Über den Autor/die Autorin

Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Sein Anliegen ist es, den Unterricht möglichst umweltnah und praxisorientiert zu gestalten. Ihm ist es wichtig, Schülerinnen und Schülern mit pädagogischer Begleitung möglichst früh ihrem Alter entsprechende Eigenverantwortung zu übertragen, um ihre Freude am Lernen zu wecken und soziale Kompetenzen zu stärken. Dabei sollte der Blick auf die so genannten kleinen Dinge nicht vergessen werden. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

Entdeckungen rund um den Apfel

von Jörg Sauer



© exclusive-design - fotolia.de
Ein Apfelbaum bietet im Laufe des Jahreskreises viele schöne Möglichkeiten, seine Veränderungen zu beobachten. In besonderem Maße trifft es auf alte, ehrwürdige Bäume zu, die auf einer Streuobstwiese stehen. Im Frühjahr sind es die leicht duftenden, weiß bis rosafarbenen Blüten, die nicht nur uns in ihren Bann ziehen. Im Herbst sind das natürlich die leckeren Früchte, die im Mittelpunkt dieses Beitrages stehen.

Der Kulturapfel (Malus domestica) aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae) hat mit seiner Sortenvielfalt einen langen Weg der Züchtung zurückgelegt. Daher lohnt sich ein:


Blick ins Geschichtsbuch


Die ursprüngliche Heimat des Apfels ist der zentrale und ostasiatische Raum. Bereits etwa: „ 1.000 v. Chr. wuchsen auf dem Gebiet des heutigen Kasachstans Äpfel.“ (1) Diese Frucht gab der heute größten kasachischen Stadt Almaty ihren Namen. Von 1921 bis 1993 hieß sie Alma – Ata. „Alma“ bedeutet „Apfel“, „ata“ steht für „Großvater“. Eine: „ alte babylonische Schrift aus dem achten vorchristlichen Jahrhundert…“(2) erwähnt die Pflanzen. Sie waren Bestandteil des: „Heilkräutergartens des Königs Marduk-apla-iddina. (3) Vermutlich kamen viele der urwüchsigen kleinen und sauren asiatischen Holzäpfel über Handelswege bis ins antike Griechenland bzw. Römische Reich. Dort wurden die Äpfel weiter gezüchtet, so dass Bäume mit süßen Früchten entstanden. Sie galten: „als lebensverlängertes Heilmittel“ (4). Die Römer brachten: … 20 verschiedene Apfelsorten…(5) mit in ihre germanischen Provinzen. Dort kannte man bislang nur den einheimischen Holzapfel. Den Anbau und die Technik des Veredelns lernten die Germanen von den Römern. Erste schriftliche Erwähnung über den Anbau und die Nutzung fand der Apfel in der von Karl dem Großen (747 oder 748 bis 814) in Auftrag gegebenen berühmten Verordnung Capitulare de villis vel curtis imperii. Die im Jahre 812 erlassene Landgüterverordnung umfasst neben Vorschriften zum Weinbau, zum Kräuteranbau, zur Zucht von Haus- und Herdenvieh, zur Dreifelderwirtschaft auch den Obstanbau. So sind 16 Obstbäume vermerkt, die es galt, in den königlichen Gärten anzupflanzen. In der darauf folgenden Zeit sorgten zunächst die Mönche und Nonnen für den Anbau in ihren Klostergärten. Die Bauern taten es diesem Vorbild nach und pflanzten Apfelbäume in ihre Gärten. Ab dem 18. Jahrhundert: „… entstanden zunehmend Obstwiesen in der freien Landschaft…“(6) weiterhin pflanzte man sehr häufig Obstbäume an den Rand von Wegen und Straßen. Diese hohen Bäume findet man heute nur noch selten. Meist stehen solche an nicht so bedeutenden Straßen, in privaten Gärten oder alten Obstwiesen. Nach dem Zeitalter der: „… größten Sortenvielfalt im19. Jahrhundert….“(7) wurden Sorten gezüchtet, die man gut in Plantagen bearbeiten kann. Wichtige Kriterien sind neben dem Geschmack auch die Lagerfähigkeit, Größe und Farbe. So unterscheidet man auch nach Sommer-, Herbst- und Winterapfel. Weltweit schätzt man die Anzahl der Sorten auf über 20.000. In Deutschland sind es etwa: „… 1.500 Sorten, von denen aber lediglich 60 wirtschaftlich bedeutend sind.“ (8)

Teile eines Apfels


  • Stiel

  • - Mit diesem hängt der Apfel am Baum. Reife Früchte lassen sich durch eine leichte Drehung mit Stiel vom Baum pflücken. Das wird durch die Bildung einer kleinen Korkschicht zwischen Baum und Stiel ermöglicht.

