Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

Wieviel Mediennutzung für Schulanfänger

von Ulrike Lindner



Das Schuljahr hat gerade begonnen, für sehr viele Mädchen und Jungen in Deutschland zum ersten Mal. Im vergangenen Schuljahr waren es bundesweit mehr als 725.000 Erstklässler, in diesem Jahr dürfte die Zahl vergleichbar sein.

Ein Handy oder Tablett schon in der Grundschule?

Für viele gehört zum Schulstart nicht nur die Schultüte oder die erste Fahrt mit Bus, U-Bahn oder Fahrrad in die neue Schule. Neue Freunde, Interessen und Ideen gehören ebenso zum Schulstart dazu. Ein wichtiger Teil des sozialen Gefüges sind digitale Medien, die für Kinder jetzt eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

Für Eltern stellt sich spätestens jetzt die Frage, ob, wie viel und welche Art der Mediennutzung für ihre Schulanfänger empfehlenswert ist. Ob Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen oder Saarland, überall im Land dürften in diesen Tagen und Wochen ähnliche Diskussionen geführt werden: Ist es ok nach der Schule am PC zu spielen? Braucht unser Kind jetzt schon ein Smartphone? Muss es ein teures Modell sein oder reicht ein günstiges Handy, damit das Kind erreichbar ist? Die neue Freundin hat ein eigenes Tablet und unser Kind will auch eins – wie gehen wir damit um?

Grundschüler nutzen den Computer für die Schule

Natürlich gehören Digitale Medien zum Alltag, in der Regel weit vor dem Schuleintritt. Nach einer aktuellen Studie zum Medienverhalten der sechs- bis zwölfjährigen Kinder in Deutschland nutzen 77 Prozent nach eigener Angabe zumindest selten einen Computer oder Laptop im eigenen Haushalt, jedes zweite Kind daddelte auch bei seinen Freunden. In der Schule werden PCs dagegen seltener genutzt, in Grundschulen nur von etwa einem Viertel der Mädchen und Jungen. Zuhause, so ergab die Studie, nutzen die meisten Schulkinder den PC, um für Hausaufgaben im Internet zu recherchieren, Texte zu schreiben oder Lernprogramme zu nutzen. Schon 48 Prozent der Sechs- und Siebenjährigen suchen jede Woche im Internet nach Schulthemen.

Internet ja, aber bitte in Begleitung

Auch wenn Internet und PC demnach Standard sind, sollten Eltern Erstklässler nicht allein in die digitale Welt starten lassen. Idealerweise begleiten Mütter und Väter ihre Kinder dabei und geben Regeln für Art und Dauer der Mediennutzung vor. Dazu gehört:
  • Kinder mit dem Internet vertraut machen und ihnen die Funktionsweise und den Umgang erklären. Hilfreich dabei sind Seiten wie das Internet ABC der Initiative Schau Hin!, außerdem sollten Eltern nach Möglichkeit immer wieder mit ihren Kindern Zeit vor dem Bildschirm verbringen, statt abwesend zu sein.
  • Die Bildschirmzeit altersgemäß begrenzen und diese Zeiten auch einhalten - für Schulanfänger reicht eine halbe Stunde bis zu einer Stunde im Alter von neun Jahren pro Tag, sagen Experten.
  • Für sicheres Surfen sorgen, indem für Kinder ein eigener Kinderzugang mit guten Kinderseiten als Lesezeichen eingerichtet wird. Informieren sie sich selbst über Themen wie Datenschutz oder Kostenfallen und sprechen mit Ihren Kindern darüber.
  • Bei Lernsoftware und Apps vorab prüfen, ob die App altersgerecht und sicher ist oder ob versteckte Kostenfallen lauern.
  • Zeit einplanen, damit Kinder mediale Eindrücke in Ruhe verarbeiten können. Auch andere, „analoge“ Aktivitäten im Familienalltag wie Spielen, Treffen mit Freunden oder (Vor-)Lesen anbieten.

Eigenes Smartphone oder nicht?

Fast noch beliebter als der eigene PC oder Laptop ist bei Grundschulkindern das eigene Handy. Zwar besitzen nur die wenigsten Erstklässler beim Schuleintritt ein Smartphone, doch steigt die Zahl der Handynutzer kurz nach dem Schuleintritt schnell an.

Waren es 2017 bei den Sechs- bis Siebenjährigen erst sechs Prozent, denen ein eigenes Smartphone gehörte, gehörte es bereits für 18 Prozent der Acht- bis Neunjährigen und 67 Prozent der Zehn- bis Elfjährigen zum eigenen Besitz. Fest steht – die Smartphone-Nutzer werden immer mehr und immer jünger. Gerade weil sich Smartphone und Tablet so intuitiv bedienen lassen, sind sie für die jungen Nutzer ja so attraktiv.

Für Erstklässler raten Fachleute dennoch vom eigenen Smartphone ab. Erst ab einem Alter von etwa zwölf Jahren seien Kinder soweit, sich sicher im Internet zu bewegen und Gefahren und Risiken der Smartphone Nutzung einschätzen zu können. So fällt es jüngeren Kindern schwer, zwischen Werbung und redaktionellen Inhalten zu unterscheiden. Oder sie werden durch verstörende Inhalte, die sich Kinder untereinander zuschicken, geängstigt. Auch Datenschutzfragen und raffinierte Kostenfallen, etwa durch In App Käufe, überfordern Erstklässler.

Tipp: Mediennutzung im Klassenverband ansprechen

Empfehlenswert ist es, gleich beim ersten Elternabend das Thema Mediennutzung anzusprechen und Wünsche und Bedenken zu formulieren, etwa was das Einrichten von Klassenchats und die Ausrüstung mit Smartphones angeht. Und der Wunsch vieler Eltern, ihr Schulkind jederzeit erreichen zu können, lässt sich auch mit einem einfachen „Notfall-Handy“ erfüllen. Wie ein Smartphone lässt sich das über GPS orten und verfügt über eine Notfalltaste, nicht aber über einen Internetzugang und weitere technische Spielereien.

Links

KIM Studie 2016

Tipps zur Mediennutzung

Smartphone-Besitz bei Kindern

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