Kinder erkunden dadurch auch die spannende Welt der Erwachsenen. Beliebte Rollenspiele im Kindergarten sind Alltagssituationen wie „Mutter, Vater, Kind“, Arztbesuche oder Einkaufen.

Gefühle und Ängste verarbeiten

Verkleidung bietet Kindern die Möglichkeit, Gefühle, Ängste und Wünsche auszudrücken, die im Alltag kaum Platz finden. So kann Mia als böse Hexe fiese Dinge sagen, Emil als Fee einmal ein Mädchen sein, und Pippi Langstrumpf Mut, Stärke und Freude erleben. Auch Verbote wie das Ausprobieren von „bösen Wörtern“ können in der richtigen Rolle sicher getestet werden. Rollenspiele helfen dabei, Ängste abzubauen – etwa vor Gespenstern oder in Bezug auf Veränderungen in der Familie, wie ein neues Geschwisterkind.

Privates Spiel vs. öffentlicher Auftritt

Kinder unterscheiden zwischen privatem Rollenspiel und öffentlichem Auftritt in Kita oder Grundschule. Dabei ist es wichtig, dass die Rolle dem Kind entspricht. Lassen Sie Kinder selbst entscheiden, als wen sie sich verkleiden möchten, und vermeiden Sie, eigene Kindheitsträume auf sie zu projizieren.


Lust am Verkleiden fördern: Tipps für Eltern

Verkleidungskiste einrichten

Eltern können die Lust am Verkleiden aktiv unterstützen – nicht nur zu Fasching. Eine Verkleidungskiste im Kinderzimmer ist ideal: Kostüme vom Vorjahr, ausrangierte Kleidungsstücke der Eltern, alte Hüte, Handschuhe, Spitzendecken oder Requisiten wie Gehstöcke und Modeschmuck bieten vielfältige Spielmöglichkeiten.

Als Spielpartner teilnehmen

Seien Sie dabei, wenn Ihr Kind Sie ins Spiel einlädt. Auch wenn es schwerfällt, die grummelige Tiermutter zu spielen oder den Einkaufsladen erneut zu besuchen – für Kinder ist genau dieses Spiel wichtig.

Gelassen bleiben

Manche Kinder wollen eine Rolle über längere Zeit behalten. Entwicklungspsychologen raten zur Gelassenheit: Nach Wochen oder Monaten werden Kinder in der Regel von selbst wieder „sie selbst“ – ob Fee, Cowboy oder Superheld.


Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
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Psychologie
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

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