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Mobbing und Bullying in Kita und Grundschule

Ein Kind steht allein, alle Anderen lachen es aus
Entwicklung und Erziehung
© Christian Schwier - Fotolia.com
von Alexandra von PlĂŒskow - Kaminski

Mobbing bzw. Bullying unter Kindern in Schulen ist seit geraumer Zeit ein Thema, das vonseiten der Medien, aber auch von pĂ€dagogischen FachkrĂ€ften und LehrkrĂ€ften sowie von Eltern diskutiert wird. Doch gibt es Formen von Bullying auch schon in der Kita und in der Grundschule? Was sollten Eltern und die PĂ€dagoginnen und PĂ€dagogen in den Einrichtungen unternehmen, um Mobbing unter Kindern entgegenzutreten - und diesem vorzubeugen? Unsere Autorin Alexandra v. PlĂŒskow-Kaminski hat erste AnsĂ€tze zusammen getragen.

Lesedauer:
4 min

Mobbing - Bullying - eine Definition

Der Begriff des Mobbing wurde in den Sechzigerjahren durch den Verhaltensforscher Konrad Lorenz geprĂ€gt. Der Begriff „to mob“ stammt aus dem Englischen und heißt ĂŒbersetzt „jemanden angreifen, jemanden schikanieren, jemanden bedrĂ€ngen.“Er bedeutet, dass ein TĂ€ter bzw. eine TĂ€terin - hĂ€ufig gemeinsam mit weiteren (Mit-) TĂ€tern und (Mit-) TĂ€terinnen ein Opfer ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg (ca. ein halbes Jahr) mindestens ein Mal pro Woche piesackt.
Im schulischen Kontext spricht man mit Blick auf Mobbing unter Kindern hĂ€ufig inzwischen von „Bullying.“
Mobbing- bzw. Bullying-Handlungen können sowohl direkt sein (Auslachen, HĂ€nseln, körperliche Attacken, etc.), aber auch indirekt wie etwa das Streuen von GerĂŒchten ĂŒber das betroffene Kind. In spĂ€teren Kindheitsjahren und in der Jugend kommt dann auch das Cybermobbing - etwa ĂŒber soziale Netzwerke - hinzu.

Gesundheitliche Auswirkungen

Die regelmĂ€ĂŸigen Mobbing-Attacken zeigen sich in den meisten FĂ€llen durch gesundheitliche Auswirkungen. Ist Ihr Kind schweigsamer und zurĂŒckgezogener als sonst? ErzĂ€hlt es weniger aus dem Kindergarten bzw. aus der Schule? Leidet es in der letzten Zeit öfter unter körperlichen Symptomen wie etwa Bauch- oder Kopfschmerzen? Hat es Angst, in die Kita oder Schule zu gehen? Ist sein Selbstbewusstsein deutlich angeschlagen?

Den Dialog suchen

Wenn Sie solche VerĂ€nderungen an Ihrem Kind bemerken, dann sollten Sie zunĂ€chst das GesprĂ€ch mit ihm suchen. Schildern Sie ihm, dass Sie das GefĂŒhl haben, es wĂ€re in der letzten Zeit bedrĂŒckt. Fragen Sie, ob und was es belasten könnte. Nehmen Sie Ihr Kind in all seinen GefĂŒhlen ernst.
Suchen Sie darĂŒber hinaus in jedem Fall das GesprĂ€ch mit den pĂ€dagogischen FachkrĂ€ften in der Kita und der Schule. Bitten Sie diese darum, ihre Wahrnehmungen zu schildern. ErlĂ€utern Sie, welche Beobachtungen Sie machen - und bitten Sie die pĂ€dagogische Fachkraft oder Lehrkraft um ihre EinschĂ€tzung.
Besprechen Sie darĂŒber hinaus, wie Sie gemeinsam weiter vorgehen werden. Die pĂ€dagogische Fachkraft bzw. Lehrkraft muss in manchen FĂ€llen die Situation beobachten, um sie einschĂ€tzen zu können. Dabei ist sie nun aber sensibilisiert fĂŒr mögliche Attacken innerhalb der von ihr zu betreuenden Gruppe und sollte klar gegen diese vorgehen. Sie sollte alle anderen pĂ€dagogischen FachkrĂ€fte und LehrkrĂ€fte, SozialpĂ€dagoginnen und SozialpĂ€dagogen sowie im besten Fall die Leitung der Einrichtung informieren, damit geschlossen gegen ein mögliches Mobbing vorgegangen werden kann.

Mit den Kindern arbeiten

Innerhalb der Kindergruppe sollte einem Mobbing klar entgegen getreten werden. Dabei ist es wichtig, dass die PĂ€dagoginnen und PĂ€dagogen Mobbinghandlungen sofort unterbinden. HierfĂŒr sollten im Team strikte Regeln aufgestellt werden. Auch sollte ein Maßnahmenkatalog erstellt werden, der greift, wenn die Mobbing-TĂ€ter und -TĂ€terinnen nicht aufhören. Diese Maßnahmen sollten allen Kindern transparent gemacht werden.
In manchen FĂ€llen ist es ratsam, Expertinnen bzw. Experten von außen hinzuzuziehen wie etwa den Schulpsychologischen Dienst, ein so genannte Mobbing-Interventions-Team (oftmals vonseiten des Landes angeboten) oder die Erziehungsberatungsstellen, die in vielen Kommunen als Ansprechpartner vorhanden sind.

