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Entdeckungen rund um den Apfel

Foto von Apfel, Strohhut und Buch
Wissen und Bildung
© exclusive-design - fotolia.de
von Jörg Sauer

Ein Apfelbaum bietet im Laufe des Jahreskreises viele schöne Möglichkeiten, seine Veränderungen zu beobachten. Im Frühjahr sind es die leicht duftenden, weiß bis rosafarbenen Blüten, die nicht nur uns in ihren Bann ziehen. Im Herbst sind das natürlich die leckeren Früchte, die im Mittelpunkt dieses Beitrages stehen.

Lesedauer:
4 min

Alte Bäume und ihre Früchte

Besonders eindrucksvoll zeigen sich alte, ehrwürdige Bäume auf Streuobstwiesen. Im Frühjahr faszinieren ihre duftenden weiß‑rosafarbenen Blüten, im Herbst stehen die reifen Früchte im Mittelpunkt. Der Kulturapfel (Malus domestica) aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) blickt dabei auf eine lange Geschichte der Züchtung und Sortenvielfalt zurück.

Blick ins Geschichtsbuch

Die ursprüngliche Heimat des Apfels liegt in Zentral- und Ostasien. Bereits 1.000 v. Chr. wuchsen im Gebiet des heutigen Kasachstans Apfelbäume. Die Stadt Almaty trägt diesen Ursprung bis heute im Namen – „Alma“ bedeutet Apfel, „ata“ Großvater. Auch eine babylonische Schrift aus dem 8. Jh. v. Chr. erwähnt Äpfel als Teil des Heilkräutergartens von König Marduk‑apla‑iddina.

Über Handelswege gelangten asiatische Holzäpfel nach Griechenland und ins Römische Reich, wo man sie weiter züchtete. Dort entstanden Bäume mit süßeren Früchten, die als lebensverlängerndes Heilmittel galten. Die Römer brachten rund 20 Sorten in ihre germanischen Provinzen. Der einheimische Holzapfel wurde nun veredelt, der Anbau verbreitete sich.

Vom Mittelalter bis zur Moderne

812 taucht der Apfel in der Landgüterverordnung Capitulare de villis Karls des Großen auf – mit 16 Obstbäumen, die in königlichen Gärten anzupflanzen waren. Danach pflegten Mönche und Nonnen Obstgärten, später folgten bäuerliche Gärten.

  • Ab dem 18. Jahrhundert entstanden große Obstwiesen in der Landschaft.
  • Obstbäume wurden zudem häufig entlang von Straßen und Wegen gepflanzt.
  • Die hohen Bäume sind heute selten und finden sich vor allem an weniger befahrenen Wegen oder in alten Obstwiesen.

Nach dem Zeitalter der größten Sortenvielfalt im 19. Jahrhundert entstanden Sorten, die sich gut für den Plantagenanbau eignen: lagerfähig, groß, farbstark. Man unterscheidet heute Sommer‑, Herbst‑ und Winteräpfel. Weltweit gibt es über 20.000 Sorten, in Deutschland etwa 1.500, von denen nur rund 60 wirtschaftlich bedeutsam sind.

Teile eines Apfels

Stiel

Über ihn hängt der Apfel am Baum. Eine kleine Korkschicht zwischen Stiel und Zweig löst sich bei reifen Früchten – sie lassen sich leicht abdrehen.

Schale

Die Schale bestimmt die Färbung des Apfels und schützt ihn. Sie sollte vor dem Essen gut gereinigt werden, da Handelsäpfel häufig gespritzt sind. Gleichzeitig enthält sie besonders viele Vitamine.

Fruchtfleisch

Es prägt Aroma und Geschmack – von süß bis sauer, von fest bis mehlig. Enthalten sind Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und Fruchtsäuren.

Kerngehäuse und Kerne

Das Kerngehäuse umfasst fünf Kammern mit den Samen des Apfels. Wer Geduld hat, kann daraus selbst einen Baum ziehen.
Das Gehäuse ist essbar; die geringe Menge an Blausäure ist unbedenklich.

Rest der Blüte

Gegenüber dem Stiel befindet sich der trocken gewordene Blütenrest.

