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Für Demokratie interessieren

deutscher Bundestag mit Bundesflagge
Wissen und Bildung
© Marcito - Fotolia.de
von Hildegard Dierks

Sinkende Wahlbeteiligung, Radikalisierungstendenzen bei jungen Menschen, nachlassendes Engagement und Politikverdrossenheit machen zunehmend Sorgen. Besonders junge Menschen gelten als unpolitisch. Für sie scheint Demokratie eine Selbstverständlichkeit zu sein.

Lesedauer:
6 min

Politikverdrossenheit bei jungen Menschen: Warum frühe Demokratiebildung wichtig ist

Sinkende Wahlbeteiligung, Radikalisierungstendenzen, geringes Engagement und zunehmende Politikverdrossenheit geben Anlass zur Sorge. Besonders junge Menschen gelten oft als unpolitisch. Für viele wirkt Demokratie selbstverständlich, obwohl Kinder und Jugendliche noch kaum politische Kenntnisse besitzen. Gleichzeitig ist es nicht besonders attraktiv, sich aktiv für demokratische Werte einzusetzen. Umso wichtiger ist gezielte Förderung politischer Bildung.


Schülerparlamente: Erste Schritte zur Demokratieerziehung

Früh Verantwortung übernehmen

Ein Schülerparlament bietet bereits Grundschülern die Möglichkeit, demokratische Prozesse kennenzulernen. Delegierte aus jeder Klasse vertreten dort die Interessen ihrer Mitschüler. Das Parlament tagt regelmäßig, steht im Austausch mit Klassen und der Schulkonferenz und kann Einfluss auf schulische Themen nehmen – von Pausenhofgestaltung über Projekte bis zu Aspekten des Unterrichts.

Was Schüler dabei lernen

  • Interessen klar formulieren
  • Kritik äußern und selbst kritikfähig sein
  • Verantwortung übernehmen
  • Zivilcourage zeigen

Unterstützung für junge Schüler

Je jünger die Kinder, desto mehr pädagogische Begleitung benötigen sie, damit sie aktiv an Diskussionen teilnehmen und demokratische Abläufe verstehen.


Wahlrecht ab 16: Frühe Verantwortung mit Herausforderungen

Immer mehr Bundesländer senken das Wahlalter für Kommunal- und Landtagswahlen auf 16 Jahre. Ein Beispiel ist Schleswig-Holstein, wo Jugendliche seit 2013 wählen dürfen. Das eröffnet jungen Menschen früh die Möglichkeit, Demokratie mitzugestalten – birgt aber auch Herausforderungen, wenn politische Kenntnisse fehlen.

Die Einstellung junger Menschen wird stark durch das Umfeld geprägt. Wenn Eltern oder Großeltern negativ über Politik sprechen oder sich bewusst rühmen, nicht wählen zu gehen, beeinflusst das Jugendliche. Erwachsene haben daher eine wichtige Vorbildfunktion und sollten offen zeigen, dass Wählen wichtig ist.

Politische Gespräche im Alltag

  • helfen, Medienberichte besser zu verstehen
  • fördern sachliche Urteilsbildung
  • zeigen, dass politische Themen das eigene Leben betreffen

Politische Prozesse sichtbar machen

Demokratie funktioniert nach klaren Abläufen: Debatten, Abstimmungen, Kompromisse. Diese Prozesse sollten für Kinder und Jugendliche erfahrbar sein. Ausflüge zu Landtagen oder Besuche von Plenarsitzungen können helfen, das System anschaulich zu machen.

Beispiel: Jugend-Landtag NRW

Beim „Jugend-Landtag“ in Nordrhein-Westfalen übernehmen Jugendliche für drei Tage die Rolle von Abgeordneten. Sie diskutieren Anträge, erarbeiten Kompromisse und erleben Politik hautnah. Themen früherer Sitzungen waren u. a.:

  • „Begleitetes Fahren mit 16“
  • „Keine Fete an Feiertagen“

Solche Formate zeigen jungen Menschen: Ihre Stimme erzeugt Wirkung.


