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Klimastreik – worum geht es?

Pappschild mit Aufschrift "Fridays for Future"
Wissen und Bildung
© nito - Fotolia.com
von Christine Kammerer

Eine ganze Schüler-Generation streikt. Die jungen Aktivisten von #FridaysforFuture gehen Freitag für Freitag auf die Straße statt zur Schule. Sie wollen den Klimawandel nicht mehr stillschweigend hinnehmen und sie prangern die Passivität und Ignoranz der Erwachsenen angesichts seiner verheerenden Folgen an.

Lesedauer:
4 min

Klimastreiks – Fragen, Hintergründe und Forderungen einer neuen Bewegung

Wer steckt hinter den Klimastreiks? Warum protestieren junge Menschen – und welche Vorwürfe richten sie an die älteren Generationen? Dieser Beitrag fasst die zentralen Aspekte der Bewegung zusammen und zieht ein erstes Fazit.

Hintergrund der „Fridays for Future“

Die heutigen Klimastreiks entstanden aus der Initiative der damals 15‑jährigen Schwedin Greta Thunberg. Ab dem 20. August 2018 blieb sie dem Unterricht fern und protestierte drei Wochen lang täglich vor dem schwedischen Reichstag in Stockholm.

Anschließend setzte sie ihren Streik jeden Freitag fort – solange, bis die Klimapolitik Schwedens den Zielen des Pariser Klimaabkommens entspreche. Unter dem Hashtag #FridaysForFuture verbreitete sich ihre Aktion weltweit; Schüler und Studierende begannen in vielen Ländern, regelmäßig zu demonstrieren.

Warum während der Schulzeit?

Viele kritisierten, dass die Demonstrationen während des Unterrichts stattfanden. Doch die Aktivistinnen und Aktivisten argumentieren:

Die Logik des Protests

  • Demonstrationen in der Freizeit erzeugen kaum öffentliche Aufmerksamkeit.
  • Wie bei Arbeitskämpfen entfalten Proteste nur Wirkung, wenn sie spĂĽrbar sind.
  • NatĂĽrlich nehmen auch einige Teilnehmende aus Freude am „Schwänzen“ teil – doch das schmälert nicht den Kern des Anliegens.

Die Bewegung erreichte durch den Zeitpunkt der Streiks tatsächlich eine große mediale Präsenz.

Wer protestiert – und was wird kritisiert?

Die Initiatoren sind überwiegend Jugendliche im Teenageralter, die sich selbst als „neue Generation“ bezeichnen. Sie werfen älteren Generationen vor, durch ihr Verhalten die Zukunft der jungen Menschen aufs Spiel zu setzen.

Zentrale Kritikpunkte

  • fehlende Generationengerechtigkeit
  • eine Wirtschaft, die sich ausschlieĂźlich am Wachstum orientiere
  • wachsende soziale Ungleichheit
  • ein Wohlstandsmodell, das nach Auffassung der Protestierenden „auf dem RĂĽcken anderer“ funktioniere

Die Klimakrise verbinden sie dabei nicht nur mit ökologischen, sondern auch sozialen und wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten.

Die konkreten Forderungen

Auf Kritik an der Unschärfe der frühen Ziele reagierten die Aktivistinnen und Aktivisten von Fridays for Future Deutschland (FFFD) Anfang April mit präziseren Forderungen:

MaĂźnahmen bis Ende 2019

  • Abschaffung von Subventionen fĂĽr fossile Energien
  • Stilllegung eines Viertels aller Kohlekraftwerke
  • EinfĂĽhrung einer CO₂‑Steuer auf alle Treibhausgasemissionen

Langfristige Ziele

  • Kohleausstieg bis 2030
  • Netto-null Treibhausgasemissionen bis 2035
  • 100 % erneuerbare Energien bis 2035

Wie realistisch sind diese Forderungen?

Hier zeigt sich der zentrale Schwachpunkt – ähnlich wie beim Pariser Klimaabkommen: Es fehlen konkrete Lösungswege.

Herausforderungen und Einschätzungen

  • Die Aktivisten verweisen darauf, dass die Umsetzung Aufgabe von Politik und Wissenschaft sei.
  • Klimaforschende wie Hans Schipper (KIT) betonen, dass die Ziele notwendig wären, um das 2‑Grad‑Ziel zu erreichen – räumen jedoch ein, dass sie auĂźerordentlich ambitioniert sind.
  • Ein grundlegender Wandel der globalen Wirtschaftsstrukturen ist nicht in Sicht; nationale Einflussmöglichkeiten bleiben begrenzt.

Die Ziele gelten somit als wissenschaftlich nachvollziehbar, aber politisch und praktisch schwer umsetzbar.

Fazit: Verantwortung übernehmen – jetzt

Die globalen Folgen des Klimawandels sind längst sichtbar. Doch allein Forderungen an Regierungen reichen nicht aus. Veränderung beginnt auch im Alltag jedes Einzelnen.

Beispiele für persönlichen Beitrag

  • Schulwege ohne „Eltern‑Taxi“
  • weniger Einwegverpackungen und Fast Food
  • bewusster Konsum statt Trends aus sozialen Medien
  • verantwortungsvoller Umgang mit Energie und Ressourcen
  • weniger Flugreisen und reduzierter Elektronikverbrauch

Auch viele Jugendliche profitieren von der Konsumgesellschaft – deshalb müssen alle Generationen Verantwortung übernehmen. Nur glaubwürdiges Handeln ermöglicht echte Veränderung.

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Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
Klimastreik
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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt fĂĽr Migration und FlĂĽchtlinge, Bundeszentrale fĂĽr politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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