Ganzschriften mit Kindern lesen
- Was Eltern und LehrkrÀfte beachten sollten
Ganzschriften mit Kindern lesen
- Was Eltern und LehrkrÀfte beachten sollten
Lena besucht die zweite Klasse der Grundschule und freut sich: Ihre Lehrerin möchte mit der Klasse gemeinsam ein ganzes Buch lesen. Der ViertklĂ€ssler Hans ist hingegen zurĂŒckhaltender - er liest nicht gern. Und so blickt er demselben Vorhaben seiner Lehrkraft eher mit gemischten GefĂŒhlen entgegen. Was Eltern wissen und LehrkrĂ€fte beachten sollten, wenn sie mit einer Klasse ein ganzes Buch gemeinsam lesen, nennt der folgende Beitrag.
Leseunterricht in der Grundschule
Grundschulkinder begegnen dem Lesen nicht nur im klassischen Leselehrgang der ersten beiden Schuljahre, sondern auch frĂŒhzeitig in der Auseinandersetzung mit Kinderliteratur. Neben Geschichten, Sachtexten und Gedichten spielt das Lesen ganzer BĂŒcher eine wichtige Rolle. Dabei geht es sowohl um das sinnverstehende Lesen als auch um das Kennenlernen vielfĂ€ltiger literarischer Texte.
Auswahl geeigneter Kinderliteratur
Kriterien fĂŒr die Vorauswahl
Bevor eine KlassenlektĂŒre festgelegt wird, trifft die Lehrkraft eine sorgfĂ€ltige Vorauswahl. Geeignet sind BĂŒcher, die einen altersangemessenen Umfang, eine zugĂ€ngliche Sprache und Themen enthalten, die Kinder beider Geschlechter ansprechen. HĂ€ufig eignen sich Abenteuerâ und Detektivgeschichten, da sie eine breite Leserschaft motivieren.
Gemeinsame Entscheidung in der Klasse
Die Lehrkraft stellt ĂŒblicherweise drei mögliche Titel vor. AnschlieĂend wĂ€hlt die Lerngruppe auf Augenhöhe ein Buch aus. So entsteht ein GemeinschaftsgefĂŒhl, das die Lesemotivation zusĂ€tzlich stĂ€rkt.
LektĂŒre im Unterricht
Individuelles und gemeinsames Lesen
Kinder sollen im eigenen Tempo lesen können. Daher wechseln sich Phasen des gemeinsamen Lesens im Klassenverband mit Zeiten des selbststĂ€ndigen Lesens ab, in denen die Kinder sich im Klassenraum einen gemĂŒtlichen Platz suchen dĂŒrfen. Aufgabenstellungen werden individuell angepasst und unterstĂŒtzen jedes Kind darin, die Inhalte zu verstehen und zu vertiefen.
Methoden zur Förderung der Lesefreude
Lesestrategien entwickeln
Ein abwechslungsreicher und methodenreicher Unterricht stÀrkt sowohl die Lesefreude als auch den Umgang mit Texten. Dazu zÀhlen:
- antizipierendes Lesen, bei dem Kinder Vermutungen zum Fortgang der Handlung formulieren
DarĂŒber hinaus geht es um handlungsâ und produktionsorientierte ZugĂ€nge: Die Kinder schreiben TagebucheintrĂ€ge aus Sicht einer Figur, malen Szenen, setzen kurze Texte szenisch um oder gestalten eigene Comics. Schritt fĂŒr Schritt lernen sie dabei, Aussagen durch Textstellen zu belegen und Figuren zu zitieren.
Kreative Textarbeit
Diese produktiven Methoden ermöglichen es Kindern, sich intensiv mit dem Buch auseinanderzusetzen und individuelle ZugÀnge zu finden. Sie fördern sowohl die Vorstellungskraft als auch die Freude am Lesen und Schreiben.
Lesetagebuch als Begleiter des Leseprozesses
Aufbau und Nutzen
Ein Lesetagebuch â im Heft oder im Schnellhefter â sammelt ArbeitsblĂ€tter, Gedanken und Reflexionen der Kinder. Sie halten fest, welche Figuren ihnen sympathisch erscheinen, wie sie den Fortgang der Geschichte einschĂ€tzen oder welche Szenen ihnen besonders gut gefallen haben.
Zum Abschluss bewerten sie ihre LektĂŒreerfahrung und ordnen diese in ihren persönlichen Leseweg ein. FĂŒr LehrkrĂ€fte bietet das Lesetagebuch wertvolle Einblicke in den Lernstand und den individuellen Leseprozess.
Bedeutung von Ganzschriften im Unterricht
Das Lesen ganzer BĂŒcher ist in einer multimedial geprĂ€gten Welt besonders wichtig. Es fördert Ausdauer, Lesemotivation und die FĂ€higkeit, sich lĂ€nger mit einem Text zu beschĂ€ftigen. Gleichzeitig lernen Kinder traditionelle und moderne Kinderliteratur kennen und entwickeln eigene Lesestrategien.
Und nicht zuletzt wĂ€chst der Stolz, am Ende sagen zu können: âIch habe ein ganzes Buch gelesen!â
Zuletzt geÀndert am 27.02.2026
Alexandra von PlĂŒskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tĂ€tig. Dabei war sie u.a. zustĂ€ndig fĂŒr die ĂbergĂ€nge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterfĂŒhrende Schule. Seit MĂ€rz 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum LĂŒneburg.