Direkt zum Inhalt

Grenzen setzen in der PubertÀt

Mutter streitet mit Tochter
Entwicklung und Erziehung
© VadimGuzhva - Fotolia.de
von Ulrike Lindner

Statt wie vereinbart um 23:00 Uhr, kommt Elisa erst um 00:30 Uhr nach Hause. Kevin spielt stundenlang am Computer und lĂ€sst sich nicht davon abbringen und Luisa geht an die Decke, wenn ihre Mutter sie bittet, die Musik leiser zu stellen. In der PubertĂ€t kommt es in vielen Familien zu Ă€hnlichen Situationen – und Eltern stehen oft rat- und hilflos vor der zugeknallten TĂŒr ihrer Jugendlichen.

Lesedauer:
3 min

Zwischen Freiraum und Grenzen

Vielen Eltern ist durchaus bewusst, dass sich mit dem Erwachsenwerden einiges Ă€ndert. Kinder brauchen die Möglichkeit, sich selbst auszuprobieren und grĂ¶ĂŸeren Freiraum zu erleben. Andererseits tragen MĂŒtter und VĂ€ter nach wie vor die Verantwortung fĂŒr ihre Kinder und wĂŒnschen sich nicht zuletzt ein harmonisches Familienleben.

Doch auch wenn es oft schwierig und frustrierend sein kann: Grenzen sind auch in der PubertĂ€t unverzichtbar. Jugendliche brauchen sie als Orientierung in einer Zeit, in der sie sich selbst oft komplett neu erleben. Grenzen und Regeln, aber auch Rituale und feste FamilienbrĂ€uche zeigen ihnen, in welchen Bahnen und in welche Richtung sie sich bewegen können, ohne sie gleichzeitig allzu sehr einzuengen. Dazu mĂŒssen die Regeln, die in jeder Familie gelten, je nach Entwicklungsstand der Kinder immer wieder einmal ĂŒberprĂŒft und neu ausgehandelt werden.

Eigene Werte ĂŒberprĂŒfen und klar kommunizieren

Eltern sind dabei zuallererst selbst gefordert: Sie mĂŒssen sich klar darĂŒber sein, welche Regeln ihnen wichtig sind und wo Spielraum vorhanden ist. Nur dann können verbindliche Regeln auch klar und eindeutig kommuniziert werden. Bei einigen Sachverhalten können sich Eltern dann vielleicht auf den Blickwinkel ihres Kindes einstellen, zum Beispiel wenn es um mehr PrivatsphĂ€re, den tĂ€glichen Computerkonsum, das AufrĂ€umen des Zimmers oder das Erledigen bestimmter Aufgaben im Haushalt geht. In anderen Bereichen können Jugendliche Gefahren noch nicht ausreichend einschĂ€tzen. Wenn es daher um Regeln in Hinblick auf Alkohol oder Drogen geht, mĂŒssen Eltern konsequent sein und bleiben.

Im GesprĂ€ch sollten Sie VorwĂŒrfe und Drohungen vermeiden und lieber freundlich und ruhig bleiben. Vorgaben wie „Ich möchte, dass du dich an unsere Verabredung hĂ€ltst und zum ausgemachten Zeitpunkt nach Hause kommst“, werden am besten in der Ich-Form formuliert. GesprĂ€che ĂŒber Regeln können dann als Dialog stattfinden, bei dem Jugendliche auch eigene VorschlĂ€ge einbringen können, nicht als Befehle, die Eltern an ihre Kinder weitergeben.

Konflikte gehören dazu

Streit und Auseinandersetzung sind natĂŒrlich trotzdem nicht auszuschließen. Sie gehören in gewisser Weise sogar zum Erwachsenwerden und zum Ablöseprozess dazu. Damit der (not-wendige) Streit mit den Eltern ĂŒberhaupt stattfindet, mĂŒssen diese immer wieder Offenheit und GesprĂ€chsbereitschaft zeigen und gleichzeitig den eigenen Standpunkt klar vertreten. Experten betonen immer wieder, dass Reibungen und Konflikte zum Erwachsenwerden gehören – und dass sie nur stattfinden können, wenn Eltern ihnen nicht durch zu lasche Regeln oder kumpelhaftes Verhalten um jeden Preis ausweichen.

Vor allem: Das oft abweisende Verhalten der Kinder sollte nicht als Angriff erlebt werden, sondern als Entwicklungsstufe auf dem Weg zum Erwachsenen. Nur wenn auffĂ€lliges Verhalten sich hĂ€uft, wenn sich Pubertierende ĂŒber Monate hinweg abkapseln, unter Ängsten leiden, Drogen nehmen oder gewalttĂ€tig werden, kann eine Erziehungsberatungsstelle helfen.

Beitrag teilen:
Themen:
PubertÀt
Erwachsenwerden
Jugendliche
Konflikte
Streit
Pubertierende
Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der KĂŒnste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

Weitere BeitrÀge lesen