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Mit Hosentaschenbestimmungsbüchern unterwegs

Mädchen mit Lupe auf Löwenzahwiese
Entwicklung und Erziehung
© Herby ( Herbert ) Me - Fotolia.de
von Jörg Sauer

Unsere Welt ist in vielerlei Hinsicht bequem geworden. Man verlässt sich gern darauf, immer und überall Informationen über interessierende Themen umgehend zu bekommen. Doch manchmal versagt auch die noch so gute Technik. Die Ursachen können unterschiedlicher Natur sein. Wie gut ist es dann, wenn man noch die Methode des Nachschlagens in einem Buch beherrscht. Diese gilt es auch im Zeitalter der modernen Informationsmöglichkeiten zu entwickeln.

Lesedauer:
4 min

Grundlagen entwickeln

Der Satz „Erkundige dich, wenn du unsicher bist“ kann Schülerinnen und Schülern als hilfreicher Leitgedanke dienen. Zu Beginn beantwortet die Lehrkraft offene Fragen noch direkt. Eine bewährte Übergangsform in Phasen der Stillarbeit besteht darin, dass ein Kind mit einem Zettel zur Lehrkraft kommt, um die richtige Schreibung eines Wortes zu erhalten. So bleibt die Konzentration der übrigen Kinder erhalten und unnötige Gespräche entfallen.

Mit der Zeit sollen Grundschulkinder jedoch lernen, eigenständig nach der richtigen Schreibung zu suchen. Grundlage dafür ist ein sicher beherrschtes Alphabet.

Übungen zum Alphabet

Alphabet festigen

Das Auswendiglernen sowie das Abschreiben und Gestalten des Alphabets gehören zu den ersten Schritten. Dabei werden Groß- und Kleinbuchstaben sowohl in Druck‑ als auch in Schreibschrift geübt. Allmählich kann das reine Abschreiben durch das Schreiben aus dem Kopf ersetzt werden. Auch ein geeignetes Schreibprogramm am PC unterstützt diesen Lernprozess.

Spielerische Vertiefungen

Buchstabenrätsel – etwa fehlende Buchstaben nach dem Alphabet ergänzen – fördern das Erkennen von Reihenfolgen. Manche Kinder erstellen eigene Rätsel für ihre Mitschüler. Ebenso lassen sich einfache Reime bilden, die das Sprachgefühl stärken, oder Buchstabenvorgänger und -nachfolger bestimmen, was auch als kleine Schnelligkeitsübung gestaltet werden kann.

Sortieren und Ordnen

Beim Sortieren eines durcheinandergeratenen Buchstabenfeldes oder beim Aufschreiben einer umgekehrten Folge trainieren Kinder ebenfalls die sichere Anwendung des Alphabets. Farben oder Schriftarten können den Schwierigkeitsgrad variieren.
Auch das Ordnen von Wörtern nach dem ersten, zweiten oder dritten Buchstaben unterstützt die alphabetische Orientierung. Markierte Vergleichsstellen erleichtern dabei die Arbeit.

Diese Grundlagen bereiten den Übergang zur Arbeit mit dem Wörterverzeichnis vor.

Arbeit mit dem Wörterverzeichnis

Viele Verlage bieten gut geeignete Wörterverzeichnisse für die Grundschule an. Optimal ist es, wenn die Kinder sowohl in der Schule als auch zu Hause Zugriff darauf haben.

Zu Beginn sollten sie Zeit erhalten, frei im Buch zu blättern, Wörter zu entdecken und die Struktur wahrzunehmen. Schnell erkennen viele Kinder die alphabetische Sortierung, die Gestaltung in Spalten und die Erklärungen zu manchen Einträgen. Einige Werke nutzen farbliche Kennzeichnungen für Wortarten, was für viele Lernende ein hilfreiches Gerüst darstellt.

