Wie viel Taschengeld muss sein?
Wie viel Taschengeld muss sein?
Lisa wünscht sich eine neue Puppe, Henry möchte nach der Schule eine bunte Tüte naschen und Karla füttert ihr Sparschwein – mit ihrem Taschengeld. Schon Kinder im Vorschulalter erhalten hierzulande in der Regel Taschengeld. Aus gutem Grund – das eigene Taschengeld bereitet die Kleinen darauf vor, später verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, eine der wichtigsten Fähigkeiten, die an der Schule allerdings kaum gelehrt wird.
Taschengeld: Lernen, Verantwortung zu übernehmen
Der Umgang mit dem eigenen Taschengeld ist typabhängig. Während einige Kinder früh beginnen zu sparen, um sich größere Wünsche zu erfüllen, geben andere ihr Geld direkt für kurzfristige Bedürfnisse aus. Eltern können diesen Prozess begleiten und beraten, sollten jedoch nicht eingreifen oder verbieten – Taschengeld ist zunächst einmal Kindersache.
Warum Taschengeld wichtig ist
Wer das Taschengeld reglementiert oder selbst verwaltet, nimmt Kindern die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen. In Deutschland erhalten die meisten Kinder ab etwa fünf Jahren ihr erstes eigenes Geld. In diesem Alter haben sie bereits ein Gefühl für Mengen entwickelt – eine wichtige Voraussetzung, um den Unterschied zwischen 50 Cent und 5 Euro zu verstehen.
Auch Geduld und die Fähigkeit, Bedürfnisse zurückzustellen, entwickeln sich erst ab diesem Alter. Ein Beispiel: Ein dreijähriges Kind möchte sein Eis sofort – ein Fünfjähriger kann verstehen, dass der Verzicht heute mit der Möglichkeit belohnt wird, nächste Woche eine Lego-Figur zu kaufen.
Was Kinder durch Taschengeld lernen
Taschengeld vermittelt Kindern wichtige Lebenskompetenzen:
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Wert von Gegenständen einschätzen: Wie viel kostet ein Eis, wie teuer ist die gewünschte Lego-Figur?
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Eigene Wünsche abwägen: Sofortige Belohnung oder größere Anschaffung später – eigene Entscheidungen fördern die Selbstreflexion.
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Umgang mit Fehlentscheidungen: Wer alles sofort ausgibt, muss mit den Konsequenzen leben und daraus lernen.
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Planen und langfristig denken: Können Ausgaben wie Kino oder Süßigkeiten mit dem Monatsbudget vereinbart werden?
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Selbstbewusstsein entwickeln: Gespartes Geld für den Herzenswunsch ausgeben stärkt Unabhängigkeit und Selbstständigkeit.
Wie viel Taschengeld in welchem Alter?
Die Höhe des Taschengeldes orientiert sich nicht nur am Bekanntenkreis, sondern an Empfehlungen der Jugendämter. Die Taschengeldtabelle gibt Richtwerte:
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Vier- bis Fünfjährige: ca. 50 Cent pro Woche
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Viertklässler: 15–18 Euro pro Monat
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18-Jährige: 60–75 Euro pro Monat
Bis zur 5. Klasse wird das Taschengeld meist wöchentlich ausgezahlt, danach kann auf monatliche Zahlung umgestellt werden. Ein eigenes Konto ist ab etwa zehn Jahren sinnvoll, um den selbständigen Umgang mit Geld zu üben. Viele Banken bieten ab diesem Alter beitragsfreie Taschengeld- oder Juniorkonten an.
Worauf Eltern achten sollten
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Pünktlich und verlässlich: Taschengeld sollte regelmäßig ausgezahlt werden – Kinder sollten es nicht einfordern müssen. Daueraufträge oder Kalender-Erinnerungen helfen.
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Keine Bedingungen: Taschengeld ist keine Belohnung für gutes Verhalten und darf auch nicht als Strafe eingesetzt werden.
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Konsequent bleiben: Ist das Geld ausgegeben, bleibt es weg. Nur so lernen Kinder den Umgang mit ihrem eigenen Geld.
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Höhe anpassen: Die Taschengeldtabelle liefert Orientierung. Höhe und Verwendung können je nach Lebensumständen variieren – z. B. ob Schulsachen oder Geburtstagsgeschenke vom Taschengeld bezahlt werden.
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Nicht zu viel reinreden: Taschengeld ist das erste eigene Geld, über das Kinder frei verfügen. Klare Absprachen können helfen, dennoch sollten Kaufentscheidungen überwiegend bei den Kindern liegen.
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Zuletzt geändert am 17.02.2026
Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.