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Im Freien lernen:

Tipps und Spiele für das Lernen in der freien Natur

Junge mit Lupe auf einer Wiese
Freizeit und Erholung
© Jacek Chabraszewski - Fotolia.de
von Alexandra von Plüskow - Kaminski

Abends bleibt es länger hell und die Temperaturen sind mild. Für Schulkinder heißt das: Ab in die Natur und spielerisch lernen. Wie das geht? Dieser Artikel liefert einige Ideen hierzu.

Lesedauer:
4 min

Rund um die Bewegung im Freien

Das freie Spiel und die Bewegung an der frischen Luft sind für Schulkinder besonders wertvoll, da sie einen großen Teil ihres Tages sitzend verbringen. Umso besser, wenn beim Spielen gleichzeitig wichtige Fähigkeiten wie Koordination, Reaktionsvermögen und Körperwahrnehmung trainiert werden. Ein klassisches Beispiel ist das Seilspringen. Ob allein mit einem kleinen Seil oder gemeinsam mit einem großen, rhythmischen Springseil – Kinder können sich hier richtig auspowern. Häufig werden dabei kleine Reime oder das ABC gesprochen, was zusätzlich Konzentration und Gleichgewicht schult.

Auch Ballspiele fördern die Motorik in hohem Maße. Eine Variante des bekannten Blumenballs sorgt zuverlässig für Abwechslung: Die Kinder stellen sich im Kreis auf, ein Kind wirft den Ball möglichst hoch, klatscht währenddessen in die Hände und sagt das ABC auf oder zählt. Ziel ist es, den Ball wieder sicher zu fangen und dabei möglichst weit im Alphabet oder in der Zahlenreihe zu kommen.


Konzentrations- und Stilleübungen in der freien Natur

Bewegung ist wichtig – doch auch ruhige, konzentrierte Spiele lassen sich draußen wunderbar durchführen. Eine Möglichkeit besteht darin, verschiedene Naturgegenstände zu sammeln und anschließend in einer kleinen Runde zu erraten, welche Gegenstände fehlen, nachdem ein Mitspieler sie heimlich entfernt hat. Diese Form des Memorierens schult Wahrnehmung und Aufmerksamkeit.

An warmen Tagen lohnt es sich zudem, einfach einmal in die Natur hineinzuhorchen. Gemeinsam mit Ihrem Kind können Sie sich in den Garten, den Park oder den Wald stellen, die Augen schließen und ein bis zwei Minuten lang lauschen. Das anschließende Gespräch darüber, was beide gehört haben – etwa das Rauschen der Bäume oder Vogelgesang –, stärkt Achtsamkeit und Feinwahrnehmung.


Murmelspiele

Klassische Murmelspiele haben ihren Reiz nicht verloren und trainieren sowohl Konzentration als auch Feinmotorik. Eine einfache Variante besteht darin, eine Linie zu ziehen, hinter der alle Mitspieler starten. Ein Kind rollt seine Murmel so weit wie möglich; das nächste versucht, die erste Murmel zu treffen. Gelingt dies, erhält es beide Murmeln, andernfalls gehen sie an den ersten Spieler zurück.

Eine weitere Murmelspiel-Idee verbindet Geschicklichkeit mit einfachem Rechnen. Hierfür wird aus Pappe oder Karton eine Art Torwand mit verschiedenen Öffnungen gestaltet, die jeweils mit einer Zahl versehen sind. Rollt ein Spieler seine Murmel durch eine Öffnung, erhält er die entsprechende Punktzahl. Am Ende gewinnt, wer die meisten Punkte gesammelt hat.


Lernen durch Naturerkundungen

Die Natur bietet unzählige Möglichkeiten, Lerninhalte auf spielerische Weise zu vertiefen. Ein schönes Projekt ist das Anlegen eines Herbariums. Gemeinsam können Sie ein kleines Buch auswählen, in das Ihr Kind über das Jahr hinweg gesammelte Blätter oder Blumen einklebt. Die Fundstücke werden gepresst und mit Angaben zu Fundort, Datum und Pflanzenname versehen. So entsteht ein ganz persönlicher Jahreskalender aus der Natur. Ein kindgerechter Naturführer ist dabei wichtig, um Pflanzen sicher bestimmen zu können – auch, weil einige Arten geschützt oder giftig sind.

Mit einer Becherlupe lassen sich kleine Tiere und Pflanzen gut beobachten. Wichtig ist, die Tiere im Anschluss wieder freizulassen. Ein Bestimmungsbuch unterstützt Ihr Kind außerdem dabei, eigenständig herauszufinden, welche Bäume im Wald stehen oder welcher Vogel gerade im Garten zu sehen ist.


Kunst aus der Natur

Neben dem Sammeln und Beobachten lässt sich die Natur auch kreativ erleben. Eine einfache Technik sind Baumabreibungen: Ihr Kind legt ein Blatt Papier auf die Rinde und fährt mit Wachsmalstiften darüber. Die Strukturen der Rinde erscheinen dabei deutlich. Die Abriebe können später zerrissen und zu fantasievollen Collagen zusammengesetzt werden – eine wunderbare Kombination aus Naturerlebnis und künstlerischem Arbeiten.


Bewegung und Naturerfahrung – wertvoll für jedes Kind

Laut der „KIM‑Studie 2008“ des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest spielen Grundschulkinder nach wie vor gerne draußen. Die Natur bietet vielfältige Möglichkeiten, Fähigkeiten wie Konzentration, Geschicklichkeit, Koordination und Wahrnehmung zu fördern. Wichtig ist dabei ein respektvoller Umgang: Kinder sollten lernen, Pflanzen nicht mutwillig zu beschädigen, geschützte Arten stehen zu lassen und sich im Wald leise zu verhalten, um Tiere nicht aufzuschrecken.

Unter diesen Voraussetzungen steht unzähligen Lern- und Spielerlebnissen im Freien nichts im Wege.


Zuletzt geändert am 27.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Alexandra von Plüskow-Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.

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