Diabetes-Kinder in der Schule
Diabetes-Kinder in der Schule
Hier erfahren Sie wertvolle Tipps und interessante Infos zum Thema Diabetes und dazu, wie Sie mit betroffenen Schülerinnen und Schülern im Notfall umgehen müssen.
Diabetes-Kinder – ein Leben mit Insulin und Schokolade
Viele Menschen verbinden mit „Diabetes“ sofort Mitleid oder Unsicherheit. Besonders Kinder mit Typ‑1‑Diabetes sorgen bei Pädagoginnen und Pädagogen oft für Ratlosigkeit:
Dürfen sie Süßigkeiten essen? Muss ich eventuell Insulin spritzen?
Dieser Text soll genau diese Unsicherheit nehmen. Denn am besten hilft man Diabetes‑Kindern, wenn man sie im Alltag so normal wie möglich behandelt.
Was bedeutet Diabetes eigentlich?
Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper Insulin nicht ausreichend produziert oder nicht richtig verwertet.
Man unterscheidet zwei Typen:
Typ 1 Diabetes
- betrifft meist Kinder und Jugendliche
- Ursache: Körper produziert kein oder kaum Insulin
- Kohlenhydrate können nicht ausreichend verwertet werden
- Folge: Blutzucker steigt
- Behandlung: lebenslang Insulin spritzen
- ca. 10 % aller Diabetiker gehören zu Typ 1
Typ 2 Diabetes
- früher „Altersdiabetes“ genannt
- heute zunehmend auch bei Kindern
- Ursache: Insulinresistenz (Insulin wirkt nicht mehr richtig)
- begünstigt durch Übergewicht, Bewegungsmangel, genetische Faktoren
- Behandlung: häufig Tabletten, Ernährung und Bewegung
Dürfen Diabetes-Kinder Süßigkeiten essen?
Ja – aber in Maßen.
Für Typ‑1‑Kinder gelten keine grundlegend anderen Essregeln, solange sie sich ohnehin ausgewogen ernähren.
Wichtig ist das Verhältnis von:
- Insulin
- geplanten Aktivitäten
- gegessenen Kohlenhydraten
Kohlenhydrate werden in Broteinheiten (BE) umgerechnet:
1 BE = ca. 10–12 g Kohlenhydrate
Kinder und Eltern werden geschult, damit sie:
- Insulinmengen richtig einschätzen
- Symptome erkennen
- selbstständig gegensteuern können
Unterzuckerung (Hypoglykämie) – wichtige Warnzeichen
Eine Unterzuckerung entsteht z. B. durch:
- zu wenig Essen
- zu viel Bewegung
- zu viel Insulin
Typische Symptome sind:
- Schwitzen
- Blässe
- Zittern
- Müdigkeit / Unaufmerksamkeit
- Schwindel
Maßnahmen: sofort Traubenzucker, Saft oder Limonade geben.
Nach 5–10 Minuten geht es den meisten Kindern wieder gut.
Eine Überzuckerung ist weniger gefährlich, kann aber zu Konzentrationsproblemen führen.
Diabetes-Kinder im Schulalltag
Grundsätzlich sind Diabetes-Kinder genauso belastbar wie andere – auch im Sportunterricht.
Es gibt jedoch einige wichtige Punkte:
Sie müssen jederzeit dürfen:
- essen
- trinken
- zur Toilette gehen
- Blutzucker messen
- ggf. Insulin spritzen
Vor dem Sportunterricht: Blutzucker messen!
Diese Ausnahmen sollten der Klasse erklärt werden, damit kein Unmut entsteht.
Besondere Situationen & Notfälle
1. Unterzuckerung
Sofort etwas Zuckerhaltiges geben:
- Traubenzucker
- Saft
- Cola / Limonade
Immer selbst ein kleines Notfallpäckchen Traubenzucker dabeihaben!
2. Beim Krankwerden
Wenn Kinder erbrechen oder nichts bei sich behalten:
- sofort Eltern kontaktieren
- vorher klären: Wen rufen wir an? Hausarzt? Diabetes-Team? Notdienst?
3. Klassenfahrten / Ausflüge
- ältere Kinder können meist selbst spritzen
- bei jüngeren ggf. Begleitung durch Eltern
- klare Absprachen zwischen Lehrkräften, Eltern und Kind
4. Schwere Hypoglykämie mit Bewusstlosigkeit
- Notruf wählen
- stabile Seitenlage
- Kind nicht alleine lassen
- nichts einflößen (Erstickungsgefahr!)
Links & Literatur
Links
- Seite für Diabetiker mit Foren und Informationen:
http://www.diabsite.de/themen/kinder/index.html - Seite für Diabetes-Kinder mit Austauschmöglichkeit für Betroffene Kinder und Jugendliche und Hintergrundinformationen:
http://www.diabetes-kids.de
Literatur
- Peter Hürter, Karin Lange: Kinder und Jugendliche mit Diabetes. Medizinischer und psychologischer Ratgeber.
Berlin: Springer Verlag 2004 - Ratgeber für Eltern von Diabetes-Kindern - Wolfgang Hecker, Bela Bartus: Diabetes bei Kindern. Der große TRIAS-Ratgeber. Alles Wissenswerte für Sie und Ihre Familie.
Stuttgart: Karl F. Haug Fachbuchverlag 2002 - Handbuch zur Diabetes von Kindern
Zuletzt geändert am 13.02.2026
Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.