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Nintendo und Co. – Computer- und Videospiele in der Grundschule

Wie viel Bildschirmzeit ist ok? Praktische Tipps fĂĽr Eltern

Mädchen spielt ein Videospiel und hält einen Controller in der Hand
Entwicklung und Erziehung
© Freepik
von Melanie Herber | lernando-Redaktion

Smartphones, SmartTVs, Computer und Spielekonsolen gehören inzwischen selbstverständlich in nahezu jedem Haushalt dazu. Selbst Waschmaschinen, KĂĽhlschränke und Heizungen sind inzwischen "smart". Während sich die Generation der Millennials noch an eine Kindheit mit Röhrenfernseher und VHS-Kassetten erinnert, ist die Welt der Kinder heutzutage von vornherein durchgängig digital. Am Anfang ihrer Entwicklung waren Computer noch klobige und langsame Maschinen, heute sind sie klein und intuitiv: sodass sie mittlerweile jedes Kind bedienen kann. Doch wie viel Zeit sollten Kinder im Grundschulalter vor dem Bildschirm verbringen?

Lesedauer:
6 min

Kinder kommen immer zeitiger mit digitalen Geräten in Kontakt

Einfach mit dem Finger über ein Display wischen und schon folgt der nächste Content. Smartphones und Tablets lassen sich so einfach bedienen, dass sogar schon die Allerkleinsten damit umgehen können. Die Mediennutzung beginnt immer früher und auch der Besitz von eigenen Geräten kommt zeitiger: Viele Kinder im Grundschulalter besitzen schon einen eigenen Computer und oft auch ein Smartphone. Das stellt Eltern vor neue Herausforderungen: wann ist es noch zu früh, wie gehe ich mit Gruppenzwang in der Klasse um, was ist gut für mein Kind?

Der Spielemarkt reagiert

Hersteller von Computer- und Videospielen wissen, dass sich mit dieser immer früheren Mediennutzung auch neue Zielgruppen erschließen. Darauf wurde bereits reagiert: Der Markt bietet eine breite Auswahl an Spielen an, die extra auf die Zielgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen zugeschnitten sind. Ob Autorennen, Tierspiele oder bekannte Marken wie "Minecraft", „Die Eiskönigin“ und „Super Mario“. Alles gibt es für Nintendo, PlayStation, Xbox, usw. Und Kinder lieben es!

Daneben existieren auch digitale Lernspiele, mit denen Kinder bspw. ihre Sprach- oder Rechenkenntnisse trainieren können. Doch inwieweit sind Spielekonsolen für Kinder im Grundschulalter förderlich? Und wo sollten Eltern "beim Zocken" Grenzen setzen?

Vorteile kindgerechter Computer- und Videospiele

Kindgerechte digitale Spiele können die Entwicklung von Grundschulkindern auf vielfältige Weise unterstĂĽtzen. Studien und pädagogische Fachstellen betonen, dass hochwertige Spiele kognitive, soziale und motorische Fähigkeiten fördern können. Deshalb sollten Eltern auf jeden Fall darauf achten, welche Spiele ihre Kinder spielen â€“ es lässt sich also nicht jede Art von Computerspiel ĂĽber einen Kamm scheren.

Kindgerechte Computerspiele können bspw. sogenannte "Serious Games" sein. Diese Spiele können einen positiven Effekt auf die Problemlösungsfähigkeiten und das kritische Denken bei Kindern haben. Medienpädagogische Projekte zeigen, dass digitale Spiele Kindern helfen, Kritikfähigkeit, Eigenverantwortung und kreatives Denken zu entwickeln. Auch die soziale Kompetenz der Kinder kann durch Videospiele gestärkt werden: Viele digitale Spiele fördern Teamwork, Austausch und gemeinsames Entscheiden â€“ ein Aspekt, der besonders in pädagogisch begleiteten Spielumgebungen zum Tragen kommt. Lern-Apps und interaktive Spiele motivieren Kinder, sich intensiver mit Themen auseinanderzusetzen und ergänzen klassische Lernmethoden sinnvoll. AuĂźerdem zeigt sich, dass viele Kinder die Funktionen von Konsolen und Computern, sowie die Spielweise sehr schnell begreifen â€“ häufig sogar schneller als Erwachsene. Sie haben keine Scheu und probieren alles aus. Das stärkt das Selbstbewusstsein bei Erfolgserlebnissen und schult intuitives Herangehen an neue Aufgaben.

