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Null Bock auf nichts

Jugendliche schaut demotiviert auf einen Stapel BĂŒcher
Entwicklung und Erziehung
© luckybusiness - Fotolia.com
von Manon Sander

Eigentlich stammt dieser Spruch aus den 80er Jahren, aber manche Eltern finden ihn zu ihrem Leidwesen plötzlich bei den eigenen Kindern im Verhalten wieder. Das Zimmer wird nicht aufgerÀumt, der Ranzen landet nach dem Schulbesuch in der Ecke, die Schulleistungen sinken ab. Freunde sind vielleicht abgeschrieben oder man trifft sich plötzlich irgendwo und die Eltern werden nicht informiert.

Lesedauer:
3 min

Entwicklung und plötzliche VerÀnderungen

Individuation in der Kindheit

Kinder verĂ€ndern sich, wĂ€hrend sie Schritt fĂŒr Schritt zu eigenstĂ€ndigen Persönlichkeiten werden. In den ersten Lebensmonaten empfinden sich Babys noch als Einheit mit den Eltern. Erst nach und nach erkennen sie sich als eigene Person und wollen zunehmend Dinge allein tun. Diese Entwicklung kann besonders im Kindergartenalter bis zum Schuleintritt sehr plötzlich auftreten, wird von Eltern jedoch meist als positiver Fortschritt wahrgenommen.

PubertÀt und Hinterfragen

Mit Beginn der PubertĂ€t verschiebt sich der Fokus: Kinder möchten nicht nur mehr EigenstĂ€ndigkeit, sondern beginnen auch, Entscheidungen der Eltern kritisch zu hinterfragen. Sie wehren sich gegen bisher SelbstverstĂ€ndliches – etwa die kindlichen Farben im Zimmer, den bevorzugten Kleidungsstil oder die bisherigen Hobbys.

Dauer und Auswirkungen

Unterschiedliche Zeitspannen

Solche Phasen können ganz unterschiedlich lange dauern. Manche Kinder durchlaufen sie nur kurz, bei anderen ziehen sie sich ĂŒber Wochen oder Monate hin. FĂŒr viele entwickelt sich daraus eine lĂ€nger anhaltende Haltung, die ihnen selbst wie auch dem Umfeld einiges abverlangt.

Belastung der Beziehung

Diese VerĂ€nderungen können die Beziehung zwischen Eltern und Kindern spĂŒrbar belasten. Der Umgang mit neuen WiderstĂ€nden und Unsicherheiten erfordert viel Geduld und VerstĂ€ndnis – sowohl vonseiten der Eltern als auch der Kinder.

Faktoren im Alltag

Schule als Stressfaktor

Die Schule stellt heute hohe Anforderungen: SelbststĂ€ndiges Arbeiten, umfangreiche Wissensvermittlung, der Umgang mit Computern sowie das Bestehen in Gruppen mit eigenen Regeln. Entstehen hier Schwierigkeiten, sollten Eltern ihr Kind unterstĂŒtzen statt bestrafen. Nachhilfe kann hilfreich sein – vorausgesetzt, das VerhĂ€ltnis zwischen Kind und Nachhilfelehrer stimmt.

Nachmittagsprogramm

Viele Kinder haben Nachmittagsprogramme, die einem kompletten Arbeitstag Ă€hneln. Instrumente wollen tĂ€glich geĂŒbt, Sportarten regelmĂ€ĂŸig besucht und zusĂ€tzliche Kurse absolviert werden. Das kann sehr anstrengend werden. Vielleicht mag das Kind zwar Musik, aber nicht das gewĂ€hlte Instrument, oder der zeitliche Aufwand ist zu hoch. Ein offenes GesprĂ€ch hilft, die Nachmittage neu zu strukturieren und echte Freizeit einzuplanen.

Interessen und SelbststÀrkung

Interessen fördern

Manche Kinder haben bislang keine FreizeitaktivitĂ€ten. Hier lohnt es sich, gemeinsam herauszufinden, was ihnen Freude macht, und diese Interessen gezielt zu fördern. Das kann ein Modedesign-Kurs in der Volkshochschule sein, eine Minecraft-Gruppe im Jugendzentrum, eine neue Sportart oder etwas völlig anderes. Wichtig ist, dass der Fokus auf neuen Erfahrungen liegt, in denen das Kind Erfolg und Spaß erleben kann.

StÀrkung des Selbstwerts

Jugendliche sind oft unsicher: Kommt die neue Hose gut an? Welche Musik ist „cool“? HĂ€ufig ist die Meinung der anderen wichtiger als die eigene – und auch wichtiger als die der Eltern. Gerade jetzt mĂŒssen sie lernen, ihre eigenen StĂ€rken zu erkennen. Eltern können unterstĂŒtzen, indem sie darauf achten, dass ihr Kind sich nicht durch auffĂ€llige Kleidung ausgeschlossen fĂŒhlt. Gleichzeitig sollten Jugendliche ermutigt werden, zu ihrer Meinung zu stehen.

Umgang im Familienalltag

Austausch unter Eltern

Eltern kennen sich oft schon seit Jahren. Ein Austausch kann helfen, unterschiedliche Perspektiven zu sammeln und die Situation besser einzuordnen. Auch gemeinsame Unternehmungen können entspannend wirken und NÀhe schaffen.

Ruhe bewahren

Wenn sich die VerĂ€nderung als Phase zeigt, die nach einigen Tagen oder Wochen abflaut, besteht kein Grund zur Sorge. Der Prozess des Abnabelns ist normal und gehört zum Erwachsenwerden. Eltern sollten lernen, die Botschaften hinter GefĂŒhlsausbrĂŒchen wahrzunehmen – und manches auch bewusst zu ĂŒberhören.

Bedeutung der Elternrolle

Gerade in der PubertĂ€t sind Eltern besonders wichtig. Reibereien gehören dazu. Einerseits braucht es VerstĂ€ndnis, andererseits klare und nachvollziehbare Grenzen – etwa begrenzte Bildschirmzeiten, Beteiligung im Haushalt oder gemeinsame Mahlzeiten. Diese Regeln werden immer wieder ĂŒberschritten. Umso wichtiger sind GesprĂ€che, in denen Eltern erklĂ€ren, warum bestimmte Aufgaben notwendig sind. Oft ist das GesprĂ€ch anstrengender als die Aufgabe selbst.

Aber auch hier gilt: Ruhe bewahren – es geht vorĂŒber.

Zuletzt geÀndert am 17.02.2026

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Themen:
PubertÀt
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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Manon Sander

Manon Sander ist Mutter von 6 Kindern und außerdem Autorin fĂŒr Fach- und KinderbĂŒcher.

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