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Charakterbildung

Nahaufnahme einer gruppe Kinder
Entwicklung und Erziehung
Foto: © pressmaster - Fotolia.de
von Christine Kammerer

Ein "guter Charakter" wird gemeinhin als fundamentale Grundlage für ein gutes und glückliches Leben verstanden, doch über das, was denn nun eigentlich den Charakter ausmacht und wie man ihn angemessen fördern und formen kann, wird bis heute in verschiedenen Wissenschaftszweigen kontrovers diskutiert.

Lesedauer:
4 min

Charakterbildung – Grundlagen und Förderung der Persönlichkeit

Schon die antiken Philosophen beschäftigten sich mit den Ausprägungen des menschlichen Charakters und den Möglichkeiten seiner Ausbildung und Formung. Mit der Aufklärung etablierte sich die Charakterbildung auch im Bereich der Pädagogik und prägt noch heute die Diskussion über eine gelungene Erziehung.

Ein „guter Charakter“ gilt als fundamentale Grundlage für ein glückliches und erfolgreiches Leben, doch über die genaue Ausprägung und die besten Methoden der Förderung besteht weiterhin wissenschaftliche Debatte.


Was ist Charakter?

Der Begriff „Charakter“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Prägung“.
Er umfasst alle Eigenarten und Kompetenzen, die es Menschen ermöglichen, moralisch verantwortliches Verhalten zu zeigen.

Aristoteles zählt unter den klassischen Charaktertugenden:

  • Mut

  • Besonnenheit

  • Gerechtigkeit

  • Großzügigkeit

  • Wahrhaftigkeit

Diese Eigenschaften sind zwar im Menschen angelegt, entfalten sich aber nicht automatisch, sondern müssen geübt und kultiviert werden.


Moderne Perspektive auf Charakter und Persönlichkeit

Heutige Vorstellungen gehen über Aristoteles hinaus. Von einer reifen Persönlichkeit erwarten wir:

  • Fairness

  • Einfühlungsvermögen

  • Toleranz

  • Disziplin

  • Zivilcourage

  • Verantwortungsbewusstsein

  • Respekt

Ziel der Charakterbildung:

  • Individuum: Förderung einer glücklichen und gelingenden Lebensführung

  • Gesellschaft: Vermittlung allgemein anerkannter Werte


Charakter ist formbar – Förderung von klein auf

Fast alle pädagogischen Ansätze stimmen überein: Charakter kann geformt werden.
Frühkindliche Förderung ist entscheidend, aber auch lebenslanges Lernen möglich.

  • Jean-Jacques Rousseau betont, dass Verstand nicht alleinige Priorität in der Erziehung haben darf

  • Humanistischer Ansatz: Entwicklung der ganzen Persönlichkeit über reines Faktenwissen hinaus

Tabelle: Charakterbildung im Lebensverlauf

Lebensphase Fokus der Charakterbildung Ziel
Frühe Kindheit Grundlegende Tugenden, Empathie, Selbstkontrolle Fundament für soziale Kompetenz und moralisches Handeln
Grundschule Übung in Fairness, Teamarbeit, Verantwortung Soziale Kompetenzen stärken, selbstständiges Handeln fördern
Jugend / Pubertät Zivilcourage, kritisches Denken, Disziplin Persönliche Wertebildung, Konfliktlösung, Selbstreflexion
Erwachsenenalter Lebenslanges Lernen, Selbstentwicklung Reife Persönlichkeit, Resilienz, emotionale Stabilität

Charakter, soziale Kompetenz und emotionale Intelligenz

Die moderne Forschung betont zunehmend Soft Skills über rein kognitive Fähigkeiten.

Wichtige Fähigkeiten:

  • Emotionale Intelligenz: Vertrauen, Resilienz, Selbstmotivation

  • Soziale Kompetenz: Gelungene Interaktionen, Aufrechterhalten von Beziehungen

Nutzen für die Persönlichkeitsentwicklung:

  • Stärkung von Empathie und Selbstkontrolle

  • Förderung erfolgreicher zwischenmenschlicher Beziehungen

  • Entwicklung einer starken, belastbaren Persönlichkeit


Bildungssystem und Charakterbildung

Aktuelle Reformen zielen oft auf wirtschaftliche Verwertbarkeit und kognitive Leistung.
Charakterbildung und humanistische Wertevermittlung geraten dabei häufig ins Hintertreffen.

Neue Erkenntnis:

  • Reine Wissensvermittlung reicht nicht

  • Charakterliche Stärke, emotionale und soziale Kompetenz sind entscheidend für Erfolg und Lebensglück


Fazit – ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung

Charakterbildung ist kein Nebenaspekt, sondern zentral für ein erfülltes Leben.
Sie beginnt in der frühen Kindheit, sollte aber lebenslang fortgeführt werden.

Empfehlungen für Eltern, Pädagogen und Bildungseinrichtungen:

  • Frühe Förderung von Tugenden und sozialen Fähigkeiten

  • Integration von emotionaler Intelligenz in Lehrpläne

  • Praxisnahe Lern- und Übungsangebote zur Entwicklung von Empathie und Verantwortungsbewusstsein


Weiterführende Links & Literatur

  • Julian Nida-Rümelin: Charakterbildung kommt zu kurz. Philosophie einer humanen Bildung, Deutschlandradio Kultur

  • Gatterburg, Angela und Andresen, Karen: Man muss den Charakter bilden, Spiegel Online

 

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Themen:
Charakter
Erziehung
Respekt
emotionale Intelligenz
Persönlichkeit
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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