Upcycling: Aus alten Sachen neue Dinge schaffen
Upcycling: Aus alten Sachen neue Dinge schaffen
Immer wieder liest man von Ressourcenknappheit und Umweltverschmutzung. Bereits im Jahr 2010 fielen in deutschen Haushalten 100.000 Tonnen Textil- und Bekleidungsabfall an, informiert das Statistische Bundesamt. Ein Trend, der diesem Problem etwas entgegensetzen möchte, ist das Upcycling, zusammengesetzt aus „Up“ für „höher“ und „Recycling“ für „Wiederverwertung“. Aber was genau steckt dahinter?
Aus Alt mach Neu
Upcyceln bedeutet, dass man den Nutzen einer Sache erkennt, die man eigentlich entsorgen wollte. Hier besteht auch der Unterschied zum Recyceln. Wenn man beispielsweise eine alte Plastikflasche zu einem anderen Produkt aus Plastik verschmilzt, spricht man von Recyceln. Macht man sich aber die Eigenschaften der Plastikflasche zu Nutze und verarbeitet die Form und das Material ohne eine der beiden Eigenschaften zu zerstören, spricht man von Upcyceln.
Alltäglicher Müll wird so zum Ausgangsmaterial für Upcyclingprodukte. Joghurtbecher, Kartons, Verpackungen, Tetrapacks, Verschlüsse, aber auch alte Fahrräder oder Möbelstücke sowie Stoffe und ausrangierte Kleidungsstücke bekommen eine neue Bestimmung. Die Sachen werden zu neuen, schönen und oftmals nützlichen Dingen verarbeitet. Ein großer Vorteil des Upcyclings ist vor allem, dass Müll reduziert wird. Außerdem verbraucht Upcyceln viel weniger Energie als Recyceln. Eine kreative Möglichkeit also, um unsere Umwelt zu schonen.
Upcycling-Boom
Upcyceln fristet schon lange kein Nischendasein mehr, sondern hat sich zum echten Trend entwickelt. Künstler:innen und Designer:innen haben mit ihren Ideen einen echten Boom ausgelöst. Der Kult um das Upcyceln ist längst in der Industrie angekommen. Aus Stoffresten und abgetragenen Kleidungsstücken entsteht zum Beispiel neue Mode. In Berlin hat sich ein Fashion-Store ganz dem Upcyeln verschrieben (gorilla.green) und verkauft individuelle Einzelstücke. Vielen bekannt dürften auch die Taschen des Labels 360° sein, die aus alten LKW-Planen, Feuerwehrschläuchen oder alten Segeln hergestellt werden. Auch Schmuckstücke müssen schon längst nicht mehr aus Diamanten sein: Ohrringe oder Ketten aus Knöpfen oder sogar aus alten Kaffeekapseln erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Der Fantasie sind beim Upcyceln keine Grenzen gesetzt: Kreative Bastler verkaufen Portemonnaies oder Taschen aus Tetrapacks auf der Online-Kreativ-Plattform Etsy.
Auch in der Innenarchitektur boomt der Trend zum Selber-Machen: Innenausstatter zaubern aus aussortierten Obstkisten stylische Schränke oder bauen aus alten Türen moderne Tischplatten. Wer upgecycelte Möbel, Schmuck oder andere Stücke kauft, setzt damit nicht nur ein Zeichen in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Auch die Einzigartigkeit der neu kreierten Sachen überzeugt viele Käufer. Denn die upgecycelten Sachen haben meist einen ganz speziellen Charme.
Kreative Impulse zum Basteln mit Alltagsmaterialien entdecken
Upcyceln selbst gemacht
Upcyceln wird häufig als Projektthema in den Schulen genutzt. Aber auch zu Hause können durch die kreative Wiederverwertung tolle neue Sachen entstehen!
Dafür braucht es nicht viel:
- ein paar ausrangierte Sachen, bspw. alte Kleidung, Papprollen, Joghurtbecher, alte Magazine, ...
- Schere, Kleber, Lineal
- ggf. Nähzeug
Anschließend überlegt man zusammen: Was kann man aus den Dingen schönes Neues basteln? Kann man mit einigen Sachen das eigene Kinderzimmer oder das ganze Zuhause verschönern?
Dabei sind schon kleine Gegenstände aus dem Alltag geeignet, um kreativ zu werden. Aus altem Geschenkpapier lassen sich zum Beispiel wunderschöne Geburtstagskarten basteln, aus Korken entsteht eine nützliche Pinnwand für das Kinderzimmer. Und wenn man alte Konservendosen bemalt und beklebt erhält man individuelle Aufbewahrungsdosen. Aus einer alten Hose entsteht eine neue Tragetasche.
Upcyceln für alle!
Beim Upcyceln gibt es übrigens keine Altersgrenze. Schon mit Grundschulkindern lassen sich wunderbare Sachen kreieren. Ältere Kinder können anspruchsvollere Dinge upcyceln und bspw. eigene Mode aus Stoffresten und weiteren Materialien designen. Die Ideen dafür entwickeln junge Menschen meist von ganz allein. Impulse können in gemeinsamen Gesprächen und Brainstormings gesetzt werden.
Und ganz nebenbei lernen die Kinder bei solch einem Kreativprojekt Wissenswertes über Mülltrennung, Nachhaltigkeit und Umweltschutz.
Melanie Herber hat Medienwissenschaften, Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation in Leipzig und Würzburg studiert. Ihr beruflicher Werdegang ist von verschiedenen Etappen in der Bildungswelt geprägt: Hochschulkommunikation, Bildungsministerium, Bildungsmedienverlag. Sie ist Teil der Redaktion von lernando aus dem Hause Westermann.