Schrittweise Einführung

Die Lehrkraft übt die Vorgehensweise mehrfach ein. Dabei klärt die Klasse u. a. folgende Fragen:

  • Was tun, wenn ein zusammengesetztes Wort fehlt?
  • Wie gehe ich mit ähnlich klingenden Wörtern um?
  • Wofür stehen Zeichen und Hinweise, die hinter manchen Wörtern auftauchen?

Nach der intensiven Übungsphase sollte das Wörterverzeichnis beim Schreiben stets mitgeführt und genutzt werden.

Arbeiten mit Hosentaschenbestimmungsbüchern

Auf dieser Grundlage ist es sinnvoll, die Kinder auch an andere Nachschlagewerke heranzuführen. Besonders im Sachunterricht eignen sich Hosentaschenbestimmungsbücher als Begleiter für Unterrichtsgänge.

Auswahl geeigneter Bücher

Zu empfehlen sind Bücher, die leicht und handlich, stabil gebunden und mit guten Fotos ausgestattet sind. Die Texte sollten verständlich sein, und ein Register oder Stichwortverzeichnis erleichtert die Nutzung. Ein angemessenes Preis‑Leistungs‑Verhältnis spielt ebenfalls eine Rolle.

Wie beim Wörterverzeichnis sollten die Kinder zunächst frei blättern und Eindrücke sammeln. Danach werden der Aufbau, das Inhaltsverzeichnis und das Register gemeinsam besprochen und geübt.

Erste praktische Anwendung

Auf dem Schulgelände können die Kinder Bäume und Sträucher bestimmen. Mit Klebestreifen markieren sie die passenden Seiten im Buch. Die Auswertung erfolgt im Klassenverband, gern auch draußen am Entdeckungsort.

Erstellen von Baumsteckbriefen

Nach einer Exkursion erstellen die Kinder in Gruppen einen Steckbrief zu einem selbst gewählten einheimischen Baum. Form und Gestaltung bleiben offen.

Der Wald und seine Bewohner

In ähnlicher Arbeitsweise können komplexere Themen bearbeitet werden – etwa Tiere des Waldes, Gründe für den Schutz des Waldes, wichtige Pilze oder Moose und Farne.

Hosentaschenbestimmungsbücher selbst gestalten

Eine anspruchsvollere Aufgabe ist das Erstellen eines eigenen Bestimmungsbuchs. Themen können z. B. „Entdeckungen auf der Wiese“, „Einheimische Kräuter“, „Unsere Frühblüher“, „Vögel im Winter“ oder „Bäume unserer Heimat“ sein. Zwei Kinder gestalten jeweils einen Steckbrief, der im Klassenverband besprochen, gegebenenfalls überarbeitet und anschließend kopiert wird. Das Buch wächst mit jeder weiteren Exkursion.

Bestandteile des eigenen Bestimmungsbuchs

Deckblatt

Nach einem einführenden Gespräch oder Unterrichtsgang gestalten die Kinder ein eigenes Deckblatt „Mein Bestimmungsbuch“.

Inhaltsverzeichnis

Einträge sollten jeweils nach Fertigstellung eines Steckbriefs ergänzt werden; alternativ kann das Verzeichnis am Ende entstehen.

Steckbrief (z. B. zur Wegwarte)

Ein gemeinsam analysierter Beispielsteckbrief dient als Orientierung. Die Vorlage kann beliebig oft genutzt werden; Partner‑ oder Gruppenarbeit bietet sich besonders an. Fotos können mit einer Kamera aufgenommen und am Computer bearbeitet werden. Auch die komplette digitale Erstellung ist möglich.

Platz für Beobachtungen

Zusätzlich gibt es Raum für Notizen und weitere Entdeckungen – gern in Form kleiner Tagebucheinträge.

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Zuletzt geändert am 19.02.2026

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Themen:
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Über den Autor/die Autorin
Foto des lernando-Autors Jörg Sauer

Jörg Sauer ist ausgebildeter Grundschullehrer und unterrichtet seit über 20 Jahren an einer Schule. Neben der Lehrertätigkeit führte er in den vergangenen Jahren zahlreiche Weiterbildungen über die Nutzung von Neuen Medien im Unterricht durch.

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