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Bessere Noten durch Computerspiele?

Bild zweier Mädchen mit Controllern
Wissen und Bildung
© contrastwerkstatt - Fotolia.com
von Christine Kammerer

Unser Verhältnis zu neuen Medien und Technologien ändert sich stetig. Zuerst einmal werden sie meist misstrauisch beäugt. Mit der Zeit wird das Verhältnis zu ihnen dann immer pragmatischer. Die anfängliche Skepsis weicht einem Abwägen des möglichen Nutzens in der Praxis. Bei Computerspielen befinden wir uns sozusagen noch auf dem halbem Weg, denn die Diskussion darüber könnte kaum konträrer sein:

Lesedauer:
4 min

Computerspiele: Chancen und Risiken für Jugendliche

Während Kritiker Verrohung und Verdummung durch Computerspiele befürchten, sehen andere darin eine nützliche Beschäftigung, die bestimmte Fähigkeiten fördern kann. Die Antwort liegt wie so oft in der Mitte: Moderater Umgang mit Computerspielen kann sinnvoll sein, sowohl im privaten Raum als auch zunehmend im schulischen Kontext. Problematisch wird es jedoch, wenn Jugendliche der Suchtwirkung digitaler Medien erliegen und die virtuelle Welt der realen vorziehen.

Gängige Vorurteile auf dem Prüfstand

Daphne Bavelier, Professorin für Gehirnforschung an der Universität Genf, untersucht die Wechselwirkung zwischen Computerspielen und kognitiven Fähigkeiten, insbesondere bei Ego- und Third-Person-Shootern. Ihre Studien zeigen:

  • Verbesserte Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und räumliche Orientierung

  • Junge Erwachsene, die Action-Spiele spielen, verfügen über eine längere Aufmerksamkeitsspanne

  • Vorurteile wie Sehschädigung oder Konzentrationsverlust bei moderatem Spielen werden wissenschaftlich nicht bestätigt

Verbesserte Sehfähigkeit und Konzentrationsvermögen

Die Untersuchungen ergaben:

  • Bessere Detailerkennung und Fähigkeit, mehr Graustufen zu unterscheiden

  • Erhöhte Problemlösekompetenz und leichteres Wechseln zwischen Aufgaben

  • Spieldauer: 5 bis 15 Stunden pro Woche

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Regionen des Gehirns, die Aufmerksamkeit steuern, besser entwickelt sind.

Lernerfolg durch Spielspaß

Die Studien bestätigen: Je mehr Freude die Spieler am Spiel haben, desto effektiver sind positive Effekte auf kognitive Fähigkeiten. Dies lässt sich anhand von Gehirnveränderungen nachweisen. Verbesserungen betreffen unter anderem:

  • Räumliche Vorstellung

  • Strategisches Planen

  • Koordinationsvermögen

Australische Forschungen an der RMIT Universität Melbourne zeigen: Schüler, die regelmäßig Online-Spiele nutzen, erreichen bessere Schulnoten. Bei Pisa-Rechenaufgaben erzielten sie bis zu 15 Punkte, in Naturwissenschaften bis zu 17 Punkte mehr als der Durchschnitt. Vergleichsweise schlechter schnitten Schüler ab, die viel Zeit auf sozialen Medien wie Facebook verbrachten.

Gamification im Schulkontext

Gamification bezeichnet den Einsatz spieltypischer Elemente in einem spielfremden Kontext. Spielekonzerne hoffen auf Milliarden-Gewinne, indem sie Eltern versprechen, dass Kinder durch solche Lernspiele bessere Noten erzielen.

  • Derzeit steckt der Einsatz von Lernspielen noch in den Kinderschuhen

  • Lernerfolg lässt sich nicht automatisch vorprogrammieren

  • Langzeitstudien sind notwendig, um Effekte zu überprüfen

  • Motivation durch spielerische Elemente kann Lernprozesse unterstützen, gezielte Anleitung bleibt aber unerlässlich

Fazit: Licht und Schatten

Computerspiele sind nicht unumstritten. Wichtige Punkte:

  • Missbräuchliche Nutzung und negative Folgen können nicht ausgeschlossen werden

  • Eltern sollten Hinweise auf gewalthaltige Spiele ernst nehmen

  • Lehrer können beliebte Online-Spiele gezielt im Unterricht einsetzen, um Motivation zu steigern

  • Spiele wie Civilization oder Assassin’s Creed können Freude am Lernen fördern und Schülern helfen, zwischen Inszenierung und Realität zu unterscheiden

Ein kontrollierter, moderater Einsatz kann somit sowohl kognitive Fähigkeiten stärken als auch die Lernmotivation erhöhen.

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Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Themen:
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Christine Kammerer

Christine Kammerer, Politologin M. A., Heilpraktikerin (Psychotherapie), freie Journalistin und Trainerin. Berufliche Stationen: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Bundeszentrale für politische Bildung, Deutscher Kinderschutzbund.

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