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Gedenkstättenarbeit mit Kindern und Jugendlichen

Foto eines Soldatenfriedhofes
Wissen und Bildung
© Piotr Wawrzyniuk - Fotolia.de
von Dr. Lisa Mundzeck

Gedenkstätten eignen sich besonders gut, um auch Kindern und Jugendlichen einen Eindruck in die Geschichte der Ereignisse zu bieten, für die sie stehen.

Lesedauer:
4 min

Gedenkstätten als Zeugen der Vergangenheit

Gedenkstätten sind Orte der Erinnerung, der Mahnung und der historischen Bildung. Ob Konzentrationslager, Gefängnisse, Massengräber oder Friedhöfe – sie zeigen reale Schauplätze des Leidens, der Verfolgung und der Gewalt. Ihre Authentizität macht Geschichte dort spürbar und gibt Opfern eine Stimme.
Dauerausstellungen, Dokumente und FundstĂĽcke vermitteln ein eindrĂĽckliches Bild der Ereignisse vor Ort.

Besonders für Kinder und Jugendliche sind Gedenkstätten bedeutende Lernorte: Sie ermöglichen konkrete Begegnungen mit Geschichte – erfordern aber gleichzeitig einen sensiblen Umgang, da die Konfrontation mit den Verbrechen der Vergangenheit emotional belastend sein kann.

In Deutschland eignen sich insbesondere Gedenkstätten zum Nationalsozialismus sowie zur DDR-Geschichte, um jungen Menschen historische Zusammenhänge anschaulich nahe zu bringen.


Beispiel: Gedenkstätte Bergen-Belsen

Geschichte des Ortes

Die Gedenkstätte Bergen-Belsen erinnert an das dortige Kriegsgefangenen- und Konzentrationslager, in dem während der NS-Zeit rund 20.000 Kriegsgefangene und etwa 50.000 KZ-Häftlinge starben.

Wichtige historische Eckpunkte:

  • 1930er Jahre: Bau eines TruppenĂĽbungsplatzes durch die Wehrmacht
  • 1940: Nutzung der Baracken als Kriegsgefangenenlager fĂĽr belgische und französische Soldaten
  • 1941: Unterbringung von 20.000 sowjetischen Gefangenen ohne ausreichende Versorgung – viele sterben an Kälte und Entkräftung
  • 1943: Einrichtung eines „Austauschlagers“ fĂĽr JĂĽdinnen und Juden
  • 1944–45: Evakuierung anderer Konzentrationslager nach Bergen-Belsen → massive ĂśberfĂĽllung, Hunger, Krankheiten, Winterkälte
  • 15. April 1945: Befreiung durch britische Truppen
  • Nach 1945: Lagerbrand wegen Seuchengefahr, Massengräber fĂĽr die Opfer
  • 1945–1950: Displaced-Persons-Camp auf dem Gelände der ehemaligen Kasernen

Auch nach der Befreiung starben rund 14.000 Menschen an den Folgen der Haft.


Entstehung der Gedenkstätte

  • 1946: Errichtung eines jĂĽdischen Mahnmals als Grundstein der Gedenkstätte
  • 1946: Einweihung des sowjetischen Mahnmals
  • 1947: Obelisk und Inschriftenwand auf Veranlassung der britischen Militärregierung
  • 1966: Eröffnung des ersten Dokumentenhauses
  • 2008: Neues Ausstellungsgebäude
  • Bis heute: Regelmäßige Neugestaltungen des AuĂźengeländes

Da die Baracken nach der Befreiung aus hygienischen Gründen abgebrannt wurden, sind heute nur noch Grundmauern sichtbar – teilweise freigelegt durch internationale Jugendworkcamps.

Zahlreiche Massengräber prägen das Gelände.


Bergen-Belsen als auĂźerschulischer Lernort

Die Gedenkstätte bietet vielfältige pädagogische Programme:

Internationale Jugendworkcamps

  • Freilegung von Fundamenten
  • Zeitzeugengespräche
  • Gestaltung neuer Erinnerungsorte

Studientage für Klassen 9–13

Beispielthemen:

  • „Kinder und Jugendliche im KZ Bergen-Belsen“
  • „Anne Frank – auf der Spur eines Mädchens“
  • „Sowjetische Kriegsgefangene in Bergen-Belsen“

Deutsch-Israelische Jugendbegegnung

Seit 2008 unter dem Motto
„Unsere Vergangenheit – unsere Zukunft“

FSJ Kultur

Junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren können ein Freiwilliges Soziales Jahr Kultur in der Gedenkstätte absolvieren.

FĂĽhrungen

Sowohl für Einzelbesucher als auch für Schulklassen – über das Gelände und durch das Dokumentationszentrum.

Das Beispiel Bergen-Belsen zeigt stellvertretend, welche intensive Bildungsarbeit Gedenkstätten leisten. Ähnliche Programme gibt es u. a. in Buchenwald, Mittelbau-Dora oder Berlin-Hohenschönhausen.


Weitere Gedenkstätten – Linktipps

Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

Zentrale Untersuchungshaftanstalt der DDR-Staatssicherheit
→ Pädagogische Arbeitsstelle mit qualifizierter Betreuung
https://www.stiftung-hsh.de

Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora

  • GruppenfĂĽhrungen
  • Tagesprogramme
  • Jugendbegegnungsstätte in ehemaligen SS-Kasernen
  • Umfangreiche pädagogische Materialien
    https://www.buchenwald.de

Zuletzt geändert am 13.02.2026

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Themen:
Konzentrationslager
Gedenkstätten
Geschichte
Nationalsozialismus
Vergangenheitsbewältigung
Mahnmal
Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Lisa Mundzeck

Dr. Lisa Mundzeck ist promovierte Historikerin und arbeitet als freie Online-Journalistin, wissenschaftliche Autorin und Archivarin in Hannover.

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