Die Ergebnisse einer Studie der University of Rochester zeigen, dass Menschen, die Action-Spiele spielen, die Fähigkeit zum schnelleren Denken entwickeln würden. Wissenschaftlerin Daphne Bavelier erklärte, dass unser Gehirn durch die Spiele visuelle und auditive Prozesse besser verarbeiten könne: „Action-Gamer sind durch Spiele sehr viel präziser und somit schneller. Sie treffen mehrere richtige Entscheidungen, während einer gewissen Zeitspanne.“

Gefahren und Risiken beim Umgang mit digitalen Spielen

Trotz vieler möglicher Vorteile, ist es fĂĽr Eltern häufig keine leichte Entscheidung, dem eigenen Kind Zugang zu Computer- und Videospielen zu ermöglichen. Oft spielt in die WĂĽnsche der Kinder auch sozialer Druck ein, zu einer Gruppe dazuzugehören und mit den eigenen Freund:innen aus der Schule gleichzuziehen. AuĂźerdem können digitale Spiele auch Risiken mit sich bringen. Vor allem die Bildschirmzeit ist ein Risikofaktor fĂĽr die gesunde Entwicklung von Kindern. Der wissenschaftliche Konsens zeigt deutlich, dass Ăśbernutzung, ungeeignete Inhalte oder fehlende Begleitung zu Problemen fĂĽhren können.

Zentrale Gefahren sind bspw. Aufmerksamkeits- und Konzentrationsprobleme. Neurowissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass ĂĽbermäßiges Scrollen und digitale ReizĂĽberflutung das sich entwickelnde Gehirn belasten und die Aufmerksamkeit beeinträchtigen können. Auch emotionale und soziale Belastungen können sich fĂĽr Kinder einstellen: Studien belegen, dass ein hoher Medienkonsum Stress, Einsamkeit oder emotionale Abhängigkeit fördern kann. Das sogenannte Blaulicht der Bildschirme kann zu Schlafproblemen fĂĽhren. Wissenschaftler:innen weisen darauf hin, dass Bildschirmnutzung am Abend Schlafqualität mindert und den Tag-Nacht-Rhythmus stört. FrĂĽhe intensive Bildschirmnutzung steht laut Forschung in Zusammenhang mit einer verzögerten Sprach- und Gehirnentwicklung sowie einer geringeren Emotionsregulation. Auch körperliche Risiken wie Bewegungsmangel oder Haltungsschäden können durch zu viel "Zocken" verursacht werden. Eine exzessive Nutzung kann zu Muskelverspannungen und Nackenproblemen fĂĽhren.

Empfehlung: Wie viel Bildschirmzeit ist fĂĽr Grundschulkinder angemessen?

Offizielle Leitlinien (z. B. AWMF und BZgA) geben klare Orientierung für Eltern. Für Kinder im Grundschulalter gilt:

  • 6 bis 9 Jahre: 30 bis 60 Minuten pro Tag
    (je nach Entwicklungsstand und Inhalt)

  • 9 bis 12 Jahre: 45 bis 60 Minuten pro Tag,
    wobei ein wöchentliches Medienbudget ebenfalls sinnvoll sein kann.

Darunter fällt die Nutzung jeglicher Bildschirme: Handynutzung, Fernsehen, Computer- und Videospiele, etc. Eltern sollten also darauf achten, wie viel Zeit ihre Kinder am Tag in Summe vor diversen Bildschirmen verbringen. Auch die Nutzung von Lernspielen und Lern-Apps zählt dazu.

Zusätzlich gilt:

  • Bildschirmzeit sollte nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen stattfinden.
  • Mediennutzung möglichst begleiten, gemeinsam darĂĽber sprechen, Inhalte bewusst auswählen.
  • Bewegung, soziale Interaktion und offline Aktivitäten mĂĽssen Priorität behalten. Nicht vergessen: Bewegung hilft, das Gelernte aus der Schule besser zu verarbeiten.

Hilfreich könnten feste Computer- oder Spielzeiten sein, die zwischen Kindern und Eltern vereinbart werden. Darüber hinaus ist sehr entscheidend: Eltern sollten stets darauf schauen, welche Spiele die Kinder in Gebrauch haben und ob sie für das jeweilige Alter geeignet sind.

Eltern können ein gutes Vorbild sein

NatĂĽrlich sollten Eltern einen kritischen Blick auf die Mediennutzung ihrer Kinder haben – aber auch auf ihr eigenes Verhalten. Werden Sie also zum guten Vorbild fĂĽr Ihr Kind und legen auch öfter das Handy beiseite.

Gemeinsam medienfreie Zeit genießen: schaffen Sie Familienzeit im Alltag, die ohne Bildschirmnutzung auskommt. Gut geeignet sind gemeinsame Outdoor-Aktivitäten, wie ein Spaziergang im Wald oder ein Nachmittag auf dem Spielplatz. Auch kreative Aktionen, bspw. zusammen zu malen und zu basteln, oder lustige Brettspielrunden sind schöne Ideen für die ganze Familie. All das bietet Zeit für echte Nähe, tolle Gespräche und gegenseitige Wertschätzung. Für die Kleinen ist die gemeinsame Zeit mit den Eltern wertvoll. Hören Sie aufmerksam zu, wenn Ihr Kind von seinem Alltag in der Schule erzählt, von dem Streit mit einem Freund oder der verpatzten Torchance in der Hofpause.

Übrigens, bereits im Frühling 2015 startete die Stadt Frankfurt eine große Plakataktion. Auf den Bildern, die in der gesamten Innenstadt hingen, waren Eltern zu sehen, die auf ihr Smartphone starrten und ihre Kinder dabei ignorierten. „Sprechen Sie lieber mit ihrem Kind“ konnten Passanten auf den Plakaten lesen. Sie können selbst das gute Vorbild sein, was ihr Kind braucht.

