Jugendliche Schreibtalente
Jugendliche Schreibtalente
Jugendliche werden gerne als Computer-Freaks und Smartphone-Junkies gesehen, die um Bücher und alles Geschriebene einen großen Bogen machen. Das trifft sicher auf manche junge Menschen zu, aber auch nicht jeder Erwachsene setzt sich abends hin und schreibt an einem Roman, einer Kurzgeschichte oder Tagebuch.
Jugendliche schreiben – und das nicht nur heimlich im stillen Kämmerlein
Oft heißt es, Jugendliche seien Computer‑Freaks, die nur am Smartphone hängen und kaum noch Bücher oder Texte lesen. Aber: Schreiben tun sie sehr wohl – und häufig sogar mehr als viele Erwachsene.
Eine britische Studie zeigt:
- Fast die Hälfte der Jugendlichen schreibt mindestens einmal im Monat eine Kurzgeschichte.
- Ein Drittel schreibt Gedichte.
Und ein Blick in die digitale Welt bestätigt das:
Plattformen wie Fanfiction.net, Wattpad oder AO3 sind voll von Texten junger Autorinnen und Autoren, die Lieblingsfiguren neue Abenteuer erleben lassen.
Auch der große Zuspruch bei Poetry Slams zeigt: Jugendliche suchen Orte, an denen sie ihre Texte teilen und Feedback bekommen können.
Doch anders als im Sport oder in der Musik fehlt es im Bereich Schreibförderung an systematischen Angeboten. Das zweite und dritte Kapitel zeigen, warum Unterstützung schwer zu finden ist – und wo es sie dennoch gibt.
Warum Unterstützung für junge Schreibende so schwer ist
Während jede Stadt über Sportvereine und Musikschulen verfügt, sieht es bei der Schreibförderung völlig anders aus. Orte, an denen junge Menschen professionell schreiben lernen können, sind selten.
Typische Probleme:
- In Schulen gibt es kaum Schreib‑AGs, außer Schülerzeitungsredaktionen.
- Stadtbibliotheken bieten selten kontinuierliche Schreibgruppen an.
- Jugendliche werden oft auf die Schule verwiesen – dort aber stehen Lehrpläne und Prüfungsformate im Mittelpunkt.
- Kreative Texte passen oft nicht in den Unterrichtsrahmen.
- Schreiben ist häufig mit Bewertung verbunden – nicht mit Freude.
Viele Schriftsteller berichten, dass sie als Jugendliche vergeblich nach Förderung suchten. Heute erreichen sie häufig E-Mails schreibbegeisterter Jugendlicher, die Unterstützung suchen – ein Zeichen dafür, wie groß das Bedürfnis ist.
Im Deutschunterricht bleibt für kreatives Schreiben wenig Raum, da Grammatik, Textformen und Prüfungsanforderungen dominieren. Während im Sport Techniken vermittelt werden, bekommen junge Schreibende selten Hinweise, wie sie ihre eigene Schreibstimme ausbilden können.
Trotzdem gibt es Projekte, die Hoffnung machen.
Projekte und Initiativen zur Schreibförderung
Auch wenn es keine flächendeckende Förderung gibt, entstehen immer wieder Initiativen, die jungen Autorinnen und Autoren Raum geben. Hier eine Auswahl:
FAZ – „Jugend schreibt“
Jährlich sucht die Frankfurter Allgemeine Zeitung junge Menschen, die journalistisch arbeiten möchten.
→ Texte erscheinen in der Mittwochsausgabe, inklusive professioneller Rückmeldungen.
Zeitungen vor Ort
Viele Lokalzeitungen bieten Projekte wie
- „ZEUS“ (Zeitung in der Schule)
- „Zisch“
oder veröffentlichen Beiträge talentierter Jugendlicher.
Verein „Kreatives Schreiben e. V.“ (Berlin)
Organisiert Workshops für Jugendliche und hilft beim Ausbau ihrer Fähigkeiten.
Literatopia – Skriptorium
https://www.literatopia.de
Eine privat entwickelte Plattform für Schreibende – besonders im Fantasy‑Bereich.
Initiative Schreibende Schüler e. V. (Berlin/Brandenburg)
Verleiht jährlich den Theo‑Literaturpreis für junge Autorinnen und Autoren.
Abgeschlossene Projekte
- Ein gemeinsamer Krimi aus sechs Ruhrgebietsstädten
- Ein Jugend‑Reiseführer zum Spreewald
Sie zeigen: Chancen entstehen oft spontan – ein wachsames Auge lohnt sich.
Links & Literatur
Links
- Archiv von Kindertexten der Universität Halle-Wittenberg
- Jugendliche schreiben so viel wie nie
- Statistik zu den Schreibgewohnheiten britischer Jugendlicher
- Online-Plattform für selbstgeschriebene Texte von Kindern und Jugendlichen
Literatur
- Andrea Behnke: Autobiografisches Schreiben kreativ. Mit vielfältigen Methoden Schreibprozesse anregen. Auer 2013
- Henning Boetius/Christa Hein: Die ganze Welt in einem Satz. Sprach- und Schreibwerkstatt für junge Dichter. Beltz & Gelberg 2010
- Astrid Krömer: Was sagt der Tiger? Autorenhaus 2006
- Bernard Selling: Schreiben wie der Schnabel wächst. Kreatives Schreiben für kleine und große Kinder. Aurum 1996
Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.