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Empathie entwickeln

- So unterstützen Sie Ihr Kind optimal

Foto einer Kindergruppe
Entwicklung und Erziehung
© shironosov - iStockphoto.com
von Alexandra von Plüskow - Kaminski

Svenjas Mutter ist manchmal recht verzweifelt. Ihre Tochter sieht sich stets an der ersten Stelle. Es fällt der Zweitklässlerin immer noch schwer, sich selbst und ihre Bedürfnisse zugunsten anderer zurückzustellen. Und auch der zehnjährige Johannes kann sich gar nicht in die Belange anderer Kinder hineindenken.
Ab welchem Alter können Kinder dies eigentlich leisten? Und wie können Eltern und Grundschule sie bei dem Ausbilden einer gesunden Empathiefähigkeit unterstützen? Erste Ansätze nennt der folgende Beitrag.

Lesedauer:
3 min

Was ist Empathie?

Bedeutung und Ursprung

Der Begriff Empathie leitet sich vom altgriechischen „empátheia“ ab, was „intensive Gefühlsregung“ bedeutet. Heute versteht man darunter die Fähigkeit, Gefühle und innere Regungen anderer Menschen zu erkennen und sich in sie hineinzuversetzen. Diese Kompetenz spielt in vielen Bereichen eine zentrale Rolle – unter anderem in Psychologie, Pädagogik, Wirtschaft und Marketing. Auch für die persönliche Entwicklung ist Empathie bedeutsam, denn sie setzt eine ausgeprägte Selbstwahrnehmung voraus: Nur wer die eigenen Gefühle kennt und annimmt, kann sich auf die Gefühle anderer einlassen. Daher lohnt es sich, Empathiefähigkeit früh zu fördern und schrittweise auszubauen.

Empathie bei Grundschulkindern

Schon kleine Kinder nehmen ihre Gefühle wahr und drücken sie altersgemäß aus. Kindergartenkinder reagieren auf Angst, Freude, Wut oder Trauer häufig durch Trösten, Umarmen oder gemeinsames Lachen und Spielen. Im Grundschulalter entwickelt sich das Erkennen und Verarbeiten von Gefühlen weiter. Besonders gut lässt sich dies an der Fähigkeit zu trauern beobachten. Erwachsene können diesen Prozess aktiv begleiten – durch Gespräche, gemeinsames Erleben von Alltagssituationen und gezielte Anregung zur Auseinandersetzung mit Gefühlen.

Selbstwahrnehmung unterstützen – Basis für Empathie

Damit Kinder die Gefühle anderer verstehen, müssen sie zunächst ihre eigenen wahrnehmen können. Eltern, Erzieherinnen, Erzieher und Lehrkräfte sollten daher Wert darauf legen, dass ein Kind seine Gefühle erkennt und angemessen ausdrückt. Spontane Rollenspiele oder angeleitete Szenen helfen dabei, Erlebtes zu verbalisieren. Auch Dialoge sind wichtig: Fragen Sie Ihr Kind, wie es sich in bestimmten Situationen fühlt.

Ein bewusster Medienkonsum unterstützt die Entwicklung ebenfalls. Filme oder Bilderbücher, die Gefühle thematisieren, bieten einen guten Anlass für Gespräche. So lernt Ihr Kind, Emotionen zu benennen – eine wichtige Voraussetzung für die Schulfähigkeit und für weiterführende Empathieentwicklung.

Vom Selbst zu den Anderen – Empathiefähigkeit entwickeln

Im nächsten Schritt geht es um das gezielte Einfühlen in andere Personen. Rollenspiele eignen sich besonders gut, um Perspektiven zu wechseln. Kinder können stellvertretend Gedanken einer Figur formulieren und aussprechen, etwa:

  • Ich habe Angst. Es ist dunkel. Davor fürchte ich mich.

Neben Rollenspielen spielt Kinderliteratur eine große Rolle. Schritt für Schritt lernen Grundschulkinder, sich in Protagonistinnen und Protagonisten hineinzuversetzen und deren Situationen mit den eigenen Erfahrungen zu verbinden. Kreative Methoden unterstützen diesen Prozess und fördern das bewusste Nachdenken über Gefühle anderer Menschen.

Gemeinsam mit Kita und Grundschule Empathie fördern

Im Elternhaus lässt sich Empathie durch offene Gespräche über Gefühle gut fördern. Noch wirkungsvoller wird es, wenn Eltern, Kita und Grundschule zusammenarbeiten. Im Austausch mit Erzieherinnen, Erziehern und Lehrkräften lassen sich Maßnahmen entwickeln, die die Gruppe gezielt unterstützen. Externe Projekte wie Theater‑, Zirkus‑ oder Gewaltpräventionsprogramme können zusätzlich helfen. Auch die Schulsozialarbeit bietet häufig geeignete Ansätze zur Empathieförderung.

Ein gemeinsam entwickeltes Konzept – etwa vorgestellt auf einem Elternabend – kann optimal auf die Bedürfnisse der jeweiligen Gruppe abgestimmt werden. Denn neben kognitiver gehört heute auch die soziale Intelligenz selbstverständlich zu wichtigen Fähigkeiten, die Kinder langfristig stärken.

Zuletzt geändert am 27.02.2026

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Themen:
Gefühle
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Empathie
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Schule
Angst
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Alexandra von Plüskow-Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.

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