Wie erkenne ich, ob mein Kind zu viel am Computer spielt?

Ob ein Kind zu viel spielt, hängt nicht nur von der reinen Spieldauer ab, sondern vor allem davon, wie sich das Spielverhalten auf sein Wohlbefinden, seine Entwicklung und seinen Alltag auswirkt. Wenn Eltern die folgenden wissenschaftlich belegten Warnsignale im Blick haben, können Sie leichter ein problematisches oder übermäßiges Spielverhalten bei ihrem Kind erkennen.

Warnsignale im Verhalten

  • Ihr Kind wirkt oft gereizt oder emotional labil: Studien zeigen, dass zu viel Bildschirmzeit mit emotionaler Ăśberforderung, Reizbarkeit und negativen GefĂĽhlen einhergehen kann.
  • Es reagiert wĂĽtend, wenn das Spielen unterbrochen wird: Starke Frustration oder Konflikte bei SpielabbrĂĽchen sind ein Hinweis, dass das Gehirn mit der ReizĂĽberflutung ĂĽberfordert ist. Neurowissenschaftler:innen weisen darauf hin, dass exzessives Scrollen und Spielen das Belohnungssystem ĂĽberstimuliert, wodurch Kinder impulsiver reagieren können.
  • Ihr Kind verliert das Interesse an anderen Aktivitäten: Ein häufiges Anzeichen fĂĽr problematische Nutzung ist der RĂĽckzug aus vorher geliebten Hobbys. Studien zeigen, dass hohe Bildschirmzeit zu sozialer Isolation und RĂĽckgang realer Sozialkontakte fĂĽhren kann.

Warnsignale im Alltag

  • Die schulischen Leistungen verschlechtern sich: Forschung zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen hoher Bildschirmzeit und schlechterer Konzentration sowie schlechteren schulischen Leistungen.
  • Ihr Kind bekommt Schlafprobleme: Blaues Licht am Abend stört nachweislich den Schlaf. Kinder, die spät noch spielen, zeigen häufiger Schlafstörungen, MĂĽdigkeit und Konzentrationsprobleme am Folgetag.
  • Ihr Kind weist körperliche Beschwerden auf: Zu viel Sitzen und monotone Körperhaltungen beim Spielen können zu Haltungsproblemen, Nacken- und Kopfschmerzen fĂĽhren.

Warnsignale in der Mediennutzung selbst

  • Ihr Kind spielt heimlich weiter: Wenn Kinder anfangen, sich ĂĽber Regeln hinwegzusetzen oder heimlich nachts spielen, ist das ein klares Risikozeichen – häufig auch Vorstufe einer Medienabhängigkeit. Offizielle Leitlinien warnen davor, dass unkontrollierte Nutzung zu Abhängigkeitstendenzen fĂĽhren kann.
  • Es wird immer mehr Spielzeit gefordert: Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass jedes zusätzliche Bildschirmangebot das Verlangen weiter verstärken kann – ein Muster, das in Studien ĂĽber Medienabhängigkeit bei Kindern klar beschrieben ist.

Wenn Ihr Kind mehr Zeit vor Bildschirmen verbringt als empfohlen und dazu mehrere der oben genannten Warnsignale zeigt, ist das ein ernstzunehmender Hinweis auf übermäßiges Spielen.

Wohin können sich Eltern wenden, wenn der Verdacht auf problematisches Spielverhalten vorliegt

Wenn Eltern den Eindruck haben, dass ihr Kind spielsüchtig oder gefährdet sein könnte, gibt es mehrere professionelle und verlässliche Anlaufstellen, die Unterstützung bieten. Dies sind drei seriöse Wege:

  • Präventions‑ und Beratungsstellen
    • bspw. die Initiative OFFLINE HELDEN
  • Kinderärzt:innen & Psychologische Fachstellen
    • Erste Anlaufstelle fĂĽr Einschätzung, Diagnose und Weitervermittlung
  • Lokale Erziehungs- und Familienberatungsstellen
    • UnterstĂĽtzen bei problematischer Mediennutzung und familiären Konflikten

Was Eltern präventiv tun können

âś” Gemeinsam Regeln festlegen – klare Zeiten, feste bildschirmfreie Zonen (z. B. beim Essen, vor dem Schlafengehen).
✔ Interesse zeigen und gemeinsam Inhalte anschauen, um Medienkompetenz zu stärken.
✔ Geräte aufbewahren, wenn sie nicht genutzt werden (z. B. im Schrank).
✔ Alternative Aktivitäten fördern: Spielplatz, Sport, Basteln, Freunde treffen.

 

Quellen:

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Ăśber den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Melanie Herber

Melanie Herber hat Medienwissenschaften, Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation in Leipzig und Würzburg studiert. Ihr beruflicher Werdegang ist von verschiedenen Etappen in der Bildungswelt geprägt: Hochschulkommunikation, Bildungsministerium, Bildungsmedienverlag. Sie ist Teil der Redaktion von lernando aus dem Hause Westermann.

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