Über den Autor/die Autorin

Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin und lebt mit Mann und zwei Kindern in Wolfenbüttel.

Wie viel Taschengeld muss sein?

von Ulrike Lindner



Lisa wünscht sich eine neue Puppe, Henry möchte nach der Schule eine bunte Tüte naschen und Karla füttert ihr Sparschwein – mit ihrem Taschengeld. Schon Kinder im Vorschulalter erhalten hierzulande in der Regel Taschengeld. Aus gutem Grund – das eigene Taschengeld bereitet die Kleinen darauf vor, später verantwortungsvoll mit Geld umzugehen, eine der wichtigsten Fähigkeiten, die an der Schule allerdings kaum gelehrt wird.

Wie der Umgang mit dem eigenen Taschengeld aussieht ist typabhängig - während die einen schon in jungem Alter eifrig sparen, um sich größere Wünsche zu erfüllen, ist bei den anderen das eigene Geld bereits Tage nach der Taschengeld-Ausgabe verschwunden, angelegt in dringenden, kurzzeitigen Bedürfnissen. Eltern können diesen Prozess begleiten und dürfen auch beraten, eingreifen oder verbieten sollten sie jedoch nicht – denn Taschengeld ist zunächst einmal Kindersache!

Taschengeld ist wichtig

Wer hier reglementiert oder das Taschengeld sogar selbst verwaltet, nimmt dem Nachwuchs die Möglichkeit, eigene Erfahrungen zu sammeln und daraus zu lernen. Und damit können Kinder schon recht früh anfangen. In Deutschland erhalten die meisten Kinder ab einem Alter von etwa fünf Jahren das erste eigene Taschengeld. In diesem Alter haben sie bereits ein Gefühl für Mengen entwickelt – eine wichtige Voraussetzung, um den Unterschied zwischen 50 Cent und 5 Euro zu erkennen. Auch Geduld und die Fähigkeit, Bedürfnisse zumindest für kurze Zeit zurückzustellen, um ein größeres Ziel zu erreichen, entwickeln sich erst in diesem Alter. Ein Beispiel: Ein dreijähriges Kind will sein Eis sofort – ein Fünfjähriger kann verstehen, dass der Verzicht auf das Eis (und das so gesparte Geld) in der nächsten Woche mit der größeren Investition in eine Lego-Figur belohnt wird.

Durch Taschengeld lernen Kinder:

  • Den Wert von Gegenständen einzuschätzen: Was kostet ein Eis, wie viel Geld wird für die geliebte Lego-Figur fällig?
  • Eigene Wünsche sofort zu erfüllen - oder zurückzustellen: Jetzt die bunte Tüte oder in zwei Wochen eine größere Anschaffung? Nur wer das selbst entscheidet, kann herausfinden, was wirklich wichtig ist und was nicht.
  • Mit Fehlentscheidungen umzugehen: Alles sofort ausgegeben und jetzt zusehen müssen, wie die große Schwester das tolle Spielzeug kauft, das man selbst gern hätte? Aus solchen Erfahrungen lernen Kinder.
  • Investitionen planen und langfristig denken: Kann ich mir das coole T-Shirt leisten, wenn ich diese Woche ins Kino gehe? Wie lange komme ich mit dem monatlichen Taschengeld aus, wenn ich zu Monatsanfang alles in Süßigkeiten investiere?
  • Selbstbewusstsein: Gespart und jetzt den Herzenswunsch erfüllt? Das macht stolz und schafft ein Stück neue Unabhängigkeit und Selbständigkeit.

Wie viel Taschengeld in welchem Alter?

Aber wie viel Taschengeld ist wann angemessen? Zur Orientierung eignet sich der Bekanntenkreis nur bedingt. Objektiver ist der Blick auf die Taschengeldtabelle, die jährlich nach Empfehlungen der Jugendämter zusammengestellt und herausgegeben wird. Demnach bekommen Vier- bis Fünfjährige im Durchschnitt 50 Cent pro Woche, danach steigt die Summe schrittweise an. Viertklässler erhalten zwischen 15 und 18 Euro und 18jährige verfügen über 60 bis 75 Euro im Monat. Bei jüngeren Kindern, etwa bis zum Übergang auf die weiterführenden Schulen in der 5. Klasse, wird das Taschengeld in der Regel wöchentlich ausgezahlt, danach können Eltern auf ein monatliches Taschengeld umsteigen. Sobald Kinder über ein eigenes Konto verfügen – auch das ist eine sinnvolle Vorbereitung auf den späteren selbständigen Umgang mit Geld, kann das Taschengeld dann monatlich per Dauerauftrag überwiesen werden. Viele Banken bieten schon ab einem Alter von zehn Jahren beitragsfreie Taschengeld- oder Juniorkonten an.

Worauf Eltern sonst noch achten sollten

Pünktlich und verlässlich: Fürs Auszahlen des Taschengelds sind die Eltern verantwortlich. Kinder sollten ihre Mütter und Väter nicht daran erinnern müssen. Hier hilft der Dauerauftrag oder eine regelmäßige Erinnerung im Terminkalender.
Keine Bedingungen: Taschengeld ist nicht an gutes Benehmen gekoppelt und stellt auch keine Belohnung für gutes Betragen dar. Es sollte daher nicht als Strafe eingesetzt werden.
Konsequent bleiben: Das Geld ist weg und jetzt jammert der Nachwuchs? Bleiben Sie konsequent und verweisen auf die nächste Rate, nur so lernen Kinder den Umgang mit dem eigenen Geld.
Nicht zu viel und nicht zu wenig: Die Taschengeldtabelle liefert eine Orientierungshilfe. Wichtig für die Höhe des Taschengeldes können aber auch individuelle Lebensumstände und die Frage sein, was genau von dem Geld bezahlt wird. Ein Beispiel: Werden auch Schulsachen, Geburtstagsgeschenke für Freunde oder Kleidung vom Taschengeld bezahlt? Dann fällt die Summe höher aus, als bei denjenigen, die „nur“ ihren Freizeitbedarf decken.
Nicht zu viel reinreden: Taschengeld ist meist das einzige eigene Geld, über das Kinder frei verfügen können. Was sie davon kaufen, sollte ihre eigene Entscheidung bleiben, auch wenn Eltern mit diesen Entscheidungen nicht einverstanden sind. Gegebenenfalls helfen klare Absprachen, wofür das Geld ausgegeben wird.

Links:

https://www.taschengeldtabelle.org

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