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Hausaufgaben am Computer

Wie Laptop, Smartphone und Tablet unterstützen können

Ein Junge macht seine Hausaufgaben vor seinem Laptop
Wissen und Bildung
© Freepik
von Melanie Herber | lernando-Redaktion

Smartphone, Tablet oder Notebook gehören für Kinder und Jugendliche zum Alltag. Sie wachsen ganz selbstverständlich mit digitalen Medien heran und nutzen diese nicht nur in der Freizeit, sondern zunehmend auch für die Schule. Sogar Hausaufgaben werden immer öfter am Computer erledigt. Was Eltern dabei im Blick behalten sollten, erfahren Sie hier.

Lesedauer:
5 min

Hausaufgaben digital erledigen: Chance oder Risiko?

Digitale Medien gehören längst zum Alltag unserer Kinder – und damit auch zum Lernen. Viele Eltern fragen sich heute, ob Hausaufgaben am Computer eher eine Erleichterung oder eine Belastung darstellen. Während digitale Werkzeuge den Schulalltag moderner und effizienter machen können, warnen Fachleute zugleich vor den Risiken einer zunehmenden Bildschirmzeit und möglichen Lerneinbußen, etwa wenn handschriftliches Arbeiten zu kurz kommt.

Im pädagogischen Diskurs zeigt sich ein gemischtes Bild: Studien belegen sowohl positive Effekte, zum Beispiel durch schnelleres Feedback digitaler Lernprogramme, als auch Herausforderungen wie Ablenkungsgefahr und Qualitätsunterschiede bei Online-Inhalten.

Als Eltern stehen Sie damit vor der Aufgabe, die passenden Lernwege für Ihr Kind zu finden – und eine Balance zu schaffen zwischen digitalen Vorteilen und wichtigen analogen Lernerfahrungen.

Die folgende Pro‑/Contra-Aufstellung soll Ihnen helfen, informierte Entscheidungen zu treffen und Ihr Kind kompetent beim Lernen zu begleiten.

Pro-Argumente: Hausaufgaben am Computer

  1. Schnellere Recherche & Zugang zu Informationen: Kinder können schnell Informationen im Internet finden, was effizienteres Arbeiten ermöglicht.
  2. Einfaches Korrigieren & flexibleres Arbeiten: Texte lassen sich leichter überarbeiten, verändern, speichern und versenden. Dies erhöht Effizienz und Motivation.
  3. Unterstützung durch digitale Lernprogramme: Adaptive Lernsysteme können sofortiges Feedback geben, Fehler erkennen und passgenaue Wiederholungen anbieten – ein Vorteil besonders beim Üben von Vokabeln, Mathe oder Grammatik.
  4. Entlastung für Eltern und Lehrkräfte: Digitale Programme können einen Teil der Kontrolle und Besprechung übernehmen, was Stress reduziert.
  5. Förderung digitaler Kompetenzen: Da digitale Medien in Schule und Beruf immer wichtiger werden, lernen Kinder frühzeitig Recherchefähigkeiten, Textverarbeitung und Medienkompetenz.

Contra-Argumente: Hausaufgaben am Computer

  1. Gefahr von Ablenkungen: Recherchen am Computer können leicht in Surfen, Gaming oder Social Media ausarten.
  2. Verlust von Handschrift‑ und Rechtschreibkompetenz: Beim Tippen trainieren Kinder weniger die feinmotorischen Prozesse der Handschrift; die Lernwirkung durch Schreiben von Hand kann höher sein. Außerdem korrigiert die Autokorrektur oft automatisch – zu Lasten der Rechtschreibsicherheit.
  3. Mehr Bildschirmzeit: Hausaufgaben digital zu erledigen kann die ohnehin hohe Bildschirmzeit weiter steigern – mit möglichen Folgen für Konzentration, Schlaf und Wohlbefinden.
  4. Kommerzielle oder unzuverlässige, fehlerhafte Online-Angebote: Viele Lernplattformen verfolgen wirtschaftliche Interessen und Inhalte sind nicht immer korrekt oder lehrplankonform. Dies erfordert Medienkompetenz und Kontrolle durch Erwachsene.
  5. Erschwerte Kontrolle der Eigenleistung: Für Lehrkräfte wird es schwieriger zu beurteilen, ob Aufgaben selbst erledigt wurden, per Copy‑Paste eingefügt wurden oder gar von einer KI stammen.
  6. Nicht alle Kinder haben gleichen Zugang zu Geräten: Technische Ausstattung ist ungleich verteilt; nicht alle Familien haben die gleichen Ressourcen. Dadurch haben nicht alle Kinder die gleichen Möglichkeiten. Dies führt zu neuen sozialen Unterschieden.

