Mobbing und Bullying in Kita und Grundschule
Mobbing und Bullying in Kita und Grundschule
Mobbing bzw. Bullying unter Kindern in Schulen ist seit geraumer Zeit ein Thema, das vonseiten der Medien, aber auch von pädagogischen Fachkräften und Lehrkräften sowie von Eltern diskutiert wird. Doch gibt es Formen von Bullying auch schon in der Kita und in der Grundschule? Was sollten Eltern und die Pädagoginnen und Pädagogen in den Einrichtungen unternehmen, um Mobbing unter Kindern entgegenzutreten - und diesem vorzubeugen? Unsere Autorin Alexandra v. Plüskow-Kaminski hat erste Ansätze zusammen getragen.
Was bedeutet Mobbing bzw. Bullying?
Der Begriff Mobbing wurde in den 1960er‑Jahren vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz geprägt und leitet sich vom englischen to mob ab – also angreifen, schikanieren, bedrängen. Im schulischen Kontext spricht man heute häufig von Bullying. Gemeint ist ein systematisches Verhalten, bei dem ein Täter oder eine Täterin – oft zusammen mit weiteren Beteiligten – ein Kind über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig verletzt oder erniedrigt.
Mobbing kann direkt auftreten, etwa durch Auslachen, Hänseln oder körperliche Übergriffe, oder indirekt, etwa durch das Verbreiten von Gerüchten. In späteren Kindheitsjahren kommt häufig Cybermobbing hinzu, beispielsweise über soziale Netzwerke.
Gesundheitliche Anzeichen
Regelmäßige Mobbinghandlungen wirken sich häufig auch körperlich oder emotional aus. Kinder können stiller, zurückgezogener oder ängstlicher wirken, weniger über ihren Alltag berichten oder häufiger über Beschwerden wie Bauch‑ und Kopfschmerzen klagen. All dies können Hinweise sein, dass ein Kind belastende Erfahrungen macht und Unterstützung braucht.
Gespräche und Zusammenarbeit
Dialog im familiären Umfeld
Wenn sich das Verhalten eines Kindes verändert, sollte zunächst das Gespräch gesucht werden. Eltern können behutsam schildern, welche Veränderungen sie wahrnehmen, und nachfragen, ob etwas belastet. Wichtig ist, alle Gefühle des Kindes ernst zu nehmen und Raum für ehrliche Antworten zu lassen.
Zusammenarbeit mit Schule oder Kita
Im nächsten Schritt sollte Kontakt zu pädagogischen Fachkräften aufgenommen werden. Ein Austausch über beiderseitige Beobachtungen hilft, die Situation besser einzuschätzen. Gleichzeitig werden pädagogische Teams sensibilisiert, um mögliche Angriffe zu erkennen und konsequent zu unterbinden. Häufig ist es sinnvoll, dass die Lehrkraft weitere Kolleginnen und Kollegen sowie die Leitung informiert, damit abgestimmt vorgegangen werden kann.
Arbeit mit der Kindergruppe
In der Gruppe gilt ein konsequentes Vorgehen gegen Mobbing. Pädagoginnen und Pädagogen sollten klare Regeln vereinbaren und diese sichtbar machen. Bei wiederholten Übergriffen hilft ein festgelegter Maßnahmenkatalog, der allen Kindern transparent kommuniziert wird.
In manchen Fällen kann es notwendig sein, externe Unterstützung einzubeziehen, beispielsweise Schulpsychologinnen und Schulpsychologen, spezialisierte Interventions‑Teams oder kommunale Beratungsstellen.
Präventionsarbeit
Prävention setzt früh an. Zentral sind klare Regeln, eindeutige Signale und Erwachsene, die als Ansprechpartner auf Augenhöhe bereitstehen. Kinder sollten ermutigt werden, Grenzen zu benennen und sich zu wehren – etwa durch ein deutliches Stopp.
Für Kita und Grundschule existieren etablierte Programme, die Kinder stärken und soziale Kompetenzen fördern. Zwei Beispiele sind Sicher‑Stark und Faustlos. Ältere Grundschulkinder können zudem als Konfliktlotsen ausgebildet werden. Ein weiteres Angebot ist Seniorpartner in School (SIS), bei dem Seniorinnen und Senioren ehrenamtlich Mediation anbieten.
Wesentlich bleibt die enge Zusammenarbeit von Eltern, pädagogischen Teams und externen Fachkräften. Gemeinsame Strategien, Informationsabende oder moderierte Austauschrunden unterstützen dabei, Konflikte frühzeitig zu erkennen und professionell einzugreifen.
Ein sicherer Rahmen für Kinder
Kinder brauchen eine geschützte Atmosphäre – im Elternhaus wie in der Kita oder Schule. Nur wenn sie Vertrauen haben und sich auf die Unterstützung ihrer Bezugspersonen verlassen können, werden sie über Belastungen sprechen. Dieser sichere Rahmen ist entscheidend, um Mobbing vorzubeugen oder bestehende Situationen zu stoppen.
Beispiel aus der Praxis: PERLE in Walsrode
In Walsrode und der Vogelparkregion setzt das Projekt PERLE seit über vier Jahren auf die Stärkung von Wahrnehmungs‑ und Dialogkompetenz. Rund 50 pädagogische Fachkräfte und Lehrkräfte arbeiten daran, Übergänge von der Kita in die Grundschule nachhaltig zu gestalten und Kinder bestmöglich zu begleiten. Damit werden etwa 900 Kinder erreicht.
Das Projekt erweitert seinen Blick zudem international: Über ein ERASMUS+‑Vorhaben werden Impulse aus Österreich und Polen einbezogen, darunter Programme zur Lebenskompetenzförderung sowie praxisnahe Modelle zur inklusiven Ausbildung pädagogischer Fachkräfte.
Zuletzt geändert am 27.02.2026
Alexandra von Plüskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tätig. Dabei war sie u.a. zuständig für die Übergänge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterführende Schule. Seit März 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum Lüneburg.