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Hausaufgaben – wieviel muss sein?

Frustriertes Kind mit Hausaufgaben am Schreibtisch
Entwicklung und Erziehung
© photophonie - Fotolia.de
von Ulrike Lindner

Nach einem langen Schultag ist Lena meist erschöpft – aber wenn die Fünftklässlerin um 15:30 Uhr nach der 8. Stunde nach Hause kommt, ist ihr Tagespensum noch nicht erledigt. Um alle Hausaufgaben zu erledigen, sitzt die Elfjährige an manchen Tagen bis 20:00 Uhr oder länger am Schreibtisch.

Lesedauer:
3 min

Wenn Hausaufgaben den Familienalltag belasten

Nach einem langen Schultag ist Lena meist erschöpft – doch wenn die Fünftklässlerin um 15:30 Uhr nach der achten Stunde nach Hause kommt, ist ihr Tagespensum noch nicht erledigt. Zwar wird an ihrer Schule überwiegend in Doppelstunden unterrichtet. Dennoch bedeuten acht Stunden auch vier Fächer und entsprechend viermal Hausaufgaben. Um alles zu schaffen, sitzt die Elfjährige an manchen Tagen bis 20:00 Uhr oder noch länger am Schreibtisch.

Auch für Lenas Eltern sind Hausaufgaben ein tägliches Ärgernis. Wie viele Mütter und Väter empfinden sie die damit verbundenen Auseinandersetzungen als Belastung für den Familienalltag. Eine Umfrage der Zeitschrift „Eltern“ bestätigt dieses Empfinden: Auf die Frage, ob Hausaufgaben die Beziehung zum Kind verschlechtern, antworteten 60 Prozent der Befragten mit einem klaren „Ja“.

Wie lange Hausaufgaben dauern dürfen

Viele Schulen, insbesondere Grundschulen und Ganztagsschulen, reagieren darauf, indem sie weniger oder gar keine Hausaufgaben aufgeben. Wo dies nicht der Fall ist, gelten folgende Richtwerte für die maximale tägliche Hausaufgabenzeit:

  • 1. und 2. Klasse: bis zu 30 Minuten

  • 3. und 4. Klasse: bis zu 60 Minuten

  • 5. und 6. Klasse: bis zu 90 Minuten

  • Höhere Klassenstufen: bis zu 2 Stunden

Wird dauerhaft mehr Zeit benötigt, sei das laut Bildungsexperten zu viel. Dann lohnt sich ein genauer Blick auf die Ursachen. Gibt der Lehrer zu viele Aufgaben auf? Häufig hilft bereits ein klärendes Gespräch, etwa wenn sich Lehrkräfte untereinander nicht ausreichend abstimmen und mehrere arbeitsintensive Aufgaben am selben Tag vergeben.

Gründe für täglichen Stress mit Hausaufgaben

Oft entsteht der Hausaufgabenstress jedoch auch durch mangelnde Organisation auf Schülerseite. Ein genauer Blick auf die Rahmenbedingungen kann helfen, die Situation zu entspannen. Verschiedene Faktoren entscheiden darüber, ob Hausaufgaben zügig erledigt werden oder zum dauerhaften Familienthema werden.

Der richtige Zeitpunkt

Wann Hausaufgaben erledigt werden, sollten Eltern und Kinder gemeinsam festlegen. Ob jemand nach der Schule zunächst entspannen muss oder lieber am frühen Nachmittag arbeitet, ist individuell verschieden. Gerade bei jüngeren Kindern ist es sinnvoll, über den passenden Zeitpunkt zu sprechen, statt starre Vorgaben zu machen und sich später über deren Nichteinhaltung zu ärgern.

Der passende Arbeitsplatz

Ein guter Arbeitsplatz sollte ruhig, aufgeräumt und gut beleuchtet sein und möglichst wenig Ablenkung bieten. Dabei muss es nicht zwingend der Schreibtisch im Kinderzimmer sein. Viele Grundschulkinder fühlen sich am Esstisch wohler, wo sie nicht allein arbeiten. Das ist unproblematisch, solange der Geräuschpegel moderat bleibt und Eltern nicht in Versuchung geraten, Aufgaben selbst zu lösen.

Motivation statt Frust

Die eigene Motivation spielt bei Hausaufgaben eine entscheidende Rolle. Natürlich würden die meisten Kinder lieber ihren Hobbys nachgehen. Wer jedoch das Gefühl hat, den Aufgaben gewachsen zu sein, arbeitet konzentrierter als jemand, der von vornherein mit Misserfolgen rechnet.

Damit Kinder selbständige Lerner werden, sollten Eltern sich beim Helfen zurückhalten. So können eigene Erfolgserlebnisse entstehen. Unterstützend wirken:

  • Ermutigung und gezielte Fragen, die zur Lösung hinführen

  • Lob für erreichte Ergebnisse

  • die Aussicht auf angenehme Aktivitäten nach getaner Arbeit

Wichtig ist zudem, Kritik sparsam einzusetzen und stattdessen Vertrauen sowie Wertschätzung zu vermitteln.

Warum Hausaufgaben trotz allem sinnvoll sein können

Nicht nur für einen entspannteren Familienalltag lohnt es sich, das Thema Hausaufgaben neu zu betrachten. Viele Pädagogen halten sie für besser als ihr Ruf. Dafür sprechen mehrere Argumente:

  • Sie haben eine Kontrollfunktion, da sich erst beim selbständigen Arbeiten zeigt, ob der Stoff verstanden wurde.

  • Durch das Wiederholen mit zeitlichem Abstand prägen sich Inhalte besser ein und gelangen ins Langzeitgedächtnis.

  • Bestimmte Inhalte, etwa Vokabeln, lassen sich nur durch regelmäßiges Üben festigen.

  • Hausaufgaben fördern neben fachlichem Wissen auch Organisation, Selbständigkeit und strukturiertes Arbeiten.

Diese Effekte lassen sich allerdings ebenso erzielen, wenn der Lernstoff in der Schule individuell bearbeitet, wiederholt und geübt wird. Zu viel Bedeutung sollte man Hausaufgaben daher nicht beimessen: Mehrere Studien zeigen, dass ihr Einfluss auf den Schulerfolg insgesamt gering ist.


Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Ulrike Lindner

Ulrike Lindner hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Hochschule der Künste, Berlin, studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin, Werbetexterin und Moderatorin.

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