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Mehr Gelassenheit als Mutter

Gruppenbild von einer Mutter mit zwei Söhnen
Entwicklung und Erziehung
© stock.adobe.com / Jeanette Dietl
von Alexandra von PlĂĽskow - Kaminski

Die aktuelle Studie „UK Household Longitudinal Survey“ benennt, was berufstätige Mütter Tag für Tag erleben. Ihr Stresslevel ist bis zu 40 % höher als der von nicht berufstätigen Müttern sowie Berufstätigen ohne Kinder. Welche Möglichkeiten gibt es, um eine Work-Life-Balance zu erreichen? Oder einfach, ein Mehr an Gelassenheit im Alltag?

Lesedauer:
4 min

Vereinbarkeit von Familie und Beruf fĂĽr MĂĽtter

Der Alltag berufstätiger Mütter ist geprägt von einem ständigen Ausbalancieren zwischen Kindern, Haushalt und beruflichen Anforderungen. Damit dieser Spagat nicht zu dauerhafter Erschöpfung führt, braucht es gezielte Entlastung und individuell passende Lösungen. Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, denn Familien‑ und Arbeitskonstellationen unterscheiden sich erheblich. Teilzeit kann Entlastung schaffen, ist jedoch nicht immer möglich. Wird sie in Betracht gezogen, sollten auch mögliche finanzielle Nachteile offen angesprochen und gemeinsam geregelt werden. Manche Paare finden Entlastung, indem beide Elternteile in Teilzeit arbeiten und so Verantwortung in Familien‑ und Erwerbsarbeit gerechter verteilt wird.

Stressfaktoren erkennen und reduzieren

Eigene Belastungen sichtbar machen

Ein wichtiger Schritt besteht darin, herauszufinden, welche Stressfaktoren im Alltag besonders belasten. Eine Mindmap, ein Gespräch mit einer Freundin oder professionelle Unterstützung – etwa durch Coaching – können helfen, Prioritäten zu klären. Dabei stellt sich die Frage, was wirklich wichtig ist und wo bewusst Abstriche möglich sind. Müssen Kinderzimmer immer perfekt aufgeräumt sein? Oder kann Verantwortung dafür bei den Kindern bleiben?

Auch Stress rund um Hausaufgaben lässt sich reduzieren, wenn diese beispielsweise in einer Ganztagsschule erledigt werden oder mit Unterstützung von Großeltern. Wer unter ständiger Erreichbarkeit leidet, kann mit dem Arbeitgeber feste Telefonzeiten vereinbaren und außerhalb dieser Phasen konsequent das Smartphone weglegen. Solche Pausen sind auch im privaten Bereich wertvoll, um Raum für Ruhe zu schaffen.

Aufgaben gemeinsam organisieren

Eine klare Aufgabenverteilung im Haushalt hilft, Belastungen zu verringern. Partner und Kinder können feste, altersgerechte Tätigkeiten übernehmen – etwa Müll herausbringen oder den Tisch decken. Diese Absprachen schaffen Transparenz und entlasten nachhaltig. Gleichzeitig kann es hilfreich sein, Verantwortung abzugeben: Wenn das Kinderzimmer anders aussieht als gewünscht, darf dies auch so bleiben.

Bei Bedarf können zudem organisatorische Entlastungen entstehen, etwa durch das Vorkochen von Mahlzeiten für die Woche.

Klare Strukturen und Familienrituale

Eine deutliche Trennung zwischen Arbeits‑ und Familienzeit schafft Orientierung und Freiräume. Rituale wie gemeinsames Abendessen, Spielzeiten oder ein gemeinsamer Fernsehabend stärken das Miteinander und ermöglichen Erholung. Während solcher Auszeiten sollten berufliche Themen, Haushaltsaufgaben und digitale Ablenkungen bewusst zurückstehen.

Persönliche Auszeiten für Mütter

Mütter brauchen Räume, die ihnen allein gehören – unabhängig davon, wie kurz sie ausfallen. Für die einen ist es eine ruhige Tasse Tee, für die anderen ein Telefonat mit einer Freundin, Sport oder eine kurze Meditation. Kleine Pausen unterstützen die mentale Gesundheit und wirken im Alltag stabilisierend.

Ein Ansatz, wie Entlastung gelingen kann, findet sich im Buch „slow family“ von Julia Dibbern und Nicola Schmidt, das „sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern“ beschreibt. Im folgenden kurzen Interviewauszug erläutert Julia Dibbern drei Aspekte näher:

  • Wichtige Grundlage fĂĽr Gelassenheit: Vertrauen – sowohl in die guten Absichten des Kindes als auch in die eigenen Elternkompetenzen.
  • Bedeutung von Auszeiten: Gezielte Pausen einplanen, gesellschaftliche Erwartungen relativieren und Gelegenheiten fĂĽr „erwachsene Zeit“ schaffen.

Nachhaltigkeit im Familienalltag

Im Kontext von „slow family“ bedeutet Nachhaltigkeit, ökologisch, sozial und kulturell bewusst zu handeln. Einfache Aktivitäten wie ein Spaziergang, gemeinsames Einkaufen oder alltägliche Gespräche über Konsum können bereits nachhaltige Wirkungen entfalten. Ziel ist es, Kinder zu empathischen und verantwortungsbewussten Erwachsenen zu begleiten – und gleichzeitig den Familienalltag zu entschleunigen.

Zuletzt geändert am 27.02.2026

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Themen:
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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Alexandra von PlĂĽskow-Kaminski

Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.

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