Hinweis: Äpfel reifen nach der Ernte weiter. Für diese Entwicklung („Genussreife“) müssen sie pflückreif sein und das Hormon Ethen bilden – es beeinflusst sogar anderes Obst und Gemüse in der Nähe.

Der Apfel im Bewusstsein der Menschen

Der Apfel steht für Vollkommenheit, Macht, Glück, Liebe, Fruchtbarkeit und Erkenntnis. In Mythen, Religionen und Märchen taucht er in verschiedensten Bedeutungen auf.

Liebesapfel

Der Apfel galt als weibliches Symbol der Erde und war den Göttinnen der Liebe und Fruchtbarkeit zugeordnet. Traditionell pflanzte man zur Geburt eines Mädchens einen Apfelbaum, für Jungen einen Birnbaum.

Apfel des Lebens

Der Spruch „Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern“ verweist auf seine gesundheitliche Bedeutung. In griechischer und nordischer Mythologie versprachen goldene Äpfel ewiges Leben. Auch in der osmanischen Tradition standen sie sinnbildlich für bedeutende, noch zu erobernde Städte. Im Märchen wie „Schneewittchen“ erscheint der Apfel dagegen als Grenzsymbol zwischen Leben und Tod.

Apfel der Versuchung

Die bekannteste Erzählung ist die biblische Geschichte von Adam und Eva. Der Apfel steht hier für Erkenntnis, Sünde und Erlösung.

Reichsapfel

Als kaiserliches Symbol verkörpert er Weltherrschaft und göttliche Ordnung. Das Kreuz über der Kugel zeigt die Unterordnung unter Gott und zugleich die göttliche Legitimation des Herrschers.

Zankapfel

In der griechischen Mythologie wirft Eris aus Ärger über eine Nicht‑Einladung einen goldenen Apfel „für die Schönste“ unter die Göttinnen – der Beginn des trojanischen Krieges.

Unterrichtsanregungen

Ein Apfel eignet sich hervorragend als Einstieg in ein fächerübergreifendes Projekt, besonders in der Erntezeit. Der Beginn kann ein Unterrichtsgespräch mit anschließendem Gang zum Apfelbaum sein. Dabei können Kinder untersuchen:

Beobachtungen am Baum

  • Stamm: Farbe, Beschaffenheit, Länge
  • Äste/Zweige: Farb- und Größenunterschiede
  • Früchte: Geschmack, Anzahl, Farbe, Verteilung

Alternativ bietet sich eine Exkursion zu einem Obstbauern an.

Die Ernte der Äpfel

Sicherheit steht an erster Stelle. Nichts ungewaschen essen, auf Wespen und Bienen achten.

Grundregeln

  • Nicht auf Bäume klettern – Bruchgefahr.
  • Leitern nur auf festem Untergrund und mit Aufsicht verwenden.
  • Erntekörbe sicher befestigen und mit einem Seil ablassen.
  • Nie allein ernten.
  • Jüngere Kinder ernten nur bodennahe Äpfel.
  • Gemeinsames Probieren erst nach dem Abklären von Allergien.

Aufbereitung der Ernte

Tests und Verarbeitung

  • Durchführung verschiedener Untersuchungen
  • Zubereitung von:
    • Apfelmus
    • Apfelringen
    • Obstsalat
    • Apfelschalentee
    • Apfelkompott
    • Bratapfel (im Winter besonders beliebt)

Geduldige Kinder können aus Apfelkernen eine Kette basteln.

Tipp: Märchen mit Apfelnutzung eignen sich für eine fächerübergreifende Vertiefung. Die Kinder können zudem erkunden, welche Bedeutung der Apfel seit jeher hat und ihre Ergebnisse in Collagen darstellen.

Linktipps und Quellen

Linktipps

Quellen

(1) http://www.planet-wissen.de/natur_technik/apfelbluetenland/aepfel/
(2) http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturapfel
(3) ebd.
(4) ebd.
(5) ebd.
(6) http://www.streuobstinitiative-hersbruck.de/geschichte.html
(7) ebd.
(8) http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturapfel#Beschreibung
(9) http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturapfel
(10) ebd.
(11) ebd.
(12) ebd.

Zuletzt geändert am 19.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto des lernando-Autors Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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