PrÀvention

Sehr wirksam ist es, frĂŒhzeitig mit PrĂ€ventionsmaßnahmen dem Entstehen eines Mobbings vorzubeugen. Wichtig sind hierbei klare Regeln innerhalb der Kindergruppe. Die Kinder sollten dafĂŒr sensibilisiert werden, Dinge, die ihnen unangenehm sind, zu benennen und diesen entgegen zu treten. HierfĂŒr sollte es eindeutige Signale geben, die fĂŒr alle gelten. So etwa ist sofort aufzuhören, wenn ein Kind durch das Sagen von „Stopp!“ dem Geschehen Einhalt gebietet. Übertreten andere Kinder diese Grenzen, so ist es wichtig, dass die pĂ€dagogischen FachkrĂ€fte oder LehrkrĂ€fte als Ansprechpersonen auf Augenhöhe bereit sind, damit sie das Kind unterstĂŒtzen können.
Sowohl fĂŒr die Kita als auch fĂŒr die Grundschule gibt es PrĂ€ventionsangebote, die schon mit jĂŒngeren Kindern geĂŒbt werden können. Solche Programme sind etwa: Sicher-Stark und Faustlos. Ältere Kinder können sich in Grundschulen darĂŒber hinaus zu Konfliktlotsen ausbilden lassen. Ein weiteres niedrigschwelliges Angebot ist das Programm Seniorpartner in School (SIS- www.seniorpartnerinschool.de ). Seniorinnen und Senioren bieten in Schulen innerhalb fester Sprechstunden ehrenamtliche Mediation an.
Wichtig ist immer die Zusammenarbeit von Elternhaus und Einrichtung. Laden Sie externe Expertinnen und Experten zu Informationsveranstaltungen ein. Entwickeln Sie im erweiterten Team oder in der Strategiegruppe der Einrichtung gemeinsam eine Strategie gegen Mobbing in der Einrichtung - etwa unter Moderation eines Experten oder einer Expertin. Wichtig ist auch die eigene Achtsamkeit im Umgang mit möglichen Konflikten und auch bei Mobbing-Attacken.

Wichtig bleibt zweifellos, dass es wichtig ist, Kindern eine geschĂŒtzte AtmosphĂ€re sowohl im Elternhaus als auch in der Kita oder in der Schule zu bieten, damit es Raum findet und Vertrauen hat, sich mit seinen Sorgen und Nöten zu Ă€ußern. Es muss sich auf den absoluten RĂŒckhalt seiner Vertrauenspersonen verlassen können. Nur so kann Mobbing vorgebeugt und ggf. Einhalt geboten werden.



PERLE in Walsrode und in der Vogelparkregion

Eine offene und dialogfÀhige Haltung ist das A und O, um Mobbing in Kita und Grundschule vorzubeugen oder diesem Einhalt zu gebieten.
Das Projekt PERLE in Walsrode und in der Vogelparkregion setzt in diesem Kontext seit nunmehr viereinhalb Jahren auf die Faktoren „Wahrnehmungs- und Dialogkompetenz.“ Mit Erfolg - ca. 50 pĂ€dagogische FachkrĂ€fte und LehrkrĂ€fte nehmen seither an dem Netzwerk teil. Erreicht werden damit rund 900 Kinder vor Ort. Alle FachkrĂ€fte und LehrkrĂ€fte arbeiten gezielt daran, den wichtigen Übergang von der Kita in die Grundschule fĂŒr jedes Kind in der Region - nicht nur mit Blick auf mögliches Mobbing - umfassend und nachhaltig gelingend zu gestalten.
Um sich europĂ€isch zu öffnen und internationale Impulse zu sammeln, hat das Projekt sich erfolgreich um eine Förderung der EU beworben und wird im Rahmen eines ERASMUS +-Projektes Impulse u.a. in Österreich sammeln (Gemeinsam stark werden - das Lebenskompetenzprogramm fĂŒr die Volksschule) und in Polen (Ausbildung pĂ€dagogischer FachkrĂ€fte und LehrkrĂ€fte mit dem Schwerpunkt Inklusion „Kita und Grundschule unter einem Dach“).

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Alexandra von PlĂŒskow-Kaminski

Alexandra von PlĂŒskow-Kaminski hat mehr als 20 Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet und war als Fachberaterin tĂ€tig. Dabei war sie u.a. zustĂ€ndig fĂŒr die ÜbergĂ€nge von der Kita in die Grundschule und von der Grundschule in die weiterfĂŒhrende Schule. Seit MĂ€rz 2022 koordiniert sie das Sprachbildungszentrum LĂŒneburg.

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