  • Schale

  • - An dieser erkennt man die Färbung des Apfels. Sie ist sein äußerer Schutz.
    - Die Schale sollte man, besonders bei den handelsüblichen Früchten, vor dem Verzehr gründlich säubern. Oftmals sind die Äpfel gespritzt, um sie vor Schädlingen zu schützen.
    - Die Schale enthält besonders viele Vitamine und kann bei frischen Äpfeln mit gegessen werden.

  • Fruchtfleisch

  • - Dieses ist entscheidend für das Aroma und den Geschmack eines Apfels. Je nach Sorte kann man es von süß bis sauer bzw. von sehr fest über saftig bis hin zu mehlig unterscheiden.
    - Das Fruchtfleisch enthält neben Vitaminen, Mineralstoffen, zahlreichen Spurenelementen auch Fruchtsäuren.

  • Kerngehäuse und Kerne

  • - Dieses besteht aus fünf kleinen Kammern. Sie sind durch pergamentähnliche „Wände“ voneinander getrennt. In den Kammern befinden sich die Kerne. Sie sind der Samen des Apfels. Mit viel Geduld kann man sich selbst einen Baum aus ihnen ziehen. Eine ausführliche Anleitung finden Sie hier:

    » http://de.wikihow.com/Einen-Apfelbaum-pflanzen

    - Das Kerngehäuse mit seinen Kernen kann man mitessen, auch wenn damit Blausäure aufgenommen wird. Die ist aber bei dem Genuss von wenigen ganzen Äpfeln unbedenklich. Wer das nicht mag, der lässt es einfach übrig bzw. sticht es mittels eines Apfelstechers heraus.

  • Rest der Blüte

- Der abgetrocknete Rest der Blüte befindet sich gegenüber dem Stiel.

Hinweis: Äpfel reifen nach der Ernte weiter. Damit dieser Prozess ablaufen kann, müssen sie eine gewisse Reife haben. Man spricht von der Pflückreife. Die Früchte produzieren das Pflanzenhormon Ethen und geben es nach außen ab. Sie beeinflussen mit diesem auch anderes Obst und Gemüse. Während der Lagerung entwickeln sich die Früchte weiter bis zur Genussreife.

Weitere Informationen finden Sie, wenn Sie dem folgenden Link folgen:

» http://www.garten-portal.org/klimakterische-fruechte/

Der Apfel im Bewusstsein der Menschen – Mythologie, Brauchtum, Geschichten….


Die Frucht symbolisiert die Vollkommenheit wie kaum eine andere. Der Apfel steht stellvertretend u.a. für Macht, Glück, Liebe, Fruchtbarkeit und Erkenntnis. Er kommt in zahlreichen Sagen, Erzählungen und Märchen vor. Einige der Bedeutungen werden nachfolgend näher erläutert.

  • Liebesapfel

  • - Der Apfel: „… als uraltes Symbol der Erde…“(9) ist weiblich und wurde den: „…Göttinnen der Liebe, Sexualität und der Fruchtbarkeit zugeordnet.“ (10) Bei der Geburt eines Mädchens pflanzte man deshalb einen Apfelbaum. Bei der Ankunft eines Sohnes setzte man einen Birnbaum in den Boden.

  • Apfel des Lebens

  • - Der aus dem englischen kommende sinngemäße Spruch: „Iss täglich einen Apfel und du brauchst keinen Arzt“ weist auf die Bedeutung der Frucht für das Leben hin.
    - In der griechischen Mythologie und in der nordischen Sage ist von goldenen Äpfeln die Rede, die ewige Jugend bzw. ewiges Leben versprechen. In der osmanischen Tradition verstand man unter goldenen Äpfeln die vier noch nicht eroberten christlichen Hauptstädte (Konstantinopel, Buda, Wien und Rom).
    - Auch bei der Wahl des „richtigen“ Ehepartners bemühte man den goldenen Apfel. Den galt es zu zahlen, wenn man ihn gewinnen wollte.
    - Doch der Apfel als Symbol des Lebens trägt auch den Tod mit sich, wie es sinnbildlich im Märchen „Schneewittchen“ geschieht.

