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Einheimische Kräuter

Foto eines Mädchens im Unterricht mit einer Pflanze
Wissen und Bildung
© omgimages - iStockphoto.com
von Jörg Sauer

Einheimische Kräuter waren etwas in Vergessenheit geraten, doch sie erleben seit einiger Zeit eine wahre Renaissance. Die Kräuter habenihren Platz in der Küche oder als häusliches Arzneimittel zurückerobert. Auch auf kleinem Raum findet sich die Möglichkeit, das eine oder andere Kraut anzubauen. Dazu möchte der nachfolgende Beitrag Anregungen geben.

Lesedauer:
3 min

Was sind Kräuter?

Der Begriff Kräuter umfasst sowohl Küchenkräuter als auch Heilkräuter – die Übergänge sind dabei fließend. Entscheidend ist nicht immer, ob eine Pflanze botanisch tatsächlich krautig ist, sondern wie sie genutzt wird.

Heilkräuter verwendet man wegen ihres Gehalts an bestimmten Wirkstoffen, etwa als Tees, Salben oder Badezusätze.
Küchenkräuter liefern frische oder getrocknete Pflanzenteile zum Würzen. Stoffe aus Samen, Rinden oder Früchten zählen dagegen zu den Gewürzen. Manche Pflanzen wechselten im Lauf der Geschichte ihre Nutzung: Ehemalige Heilkräuter gehören heute etwa zu den Genussmitteln (z. B. Kaffee, Tee, Tabak) oder zu den Küchenkräutern.

Blick ins Geschichtsbuch

Die Geschichte der Menschheit ist eng mit Kräutern verknüpft. Bereits in der Epoche der Jäger und Sammler dienten sie als Nahrung, Würzmittel und Heilpflanzen.

FrĂĽhe Quellen

  • Um 3700 v. Chr. entstand in China ein frĂĽhes Heilpflanzenbuch, das Kaiser Shinnong zugeschrieben wird.
  • Der Papyrus Ebers aus dem 16. Jh. v. Chr. enthält umfassende Angaben zu ägyptischen Heilpflanzen.
  • Im 1. Jh. n. Chr. verfasste der griechische Arzt Dioskurides die „Materia Medica“ – ein Werk mit ĂĽber 800 pflanzlichen Beschreibungen und fast 5.000 Anwendungen.
  • Zur gleichen Zeit schrieb Plinius der Ă„ltere in seiner „Naturalis historia“ ebenfalls ĂĽber medizinische Pflanzen.

Mittelalter und Klosterkultur

Mit den Römern und später den Benediktinern gelangte umfangreiches Kräuterwissen nach Mitteleuropa. Berühmt wurden Klostergärten wie St. Gallen oder Reichenau.
Die Landgüterverordnung Karls des Großen (812) schrieb den Anbau von Kräutern und Obstbäumen in königlichen Gärten verbindlich vor.

Besonders einflussreich war Hildegard von Bingen – sie verband antikes Wissen mit Volksmedizin und nutzte erstmals volkstümliche Pflanzennamen. Neben Klöstern spielten auch Apotheker und Kräuterfrauen eine zentrale Rolle beim Pflanzenanbau und beim Sammeln wilder Kräuter.

In der arabischen Welt entstanden bedeutende medizinische Werke, etwa Avicennas „Kanon der Medizin“ (um 1000) und das umfangreiche „Kitab al-gami“ des Arztes Ibn al-Baitar (1190–1248), das rund 1400 Pflanzen beschreibt.
In Europa schuf der Pflanzenkundler Leonhart Fuchs 1543 das bedeutendste deutschsprachige Kräuterbuch seiner Zeit.

Auswahl einheimischer Kräuter

Viele heute gebräuchliche Kräuter stammen ursprünglich aus anderen Regionen, lassen sich aber problemlos im Garten, Kübel oder Balkonkasten kultivieren. Dazu gehören u. a. Gartenkresse, Kapuzinerkresse, Majoran, Basilikum, Zitronenmelisse, Thymian, Oregano, Rosmarin, Salbei, Petersilie, Kerbel, Schnittlauch, Knoblauch oder Lavendel.

Anbau- und Verwendungstipps

Alle beschriebenen Aktivitäten eignen sich gut für die Arbeit mit Kindern und können je nach Alter unterschiedlich umfangreich gestaltet werden. Auch klassen- oder jahrgangsübergreifende Projekte bieten sich an.

Kressetopf

Ein Topf wird mit Erde oder alternativ mit Küchenpapier gefüllt, der Samen gleichmäßig ausgestreut und nicht bedeckt. Der Topf sollte hell stehen und regelmäßig gegossen werden – das Wachstum lässt sich dabei gut beobachten. Die Kresse wird frisch geschnitten. Besonders im Winter lohnt sich das Nachsäen. Ein verzierter Tontopf kann ein schönes Geschenk sein.

Kräutermischungen herstellen

Dazu nutzt man Kräuter, die sich gut trocknen lassen. Mehrjährige Arten sind besonders lohnend, benötigen aber ausreichend Platz sowie gelegentlich ein Einkürzen der Wurzeln. Manche Pflanzen brauchen Winterschutz.

Typische Arbeitsschritte:

  • geeignete Pflanzen auswählen
  • Setzen und Beschriften
  • regelmäßige Pflege
  • Ernte und luftiges Trocknen
  • Blätter oder Triebe verarbeiten und verpacken

Getrocknete Kräuter eignen sich hervorragend für Schulbasare oder Erntedankfeste. Auch frische Sträuße können dekorativ eingesetzt werden.

Frische Kräuter im Garten

Petersilie, Kerbel, Schnittlauch, Kresse oder Kapuzinerkresse lassen sich leicht anbauen. Da Petersilie in der Aussaat manchmal anspruchsvoll ist, empfiehlt sich der Kauf junger Pflanzen. Die Ernte kann frisch genutzt oder als kleine Sträußchen in der Schule angeboten werden. In Salaten oder bei Gesundheitstagen bereichern die Kräuter das Angebot. Unreife Samen der Kapuzinerkresse lassen sich als „Kapernersatz“ in Essig einlegen.

Tipp: Blüten und Blätter der Kapuzinerkresse ergeben farbenfrohe Sträuße, die mehrere Tage halten.

Mischkultur

In Mischkulturen fördern sich bestimmte Pflanzen gegenseitig. Kapuzinerkresse in der Nähe von Rosen oder Kohl wirkt z. B. wie ein Magnet für Blattläuse – was die Kulturpflanzen entlastet.

Kräuterblumenkasten oder Pflanzkübel

Grundsätzlich eignen sich alle genannten Kräuter auch für Balkonkästen oder Kübel. Wichtig sind passende Standortbedingungen sowie ein zuverlässiger Winterschutz, da Gefäße schneller durchfrieren. Eine zeitweise Kultur auf der Fensterbank ermöglicht besonders in der dunklen Jahreszeit schnellen Zugriff auf frische Kräuter.

Quellen und Linktipps

Linktipps

Quellen

  1. (1) http://de.wikipedia.org/wiki/Heilpflanze
  2. (3) http://de.wikipedia.org/wiki/Pedanios_Dioskurides
  3. (4) ebd.
  4. (5) http://de.wikipedia.org/wiki/Hildegard_von_Bingen

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
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Ăśber den Autor/die Autorin
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Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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