Kleider machen Leute - die Macht der Marken
Kleider machen Leute - die Macht der Marken
Die Bedeutung von Markenbekleidung unter Jugendlichen ist so groß wie nie zuvor.In der Shell-Jugendstudie wurde auch Daten über die Einstellung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zum Tragen von Markenbekleidung erhoben. 77,50 % gaben dabei an, Markenbekleidung sei „in“, und nur 22,50 % entschieden sich für „out“.
Identität und Identifikation
Orientierung an neuen Vorbildern
Vor allem in der Pubertät richtet sich die Aufmerksamkeit auf neue Vorbilder wie Popstars oder Schauspieler. Diese Idole unterstützen den Aufbau einer eigenen Identität.
Abhängigkeit von äußeren Meinungen
Viele Jugendliche übernehmen solche Vorbilder zunächst unkritisch. Sie sind stark von den Einstellungen anderer abhängig, und ihre Fähigkeit, eigene Standpunkte zu entwickeln, ist noch wenig ausgeprägt. In dieser Phase setzen sie sich mit Werten und Normen auseinander – in einer Gesellschaft, in der der Begriff „Wert“ häufig fast ausschließlich materiell verstanden wird.
Wertschätzung wörtlich genommen
Marken als Statussymbol
Markenbekleidung erzeugt einen Wert, der sich über Statussymbole vermittelt und den Träger im Umfeld aufwertet. Jugendliche stehen dabei unter großem Druck ihrer Peergroup; den darin geltenden Normen können sie sich nur schwer entziehen.
Verwechslung von materiellen und ideellen Werten
Die Pubertät ist geprägt von Unsicherheiten und dem Bedürfnis nach Anerkennung durch die engsten Bezugspersonen. Jugendlichen fällt es schwer, zwischen materiellen und ideellen Werten zu unterscheiden. Häufig setzen sie Wertschätzung für äußere Erscheinungen mit persönlicher Zuwendung gleich.
Ein alter Hut: Kleider machen Leute
Exklusivität und Konformität
Bekleidungskonzerne bedienen zwei Grundbedürfnisse: Exklusivität und Konformität. Kaum ein anderes Symbol definiert Gruppenzugehörigkeit so stark wie Kleidung. Seit Jahrhunderten wird Mode genutzt, um den eigenen Status sichtbar zu machen – das gilt auch für Erwachsene in der Berufswelt.
Vorbilder und Gegenbewegungen
Erwachsene wirken zudem als Vorbilder, teils auch durch negative Identifikation. Markenverweigerer wiederum entziehen sich bewusst dem Konsumzwang. Doch auch sie suchen vor allem eines: Abgrenzung von anderen.
Gewinner tragen Marken
Gruppenzugehörigkeit durch Kleidung
Kleiderregeln steuern die Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen. Wird diese durch Marken bestimmt, können sich Jugendliche den Normen kaum entziehen – vor allem dann nicht, wenn sie dazugehören möchten.
Risiko von Abwertung und Ausgrenzung
Problematisch wird es, wenn Jugendliche oder ihre Eltern nicht über die nötigen Mittel verfügen. An manchen Schulen wird der morgendliche Weg zum Unterricht zum Schaulaufen der Trendmode – oder zum Spießrutenlauf. Kleidung kann erheblichen Einfluss auf den Status eines Schülers nehmen und zu Abwertung oder Ausgrenzung führen.
Schuluniform ist keine Lösung
Erfahrung aus anderen Ländern
Auch hierzulande wurde immer wieder über Schuluniformen diskutiert, um sozialer Ungleichheit im Schulalltag entgegenzuwirken. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen jedoch: Der Wettbewerb verlagert sich einfach in die Freizeit. Das eigentliche Problem bleibt bestehen.
Bedeutung individueller Stilentwicklung
In der Pubertät geht es um die Entwicklung eines eigenen, individuellen Stils. Dieser Prozess sollte gefördert werden. Jugendliche sollen sich so zeigen dürfen, wie sie wirklich sind – und von anderen so angenommen werden. Entscheidend ist, zu vermitteln, dass Stil keine Frage des Geldes oder teurer Marken ist.
Mehr Wert schaffen!
Fragen an die eigene Haltung
Eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Markenikonen löst das Problem nicht vollständig, kann aber Bewusstsein schaffen. Zentral sind Fragen wie:
- Was erkaufe ich mir durch das Tragen teurer Labels?
- Warum ist es mir wichtig, mich dadurch aufzuwerten oder abzugrenzen?
- Welche Vorteile bringt mir die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die dem äußeren Erscheinungsbild so viel Bedeutung beimisst?
Reflexion über Identität und Selbstwert
Dabei geht es um Grundbegriffe wie Identität, Individualität, Selbstwert, Schönheit, Stil und Geschmack – und um die Frage, ob diese Vorstellungen wirklich die eigenen sind oder lediglich „ausgeborgte“ Positionen von Ikonen ohne authentische Identität.
Linktipps / Quellen
- https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/198380/jugendmode-vor-dem-hintergrund-jugendlicher-lebenswelten/
- https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/schaulaufen-du-siehst-bombe-aus-a-544660.html
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge, Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.