Gibt es ein Leben ohne WLAN?
Gibt es ein Leben ohne WLAN?
Das Internet hat unseren Alltag vollständig erobert. 50 Millionen Deutsche sind inzwischen online. Online? Heute geht man nicht mehr Online! Das Internet ist schlicht allgegenwärtig - per WLAN. Es surrt und piept in einem fort, fast ohne Unterbrechung. Mal geht eine E-Mail ein, dann wieder eine Whatsapp-Nachricht. Auch Kinder kommen heute immer früher mit den Versuchungen des Internet in Kontakt. Und sie können ihnen noch viel weniger widerstehen als ihre erwachsenen Vorbilder.
Internetnutzung bei Jugendlichen – Risiken und Herausforderungen
Die Internetaktivitäten von Kindern und Jugendlichen sorgen in vielen Familien zunehmend für Spannungen. Viele Sprösslinge reagieren gereizt oder unruhig, wenn sie offline gehen müssen. Eine repräsentative Studie des Forsa-Instituts zeigt: 11 Prozent der 12- bis 17-Jährigen haben bereits mehrfach versucht, ihre Internetnutzung selbst einzuschränken – erfolglos.
Eltern berichten, dass die Hälfte der Kinder länger online bleibt, als vorgesehen. 22 Prozent der Jugendlichen fühlen sich ruhelos oder launisch, wenn die Nutzung reduziert werden soll. Etwa jedes zehnte Kind nutzt das Internet als Flucht vor Problemen, und bei sieben Prozent gefährdet das Verhalten bereits wichtige zwischenmenschliche Beziehungen oder Bildungschancen.
Problematisches Verhalten oder schon Internetsucht?
Professor Falk Kiefer von der Deutschen Gesellschaft für Suchtforschung und Suchttherapie betont:
„Online-Spiele und soziale Netzwerke können eine hohe Bindungskraft entwickeln. Jugendliche kommen immer früher mit potenziell süchtig machendem Verhalten in Kontakt.“
Eine Studie aus 2011 zeigt, dass in Deutschland bereits über 560.000 Menschen internetabhängig sind, mit steigender Tendenz. Besonders betroffen sind rund vier Prozent der 14- bis 16-Jährigen, wobei Mädchen etwas häufiger betroffen sind. Kiefer warnt: Je früher internetbasierte Spiele und Medien für Kinder verfügbar sind, desto größer ist das Risiko für eine Zunahme der Abhängigkeit.
Entscheidend für die Klassifizierung als Internetsucht sind nicht die Bildschirmstunden, sondern die negativen Folgen des exzessiven Konsums:
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Nachlassende schulische Leistungen
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Rückzug aus sozialen Kontakten
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Kontrollverlust über die Internetnutzung
Süchtige ignorieren diese Konsequenzen oder nehmen sie bewusst in Kauf.
Eltern – Regeln für ein Leben mit und ohne WLAN
Besonders Kinder im Vor- und Grundschulalter benötigen klare Regeln für den Umgang mit PC, Laptop oder mobilen Geräten. Eltern sollten zudem den sicheren und verantwortungsbewussten Umgang mit dem Internet vermitteln. Wichtig ist:
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Vorbild sein: Wer selbst exzessiv surft oder spielt, kann Kinder nur schwer zu moderatem Verhalten anleiten.
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Gut informiert sein: Über jugendgefährdende Inhalte, Suchtpotenzial, Altersgrenzen und die Internetvorlieben der Kinder.
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Grenzen setzen: Wann, wo und was genutzt werden darf, klar definieren.
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Alternativen anbieten: Auf eine ausgewogene Freizeitgestaltung achten.
Empfehlungen des Internationalen Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen
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Nutzungsdauer:
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7–10 Jahre: max. 45 Minuten pro Tag
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11–13 Jahre: max. 1 Stunde pro Tag
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Ab 14 Jahre: max. 1,5 Stunden pro Tag
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PC im eigenen Zimmer: Ab 12 Jahre erlaubt, Regeln vereinbaren (z. B. nicht nachts spielen)
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Internetzugang: Unter 8 Jahren nicht, ab 8 Jahren nur unter Aufsicht, ab 12 Jahre selbstständig
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Chatten: Nicht unter 8 Jahren, ab 8 Jahren nur kontrolliert, ab 11 Jahren Regeln vereinbaren
Jugendliche – verantwortungsvoller Umgang mit Online-Zeit
Jugendliche können zeitweise problematisches Verhalten zeigen, ohne dass es zur Sucht wird. Entscheidend ist, frühzeitig ins Gespräch zu gehen und klare Grenzen auszuhandeln. Jugendliche erkennen oft selbst, wenn sie ihre zeitliche Begrenzung nicht einhalten können. Dann sollten Lösungen nicht aufgezwungen, sondern positiv verstärkt werden.
Feste Offline-Zeiten
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Bestimme feste Zeiten, zu denen Geräte ausgeschaltet bleiben.
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Verzichte an einigen Tagen zwischen 21:00 Uhr und 7:00 Uhr auf PC und Mobilgeräte.
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Plane an einem Tag pro Woche, z. B. Sonntag, komplett offline zu sein.
Prioritäten setzen – Familie und Freunde
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Vereinbare mit Familie und engen Freunden: Keine Geräte während gemeinsamer Mahlzeiten oder Treffen.
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Lass Dich nicht zu sofortiger Reaktion auf Nachrichten zwingen – auch wenn sie als besonders wichtig markiert sind.
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Kommuniziere, dass es unhöflich ist, ein Gespräch für Nachrichten oder Anrufe zu unterbrechen.
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.