Lernen will gelernt sein – ab Klasse 1!
Lernen will gelernt sein – ab Klasse 1!
Die Schultüten sind gepackt, der Schulweg geübt und Vorfreude macht sich breit. Wenn in wenigen Wochen die frisch gebackenen Erstklässler in die Schule kommen, beginnt für sie eines der größten Abenteuer ihres bisherigen Lebens.
Freude am Lernen von Anfang an
Damit aus Schullust nicht schnell Schulfrust wird, können Eltern ihre Kinder früh unterstützen – beim Lernen selbst. Denn auch das Lernen will gelernt sein. Dass Kinder von der ersten Klasse an motiviert und mit Freude lernen, hängt nur teilweise vom Charakter ab. Bildungsexperten und Psychologen haben herausgefunden, welche Fähigkeiten, Einstellungen und Rahmenbedingungen aus motivierten Erstklässlern langfristig erfolgreiche Schülerinnen und Schüler machen.
Interessanterweise haben Vorkenntnisse vor der Einschulung, etwa Lesen, Schreiben oder Rechnen, kaum Einfluss auf den späteren Schulerfolg. Auch der Umgang mit Lernprogrammen am PC oder Tablet bietet wenig Vorteile für die Motivation und den Lernerfolg. Entscheidend sind vielmehr vier Faktoren:
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Selbstwirksamkeit – das Gefühl, Aufgaben selbst bewältigen zu können
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Ein verlässlicher Rahmen – Strukturen und Regeln
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Motivation – innere Lernbereitschaft
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Bestätigung – positives Feedback und Anerkennung
Das Gefühl „Ich kann das!“
Die Freude am Lernen entsteht vor allem, wenn Kinder ihre eigene Kompetenz erleben. Schon im Vorschulalter sollten Eltern ein Umfeld schaffen, in dem Kinder ihre Neugier und Entdeckerfreude ausleben können.
Dabei geht es nicht darum, Kinder mit Lernprogrammen oder Frühförderangeboten zu überfordern. Wichtiger ist, alltägliche Aufgaben selbstständig zu bewältigen, zum Beispiel:
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Schuhe anziehen
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Zimmer aufräumen
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beim Kochen helfen
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Klettern ohne stützende Hand
Wichtig: Kinder sollten nicht überfordert werden. Häufige Misserfolge, etwa beim Zusammensetzen eines Baukastens, führen schnell zur Lernfrustration und verringern das Interesse an einem zweiten Versuch.
Ein verlässlicher Rahmen
Um das Gefühl „Ich kann das!“ zu erleben, brauchen Kinder Raum für eigene Entscheidungen – aber auch klare Strukturen:
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Arbeitsplatz: gut beleuchtet, aufgeräumt, störungsfrei; darf im Wohnzimmer oder am Esstisch sein, Hauptsache Ruhe und Konzentration
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Sitzposition: aufrecht sitzen, nicht auf Bett oder Sofa liegen
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Bewegung: ausreichend Sport oder Aktivitäten außerhalb der Schulstunden
Ebenso wichtig sind feste Lernzeiten und Hausaufgabenroutinen. Schon vor der ersten Hausaufgabe lohnt es sich, regelmäßig über den Schultag und das Gelernte zu sprechen. So entsteht früh eine Lern-Routine, die langfristig motiviert.
Gemeinsam lernen
Kinder lernen nicht nur von Erwachsenen, sondern auch in der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen. Dabei entwickeln sie unverzichtbare soziale Kompetenzen wie:
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Kooperation
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Geduld
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Absprachen treffen
Zuhause können Eltern unterstützen, indem sie den Stoff gemeinsam wiederholen, interessiert nachfragen und Motivation durch Lob und Anerkennung fördern – ohne ständig über die Schulter zu schauen.
Lerntechniken nutzen
Bewährte Lernmethoden erleichtern das Lernen und helfen, Informationen dauerhaft zu verankern. Die Auswahl hängt vom Lerntyp und Fach ab:
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Rechtschreibung und Vokabeln: Karteikarten
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Zusammenhänge verstehen: Lernposter, Mindmaps
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Verinnerlichung durch Handeln: lautes Lesen, Unterstreichen, Zusammenfassen
Gemeinsam ist allen Methoden: Sie sprechen mehrere Sinne an und fördern so das langfristige Behalten.
Richtig loben
Mit zunehmendem Alter werden Lob, Belohnung und Vorbilder wichtiger. Eltern können zuhause eine positive Lernatmosphäre schaffen:
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Lob sollte ernst gemeint sein
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Für kleine Erfolge Anerkennung zeigen
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Ziele realistisch setzen – Überforderung vermeiden
So lernen Kinder, dass Anstrengung belohnt wird, und behalten die Freude am Lernen auch langfristig.
Zuletzt geändert am 17.02.2026
Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.