Direkt zum Inhalt

Hörverständnis: Richtig zuhören ist wichtig

Mädchen schreit und hält sich die Ohren zu
Entwicklung und Erziehung
© S. Hofschlaeger - Pixelio.de
von Hildegard Dierks

Gutes Hören und richtig zuhören ist für erfolgreiches Lernen in der Regel unerlässlich. Ständig nehmen wir Geräusche, Stimmen oder Lärm wahr. Anders als Wegsehen ist Weghören nicht ganz so leicht. Laute Dauerbeschallung macht uns schwerhörig und krank.

Lesedauer:
4 min

Lärm, Hören und Verstehen im Unterricht: Eine unterschätzte Herausforderung

Lehrkräfte leiden überdurchschnittlich häufig an lärmbedingtem Tinnitus – eine Erkrankung, die langfristig sogar zur Dienstunfähigkeit führen kann. Gleichzeitig klagen viele Schülerinnen und Schüler zu Hause über Lärm im Klassenzimmer.
Hören, Hörverstehen und Zuhören sind komplexe pädagogische Aufgaben – und sie werden durch steigende Lärmbelastung im Schulalltag zunehmend schwieriger.


Lärmampeln im Unterricht – hilfreiches Tool oder unnötige Technik?

Was kann eine Lärmampel?

Eine Lärmampel zeigt – wie eine Verkehrsampel – an, wenn der Geräuschpegel zu hoch wird. Sie reagiert auf Lautstärke und springt ab einem eingestellten Wert auf Rot, oft verbunden mit einem akustischen Signal.
Ziel: Bewusstsein schaffen und Lehrkräfte entlasten.

Grenzen der Lärmampel

  • Sie reduziert den Lärm nicht, sondern zeigt ihn lediglich an.
  • In schwierigen Klassen kann sie sogar zum „Spielzeug“ werden – manche testen absichtlich aus, wie laut es werden muss, um Rot auszulösen.
  • Pädagogische Erfahrung lässt sich durch Technik nicht ersetzen.

Ein ruhiges Lernumfeld bleibt daher weiterhin ein Zusammenspiel aus Regeln, Routinen und pädagogischer Präsenz.


Lärm reduzieren: Bewusstsein schaffen und Übungen nutzen

Bereits Grundschulkinder sollten lernen, ihr Gehör zu schützen. Die Website des Bundesumweltministeriums (www.umwelt-im-unterricht.de) bietet dazu Materialien:

  • Informationen zu Lärmquellen
  • Auswirkungen von Lärm auf den Menschen
  • Übungen zum bewussten Hören
  • Vorschläge für Hörtagebücher
  • Maßnahmen zur Lärmminderung

Stilleübungen nach Volker Friebel

Für eine spürbare Ruhephase können einfache Übungen eingesetzt werden – besonders wirksam in Grundschulklassen.

1. „Das offene Fenster“

  • Kinder schließen die Augen und lauschen den Geräuschen draußen.
  • Anschließend berichten oder malen sie, was sie gehört haben.

2. „Der verklingende Ton“

  • Kinder sitzen im Kreis, Augen geschlossen.
  • Eine Triangel/Klangschale wird angeschlagen.
  • Kinder heben die Hand, wenn der Ton für sie verklungen ist.

Diese Übungen schärfen die Wahrnehmung, beruhigen die Gruppe und fördern Konzentration.


Hörverständnis trainieren – nicht nur im Fremdsprachenunterricht

Hörverstehen spielt nicht nur im Englisch- oder Französischunterricht eine Rolle – auch Vorträge, Radiobeiträge oder Unterrichtserklärungen verlangen ein trainiertes Ohr. Besonders ältere Schülerinnen und Schüler profitieren von Strategien.

Strategien für besseres Hörverständnis

  • Vorwissen aktivieren: Anmoderationen oder Kurztexte nutzen, um mentale Orientierung zu schaffen.
  • Ziele klären: Welche Informationen suche ich? Welche Fragen möchte ich beantwortet bekommen?
  • Schlüsselwörter erkennen: Häufig wiederkehrende Begriffe markieren mentale Orientierungspunkte.
  • Gezieltes statt globales Hören: Besonders bei Lückentexten oder Multiple-Choice-Aufgaben.
  • Notizen machen: Stichworte festhalten verbessert das Behalten.
  • Nachfragen: „Können Sie das wiederholen?“ – eine wichtige Kompetenz, auch am Telefon.

Zuhören als psychologische Kompetenz: Aktives Zuhören nach Rogers

Zuhören ist Grundlage vieler sensibler Situationen in der Schule: Streitklärung, Beratungsgespräche, Elternkontakte.

Carl Rogers entwickelte das Konzept des aktiven Zuhörens – hilfreich auch für den Unterrichtsalltag.

Grundregeln des aktiven Zuhörens

  • Blickkontakt halten
  • echtes Interesse zeigen
  • Pausen zulassen
  • Gefühle vorsichtig ansprechen
  • bei Unklarheiten nachfragen
  • Kritik und Vorwürfe ruhig aufnehmen

Rückmeldungen („Feedback“) geben

Verbal oder nonverbal, z. B.:

  • Nicken
  • „Wie fühlst du dich damit?“
  • „Erzähl mir mehr davon.“

Ich-Botschaften nutzen

Sie bestehen aus drei Teilen:

  1. Verhalten benennen
  2. Wirkung schildern
  3. eigenes Gefühl ausdrücken

Beispiel:
„Wenn du dich im Unterricht kaum meldest (Verhalten), weiß ich nicht, wie viel du verstanden hast (Wirkung), und ich sorge mich um deine Note (Gefühl).“


Auditives Lernmaterial – ein unterschätztes Potenzial

Viele Kinder und Jugendliche sind auditive Lerntypen oder profitieren zumindest von gesprochenen Inhalten. Dennoch sind auditiv aufbereitete Materialien im schulischen Alltag unterrepräsentiert.

Fragen für eine zukünftige Didaktik des Hörens

  • Was erleichtert gutes Zuhören?
  • Wie kann auditives Material andere Medien ergänzen oder ersetzen?
  • Wann sind Hörbücher sinnvoll im Unterricht?
  • Wie unterstützen Hörangebote Inklusion – z. B. bei Sehschwächen oder älteren Lernenden?

In einer inklusiven Schule und in einer alternden Gesellschaft gewinnt auditives Lernen zunehmend an Bedeutung.

Passende Materialien finden sich beispielsweise bei lernando (www.lernando.de/download).


Linktipps

  • Website des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Bereich Lärmschutz 
  • Unter Lernando finden Sie darüber hinaus eine Menge an Downloadprodukten zum Hören, um z.B. Sprachen besser zu üben und zu trainieren

Zuletzt geändert am 17.02.2026

Beitrag teilen:
Themen:
zuhören
Hörverständnis
hören
taub
schwerhörig
gesund
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

Weitere Beiträge lesen