Digitale Angebote der Bundeszentrale für politische Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) stellt vielfältige Materialien bereit, die auf verschiedene Altersgruppen zugeschnitten sind.

HanisauLand (für Kinder von 8–14 Jahren)

  • spielerische Vermittlung politischer Inhalte
  • umfangreiches Politiklexikon
  • interaktive Comicgeschichte
  • Möglichkeit, Fragen an die Redaktion zu stellen

Wahl-O-Mat

Der Wahl-O-Mat dient als Entscheidungshilfe bei Landtags-, Bundestags- und Europawahlen. Nutzer beantworten Fragen und erhalten einen Überblick, welche Partei ihren Positionen am nächsten steht. Für Schulen stehen passende Unterrichtsmaterialien zur Verfügung.


Wettbewerbe als Motivation für politische Bildung

Wettbewerbe können junge Menschen besonders gut erreichen – vor allem dann, wenn sie Medien nutzen, die Jugendlichen vertraut sind.

Beispiel: Videowettbewerb „ICH MACHE > POLITIK“

  • Altersgruppe: 12 bis 27 Jahre
  • Aufgabe: Erstellung eines 2‑minütigen Videoclips zu einem Thema aus der eigenen Lebenswelt
  • Ziel: junge Perspektiven in die Politik einbringen

Die Projekte zeigen, wie wichtig politische Beteiligung junger Menschen ist – besonders weil ihre Generation zahlenmäßig kleiner ist und ihre Interessen in der Politik sonst untergehen könnten.


Nachrichten für Kinder: Medienkompetenz fördern

Wer politische Zusammenhänge verstehen soll, braucht passende Informationsquellen. Nachrichtenformate für Erwachsene sind für Kinder oft unverständlich. Deshalb gibt es spezielle Angebote:

Beispiele kindgerechter Nachrichtenplattformen

  • Kindernetz (SWR) – Nachrichten, Filme, Erklärstücke
  • kakadu.de – Radioprogramm mit Reportagen, Diskussionen und Hörspielen
  • KiKA-Nachrichten – verständlich formulierte Beiträge im TV und online
  • Projekte wie „Zeitung macht Schule“ – Zeitungen vermitteln aktuelle Themen altersgerecht

Einige Angebote, wie die Kindernachrichten auf NDR Info, werden sogar in Gebärdensprache ausgestrahlt – ein Beitrag zur Inklusion.


Kommentar: Demokratie muss erlebt werden

Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Kinder und Jugendliche müssen demokratische Prozesse konkret erfahren – in Schule, Familie und Alltag. Schülerparlamente und Schülervertretungen spielen hierbei eine wichtige Rolle und sollten wertgeschätzt werden.

Politik-, Sozialwissenschafts- und Geschichtsunterricht liefern das notwendige Fundament. Noch wichtiger ist jedoch, dass junge Menschen lernen:

  • fair zu streiten
  • Kompromisse nicht als Niederlage zu sehen
  • die Langsamkeit demokratischer Prozesse zu akzeptieren

So entsteht dauerhafte demokratische Kompetenz.

Buch- und Linktipps

Buchtipp:

Edelstein W.; Frank S. und Sliwka A. (Hrsg.): Praxisbuch Demokratiepädagogik: Sechs Bausteine für Unterrichtsgestaltung und Schulalltag. Beltz Verlag 2009.

Linktipps:

Zuletzt geändert am 17.02.2026

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Über den Autor/die Autorin
Foto der lernando-Autorin Hildegard Dierks

Hildegard Dierks arbeitet seit vielen Jahren als Online-Autorin und Online-Redakteurin für verschiedene Zielgruppen, z.B. Eltern. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen alle Themen rund um Grundschule, Fremdsprachenlernen, Musikerziehung, computergestütztes Lernen aber auch schulpolitische Themen.

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