Zusammenfassung der Vor- und Nachteile

Hausaufgaben am Computer bieten großes Potenzial, vor allem durch schnelle Informationen, hilfreiche Lernprogramme und die Förderung digitaler Kompetenzen. Gleichzeitig bringen sie Risiken wie Ablenkung, zunehmende Bildschirmzeit oder den Verlust handschriftlicher Fähigkeiten mit sich.

Eine Mischform (Blended Learning) wird von vielen Expert:innen als sinnvoll angesehen: Digitale Aufgaben dort, wo sie Vorteile bieten, und analoge Übungen für Handschrift, Vertiefung und Konzentration.

Schreibkompetenzen am Computer

Als ergänzende Übung zur handschriftlichen Arbeit können Hausaufgaben am Computer für Kinder und Jugendliche sinnvoll sein. Immerhin wird der routinierte Umgang mit dem Rechner spätestens in der Berufsausbildung oder an der Universität vorausgesetzt. In vielen Vorlesungen fertigen Studierende ihre Mitschriften ausschließlich am Laptop an. Auch Referate werden selbstverständlich digital, bspw. als Power-Point-Präsentation, vorgetragen – häufig schon in der Schule.

Um problemlos am Rechner schreiben zu können, bedarf es einiger Übung. Kinder und Jugendliche, die als Digital Natives aufgewachsen sind, bringen hier bereits viel Erfahrung und entsprechende Kenntnisse mit. Gerade bei längeren Erörterungen oder Interpretationen bietet es sich an, mit dem Computer zu arbeiten. Einerseits lassen sich Änderungen im Aufbau und der Struktur problemlos einfügen. Andererseits können Features, wie bspw. die Rechtschreib- und Grammatikprüfung, auf Fehler im Text aufmerksam machen.

Vorbereitungen am Computer

Das Internet ist zur Informationsquelle Nummer 1 geworden. Der Begriff "Lexikon" ist Kindern durch digitale Wissensplattformen geläufig, wird aber kaum noch in Verbindung mit einem dicken Buch gebracht.

Durch den Computer hat sich Recherchearbeit grundlegend verändert und viele neue Möglichkeiten erhalten. Schnell eine Jahreszahl googeln oder die Biografie einer Schriftstellerin abrufen – das hilft Schüler:innen bei der Vorbereitung auf ein Referat oder einen Test. YouTube und Social-Media-Plattformen bieten inzwischen auch eine Menge Lern-Content von Lehrkräften, Studierenden oder gar Schüler:innen selbst, passend für die jungen Zielgruppen.

Dabei werden, laut der aktuellen Studie KIM-Studie („Kindheit, Internet, Medien“), auch Online-Videos zum Thema Schule von vielen Kindern genutzt. Für die Untersuchung wurden circa 1200 Kinder im Alter zwischen 6 und 13 Jahren und deren Erziehungsberechtigte befragt. 62 % der Teilnehmenden gaben in der Studie an, mindestens einmal pro Woche das Internet zu nutzen. Ganze 70 % schauen mindestens einmal pro Woche Videos, Serien und Filme online.

Beliebt sind ebenso spezielle Apps, mit denen bspw. eine Fremdsprache trainiert werden kann. Doch Eltern sollten sich mit ihren Kindern abstimmen, ob ein bestimmtes Lernprogramm wirklich den aktuellen Schulstoff trainiert. Falls nicht ist wichtig, dass Eltern im Blick behalten, ob es für das eigene Kind förderlich ist, sich mit weiterem Lernstoff zu beschäftigen, oder ob es vom eigentlichen Thema ablenkt, gegebenenfalls sogar das Kind überfordert.

Hausaufgaben digital erledigen in der Grundschule

Die rasante Entwicklung der Technik wurde schon 2016 in einem Papier der Kultusministerkonferenz (KMK) bedacht. Demnach soll die Arbeit mit dem PC bereits in der Grundschule Teil des Unterrichts sein. „Da die Digitalisierung auch außerhalb der Schule alle Lebensbereiche und – in unterschiedlicher Intensität – alle Altersstufen umfasst, sollte das Lernen mit und über digitale Medien und Werkzeuge bereits in den Schulen der Primarstufe beginnen“, heißt es hier.

Was vor ein paar Jahren noch die reine Nutzung von Computern war, ist heute der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Die technischen Sprünge sind groß und kommen schnell. Darauf müssen Kinder vorbereitet sein. Mehr zum Umgang mit KI und Hausaufgaben, lesen Sie hier.

Die sich verändernde Gesellschaft, im Hinblick auf Technik und Digitalisierung, hat zur Folge, dass Unterricht anders gestaltet werden muss. Je mehr digitale Medien im Leben der Menschen eine Rolle spielen, desto größer muss die Medienkompetenz sein. Die Schule ist also ein sinnvoller Ort, um Kindern den richtigen Umgang mit Computer, Smartphone und Co. beizubringen. Geschieht dies nicht, kann auch in der Freizeit nur schwer ein verantwortungsvoller Umgang stattfinden, den Eltern im Alleingang erkämpfen müssten.

