Suchtprävention
Suchtprävention
Suchtvorbeugung ist kein neues Thema, was jedoch als Drogenvorbeugung mit abschreckenden Filmen von Raucherbeinen begann ist zu einer Förderung der Lebenskompetenzen geworden, die nicht nur vor Sucht schützt, sondern hilft, das Leben und sein Auf und Ab zu meistern.
Stärkung der Persönlichkeit statt Abschreckung – moderne Suchtprävention
Suchtprävention ist längst mehr als das Zeigen abschreckender Filme oder das Warnen vor Raucherbeinen. Was früher reine Drogenvorbeugung war, hat sich zu einem umfassenden Konzept der Lebenskompetenzförderung entwickelt. Ziel ist nicht nur der Schutz vor Suchtmitteln, sondern die Stärkung der Persönlichkeit – damit Kinder und Jugendliche das Auf und Ab des Lebens selbstbewusst meistern können.
Heute beginnt Suchtprävention bereits im Kindergarten. Sie soll Kinder dazu befähigen, sich bewusst und unabhängig zu entscheiden – nicht aus Angst, sondern aus innerer Stärke.
So überschneidet sich Prävention eng mit Themen wie Demokratiefähigkeit, Konfliktlösung und Gewaltprävention.
Was zählt als Suchtmittel?
Der Begriff „Suchtmittel“ umfasst heute weit mehr als illegale Drogen (wie Ecstasy, Heroin oder Haschisch) oder körperlich schädliche Substanzen (wie Alkohol, Zigaretten oder Tabletten).
Als Suchtmittel gilt alles, worüber ein Mensch die Kontrolle verlieren kann – also Dinge, die einen Drang nach „immer mehr“ erzeugen.
Dazu gehören auch:
- Fernsehen
- Internet / Gaming
- Süßigkeiten
- Essen allgemein
Moderne Prävention setzt daher nicht auf Verbote, sondern darauf, Kinder zu befähigen, ihr eigenes Verhalten rechtzeitig zu stoppen, sich nicht verführen zu lassen und Entscheidungen reflektiert zu treffen.
Suchtprävention ist somit vor allem eines:
Förderung eines selbstbestimmten, verantwortungsvollen Handelns.
Suchtprävention in Schule und Unterricht
Suchtprävention in der Schule ist herausfordernd. Bewertungen, Noten und Leistungsdruck beeinflussen das Selbstwertgefühl – und damit indirekt die Ich-Stärke eines Kindes.
Deshalb braucht es:
- Ein Schulklima, das Stärken betont
- Unterstützung bei Schwächen
- Raum für Reflexion
- Gesprächsangebote in Alltagssituationen
Nicht jede Schule kann ein umfassendes Konzept erarbeiten. Dennoch wirkt jeder kleine Schritt:
- Reflexion nach aktuellen Vorfällen
- Gespräche über Gruppendruck
- Thematisierung von Misserfolgen und Bewältigungsstrategien
- Einsatz von Jugendbüchern, Filmen, Comics oder Theaterstücken
Auch Regeln zum Umgang mit Suchtmitteln auf dem Schulgelände sind wichtig – am besten wirkt Prävention dort, wo Risiken erst gar nicht entstehen.
„Wir sind nicht allein“ – Unterstützung durch Institutionen und Experten
Suchtprävention ist komplex und kann eine einzelne Lehrkraft schnell überfordern.
Darum gibt es verschiedene Ansprechpartner:
In der Schule
- Suchtbeauftragte / Suchtpräventionslehrkräfte
(Bezeichnung variiert nach Bundesland) - Betreuung von Projekten
- Koordination von Aktionen
- Pflege der Schulordnung zum Suchtmittelkonsum
Diese Lehrkräfte brauchen Sensibilität – denn auch ihr eigenes Verhalten spielt eine Rolle.
In Stadt und Kreis
- Suchtbeauftragte der Kommunen
- Ansprechpersonen für Kriminalprävention
- Kooperation mit Beratungsstellen
Auf Landesebene
- Landesstellen gegen Suchtgefahren (Materialien, Projekte, Schulungen)
- Jugendschutzorganisationen
Bundesweit
Materialien können z. B. bei der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
bestellt werden.
Suchtprävention wirkt am besten, wenn Schule, Elternhaus und Gesellschaft zusammenarbeiten.
Links & Literatur Links
Literatur
Andreas Robra: Das SuchtSpielBuch. Spiele und Übungen zur Suchtprävention in Kindergarten, Schule, Jugendarbeit und Betrieben. Seelze 1999
Umfangreiche Sammlung von Anregungen für die Praxis von Tipps für die Elternarbeit über Spiele und Spielaktionen bis zu größeren Projekten
Eckhard Schiffer: Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde. Weinheim: Beltz 1999
Essay über die Entstehung von Süchten und die Prävention durch Gesellschaft, Elternhaus und Schule
Dr. Birgit Ebbert ist freie Autorin und als Diplom-Pädagogin seit vielen Jahren in der Elternarbeit und Lehrerfortbildung tätig. Neben Kinderbüchern und Krimis schreibt sie Elternratgeber, Lernhilfen, Vorlesegeschichten und Bücher über kreatives Arbeiten mit Papier.