  • Apfel der Versuchung

  • - In der Bibel wird wohl die bekannteste Geschichte vom Apfel erzählt, als Adam und Eva unerlaubterweise vom Baum der Erkenntnis essen. Sie wollten Gott gleich werden. Deshalb erfolgte ihre Vertreibung aus dem Paradies. Der Apfel ist dessen Sinnbild. Gleichzeitig wird die Spanne von der Unschuld bis zum Verlust gezogen. Er stellt: „In der christlichen Ikonographie …. den gesamten Themenkomplex von Sünde und der Erlösung“ dar. (11)
    - In einigen Sagen sowie Märchen spielt der Apfel bei der Meinungsfindung der Menschen eine wichtige Rolle: Ist der eigene Vorteil wichtiger oder ist es mein geliebter Partner. (z. B. Wilhelm Tell, Eisenhans)

  • Reichsapfel

  • - Er ist das Symbol des Besitzanspruches des Kaisertums im Mittelalter in der Form einer Weltkugel. Mitunter füllte man ihn zum Zeichen der irdischen Vergänglichkeit mit Asche oder Sand. Der Reichsapfel ist in ein christliches Kreuz gefasst. as bedeutet zum einen die Unterordnung unter eine höhere göttliche Macht und zum anderen die Übertragung dieser auf den Kaiser. Das Zepter stellt die Verfügungsgewalt dar.

  • Zankapfel

- Er steht sinnbildlich für Auseinandersetzungen und geht in der griechischen Mythologie auf Eris, die Göttin des Streits und der Zwietracht zurück. So war sie als die einzige der olympischen Götter nicht zu der Hochzeit von der Meernymphe Thetis mit dem König von Pythia eingeladen. „Aus Rache wirft sie einen Apfel mit der Aufschrift „der Schönsten” unter die Göttinnen, um Zank und Streit hervorzurufen.“ (12) Dieser brach aus, so dass Göttervater Zeus ein Machtwort sprechen musste. Er beauftragte den trojanischen Königssohn Paris mit der Wahl. Er entschied sich für die Liebesgöttin Aphrodite. In der weiteren Folge führt dies zum trojanischen Krieg.

Unterrichtsanregungen


Grundsätzlich kann immer mit einem Apfelprojekt begonnen werden. Der wohl geeignetste ist dennoch die Zeit der Ernte. Eine kleine Auswahl der Möglichkeiten bei den Erkundungen rund um den Apfel stelle ich im Folgenden vor. Je nach dem Entwicklungsstand der Kinder ist es möglich, bereits in der Klasse 3 bzw. 4 mit dieser Arbeit zu beginnen.

Einstieg Nach einem einführenden Unterrichtsgespräch bietet sich dafür ein Gang zu einem Apfelbaum an. Ideal ist es, wenn im eigenen Schulgelände Apfelbäume stehen. Zunächst sollte einer ausgewählt werden, der in seinem Umfeld auf die Kinder wirken soll. Anschließend finden Betrachtungen statt:
  • zum Stamm (Farbe, Beschaffenheit, Länge,…),

  • zu den Ästen und Zweige (Farbe, Größe,…) und

  • zu den Früchten (Geschmack, Menge, Farbe, Verteilung im Baum,…).


Alternativ ist als Einstieg auch eine Exkursion zu einem Obstbauern möglich.

Die Ernte der Äpfel
  • Es gilt die wichtigste Regel: Sicherheit zuerst! Weiterhin sollte nichts ungewaschen gegessen werden. Besonders bei reifen Früchten muss auf Wespen und Bienen geachtet werden.

  • Nicht auf die Bäume klettern, denn Äste können brechen.

  • Wenn notwendig, muss eine stabile Leiter zum Einsatz kommen. Beim Aufstellen dieser ist auf einen festen Untergrund zu achten und eine gute Anlegemöglichkeit im Baum zu achten. Die Hilfe des Lehrenden oder anderer Erwachsener ist nötig.

  • Beim Ernten von der Leiter aus wird der Erntekorb mittels Fleischerhaken gut erreichbar an einen stabileren Ast in den Baum gehängt.

  • Den zu etwa zu 2/3 gefüllten Korb an einem stabilen Seil herablassen, ein Helfer leert diesen am Boden.

  • Es sollte niemals allein geerntet werden.

  • Kleinere Kinder sollten nur die Äpfel ernten, welche vom Boden aus erreichbar sind.

Tipp: Nach der Ernte werden einige Äpfel gesäubert und gemeinsam mit den Kindern gegessen. Im Vorfeld muss der Lehrende abklären, ob Allergien bestehen.

Aufbereitung des Erntegutes

Diese Produkte könnten Sie interessieren