Es ist also notwendig, Grundschulkinder behutsam an die Arbeit mit den technischen Geräten ihrer Zeit heranzuführen. Dabei sollten andere Fähigkeiten und Fertigkeiten weiter auf dem Stundenplan stehen: der Umgang mit dem Füller ist wichtig, um motorische Kompetenzen auszubilden, die eine Tastatur nicht schulen kann. Bildungspläne und Schulen sollten also die relevanten Entwicklungsschritte von Kindern sowie die gesellschaftliche Entwicklung in Einklang bringen.

Über die reinen Skills hinaus ist es für Kinder bereits in der Grundschule wichtig herauszufinden, mit welchen Methoden sie gerne lernen und sich den Unterrichtsstoff gut merken können. Viele Menschen prägen sich bspw. Lernstoff, den sie handschriftlich verfassen, besser im Gedächtnis ein. Auch Fokus und Konzentration sind notwendig für ein gutes Lernumfeld. Wenn Kinder sich am Computer oder Smartphone zu leicht ablenken lassen, sind analoge Lernwege oft effektiver. Kinder, die hingegen wenig Freude am handschriftlichen Arbeiten haben, schreiben am Computer den Aufsatz mit mehr Motivation und besseren Ergebnissen.

Eltern und Lehrkräfte sollten hier individuell auf die Stärken, Schwächen und Vorlieben der Kinder schauen. Verbote sind selten wirkungsvoll. Besser sind feste Pläne und Regeln: wie viel Bildschirmzeit am Tag ist ok, auch Hausaufgaben am Computer zählen in die Bildschirmzeit hinein, welche Hausaufgabe wird analog erledigt und welche am PC, welche Spiele dürfen am Computer oder Handy gespielt werden, etc. So erhalten Kinder einen klaren Rahmen, wann sie den Computer nutzen können und wofür. Je älter sie werden, desto mehr Freiräume können dabei verhandelt werden.

Medienkonsum der Kinder im Blick behalten

Medienkompetenz ist das A und O beim Umgang mit digitalen Medien. Dies gilt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Mit jeder neuen technischen Entwicklung, muss sich auch die Kompetenz im Umgang damit weiterentwickeln. Denn Medienkompetenz ist die Basis für einen gesunden Medienkonsum bei Menschen.

Auch wenn Hausaufgaben am Computer im Vergleich zum reinen "Zocken" sinnvoller erscheinen, sollten Eltern den gesamten Medienkonsum ihrer Kinder im Blick behalten. Denn Kinder und Jugendlichen verbringen inzwischen sehr viel Zeit vor einem Bildschirm. Die Auswirkungen sind nahezu gleich, egal ob an einem Referat gearbeitet oder eine Serie geschaut wird. Die KIM-Studie zeigt auch, dass der Fernseher immer noch einen hohen Stellenwert einnimmt. Sind die Kinder zu Hause, egal ob allein oder mit der Familie, läuft das Gerät bei über 60 % der Befragten fast täglich. Und beim Frühstück, auf dem Weg zur Schule oder im Bus dienen das Smartphone oder Tablet als Unterhaltungsmedium.

Mit kritischem Auge beobachten Wissenschaftler:innen schon länger den steigenden Medienkonsum vieler Kinder. Die damit einhergehende mangelnde Bewegung und das häufig damit verbundene ungesunde Essverhalten haben oftmals Übergewicht und mangelnde motorische Fähigkeiten zur Folge. Auch Konzentrationsstörungen und Kurzsichtigkeit werden immer wieder als Argumente in die Diskussion eingeführt.

Der Spagat zwischen Förderung an technischen Geräten und Einschränkung des Medienkonsums ist für Eltern nicht leicht zu realisieren. Viele Dinge werden heute ganz selbstverständlich am Smartphone oder Computer erledigt. Auch der Trend, Hausaufgaben am Rechner zu erledigen, wird nicht aufzuhalten sein. Eltern können ihre Kinder aber unterstützen, indem sie klare Regeln und bewusste, digital-freie Zeiten vereinbaren. Außerdem: Eltern sind ein Vorbild und sollten auch immer den eigenen Medienkonsum mit bedenken.

 

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Melanie Herber

Melanie Herber hat Medienwissenschaften, Fachjournalismus und Unternehmenskommunikation in Leipzig und Würzburg studiert. Ihr beruflicher Werdegang ist von verschiedenen Etappen in der Bildungswelt geprägt: Hochschulkommunikation, Bildungsministerium, Bildungsmedienverlag. Sie ist Teil der Redaktion von lernando aus dem Hause Westermann.

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